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Nato-Gipfel in London: Die Queen freut's

Foto: Kevin Lamarque/ REUTERS

Nato-Gipfel mit Macron und Trump Zwei Prozent Übereinstimmung

Eigentlich verstehen sich Emmanuel Macron und Donald Trump ganz gut. Beim Nato-Treffen in London krachte es aber vor laufenden Kameras. Der US-Präsident fühlt sich beleidigt, Macron fühlt sich im Recht.

Die Kanzlerin machte es kurz. Die Queen, so Angela Merkel, warte schließlich nicht. Soeben war das Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Downing Street No. 10 zu Ende gegangen, und Merkel ist kurz in einen Saal im noblen Savoy-Hotel geeilt, um vor Fernsehkameras aus Deutschland zu vermelden: Geschadet hat es zumindest nicht.

Man wollte weiterhin die IS-Terroristen besiegen, meldet Merkel, und wenn Flüchtlinge in das nun von der Türkei und Russland kontrollierte Gebiet in Syrien zurückkehren wollten, dann nur unter Beteiligung des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, so die Kanzlerin. Dann geht's rasch weiter zum Empfang, den Elisabeth II. für die Nato-Staats- und Regierungschefs am Dienstagabend im Buckingham Palace ausrichtet.

Angela Merkel im Gespräch mit Queen Elizabeth II.

Angela Merkel im Gespräch mit Queen Elizabeth II.

Foto: WPA Pool/ Getty Images

Es ist wie immer bei Merkel: Die krassesten Treffen, die schlimmsten Verwerfungen - doch bei der Kanzlerin klingt alles nach Normalität. "Begegnungen" seien "doch immer gut", sagt sie. Dabei war der Grund für das Treffen mit Erdogan, dass der Nato-Verbündete Türkei ohne Vorwarnung Soldaten nach Syrien entsandt und damit womöglich unübersehbare Risiken auch für die Allianz verursacht hatte.

Trump trifft Macron

Womöglich war Merkel auch nur erleichtert, einmal nicht Ziel der üblen Laune des US-Präsidenten zu sein. Immerhin ist der Streit mit dem türkischen Präsidenten Erdogan nur eine der Schwierigkeiten, die die Nato diskutiert, wenn sich die Staats- und Regierungschefs am Mittwochvormittag in einem Golfhotel vor den Toren Londons zur offiziellen Arbeitssitzung treffen werden. Am Dienstag waren die Probleme vor allem beim Treffen Trumps mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron bereits in aller Offenheit zutage getreten.

Dabei traten beide quasi mit vertauschten Rollen auf. Trump, der die Nato früher gern als "obsolet" bezeichnet hatte, gab auf einmal den Verteidiger des Bündnisses. Macron hingegen legte die Finger in die Problemwunden des Bündnisses.

Entsprechend hart kritisierte Trump Macron, der der Nato zuletzt den "Hirntod" attestiert und mit seinen in einem Interview geäußerten Zweifeln am Wert der Beistandspflicht des Artikel 5 im Bündnis für Verärgerung gesorgt hatte. Schon beim Frühstück mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg bekam Macron erste Distanzschläge. Frankreich brauche die Nato doch dringender als alle anderen, schimpfte Trump. Hohe Arbeitslosigkeit, die Gelbwesten - die Franzosen, so Trump, sollten sich hüten, "nasty statements" über das Bündnis zu machen. Das sei "beleidigend" und "respektlos" gegenüber den anderen Mitgliedern.

Trumps Statement im Video

SPIEGEL ONLINE

Am Dienstagnachmittag, beim bilateralen Treffen der beiden Präsidenten, setzte sich die Auseinandersetzung mit unverminderter Härte vor laufenden Kameras fort. Trump lobte, dass die Nato mehr für die Verteidigung ausgebe und lobte, im Übrigen nicht ganz zu Unrecht, sich selbst für diesen Zuwachs. Daher will er sich das Bündnis jetzt nicht schlechtreden lassen. Auch von Macron nicht, zu dem er eigentlich einen ganz guten Draht pflegt.

Macron, das verwundert nicht, lässt sich von Trump nicht einschüchtern. "Mein Statement führte zu Reaktionen", sagt er über sein Interview im "Economist". "Und ich stehe dazu." Man brauche erst mal eine Strategie, bevor man Soldaten in den Einsatz schicke, sagt er. "Wir haben nicht die gleiche Definition von Terrorismus um den Tisch herum. Die Türken kämpfen gegen die, die mit uns (gegen den IS) kämpfen", so Macron weiter, vor allem mit Blick auf die Kurden. Die USA hatten, so die landläufige Lesart im Bündnis, die langjährigen Verbündeten im Stich gelassen, als sie den Rückzug ihrer Leute aus Nordsyrien verkündeten.

Stoltenbergs Höhepunkt: ein Omelett

Bei dieser Gemengelage konnte einem Jens Stoltenberg, als Generalsekretär so eine Art Klassensprecher der Nato, schon leidtun, bevor das Treffen so richtig begonnen hatte. Über Monate hinweg hatte der feinsinnige Diplomat versucht, die tiefen Risse im Bündnis wenigstens oberflächlich zu kitten. Er erstellte Grafiken, die Präsident Trump zeigen sollten, dass wirklich alle sich anstrengen, die magischen zwei Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts bei den Verteidigungsausgaben zu erreichen. Er reiste durch die Hauptstädte und versuchte, Brücken zu bauen.

Genutzt hat es nichts. Zwischen Macron und Trump wurde das Zwei-Prozent-Ziel erreicht - aber allenfalls bei der Übereinstimmung ihrer Gedanken. Gute 52 Minuten musste Stoltenberg gleich am Dienstagmorgen mit ansehen, wie der US-Präsident große Teile seiner Gipfel-Choreografie mit einem Handstreich vom Tisch wischte. Zwar begann Trump seine Tiraden in der edlen Kulisse des historischen Winfield House tatsächlich mit den Errungenschaften der vergangenen Jahre. Schon einige Minuten später aber redete er sich immer heißer. Angefeuert von den Fragen der Reporter wurde der als Statement geplante Termin zur reinen Trump-Show.

Frohsinn sieht anders aus: Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg

Frohsinn sieht anders aus: Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg

Foto: Francisco Seco/AP/dpa

Die Frustration war Stoltenberg eine Stunde später noch deutlich anzusehen. Mit leerem Blick plumpste er bei einer Diskussionsveranstaltung in der Westminster Hall auf einen Stuhl. Was ihm denn in positiver Erinnerung geblieben sei, wollte die Moderatorin wissen. Dem Generalsekretär fiel dazu nicht viel mehr als die Speisen ein - ein Omelett, Würstchen, brauner Toast und Orangensaft. Immerhin habe die US-Regierung das Frühstück bezahlt, fügte er mit einem leicht verkniffenen Lächeln hinzu.

Als die Fragen auf den französischen Präsidenten Macron kamen, wurde Stoltenbergs Laune nicht viel besser. Dreimal wich er der Frage aus, was er denn von den "Hirntod"-Aussagen des Präsidenten halte, sprach stattdessen von der Stärke der Nato und dass Konflikte im Bündnis doch ganz normal seien. Dann aber platzte dem sonst stets ruhigen Norweger der Kragen. "Ich werde auf dieses Thema nicht einsteigen", zischte er, "ich sage hier nicht, dass ich damit nicht einverstanden bin".

Fortsetzung folgt. Am Mittwochvormittag im Golfhotel. Übrigens auch für die deutsche Kanzlerin. Angela Merkel wird US-Präsident Trump nach der offiziellen Arbeitssitzung zum Einzelgespräch treffen.