Nato-Chefposten Stoltenberg bleibt länger - Spekulationen über von der Leyen

Nato-Generalsekretär Stoltenberg soll nach SPIEGEL-Informationen ein Jahr länger im Amt bleiben. Über seine Nachfolge im Jahr 2019 wird bereits spekuliert. Eine Kandidatin: Ursula von der Leyen.

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Die Nato-Staaten haben sich nach SPIEGEL-Informationen intern darauf verständigt, dass der amtierende Generalsekretär Jens Stoltenberg der Allianz noch bis 2019 vorstehen soll. Nach Angaben von Diplomaten hatten sich die wichtigsten Partner der Allianz schon vor der laufenden Herbsttagung der Nato-Verteidigungsminister darauf geeinigt, dass der Norweger noch bis zum Jubiläumsgipfel anlässlich des 70. Geburtstags der Nato im Amt bleiben soll.

Stoltenberg ist seit 2014 Nato-Generalsekretär. Die Verlängerung seiner vierjährigen Amtszeit gilt im Hauptquartier als entschiedene Sache, wird aber wohl erst auf dem nächsten Treffen der Nato-Außenminister im kommenden Jahr offiziell bekannt gegeben.

In der Vergangenheit waren die Amtsperioden der Nato-Chefs schon mehrfach um ein Jahr verlängert worden. Stoltenberg kann so noch die Planungen für den 70. Geburtstag der Allianz leiten. Dazu wird es vermutlich in Washington einen Gipfel geben, dort wurde der Nato-Vertrag 1949 unterzeichnet.

Stoltenberg hat die Nato in einer der schwierigsten Phasen nach dem Ende des Kalten Kriegs geführt. Nach der Annexion der Krim durch Russland 2014 musste er erstmals wieder eine militärische Aufrüstung des träge gewordenen Bündnisses organisieren. Das Wort Abschreckung geht ihm heute wieder wie eine Selbstverständlichkeit über die Lippen.

Nachfolgekandidatin von der Leyen

In den Fluren des Hauptquartiers wird dieser Tage jedoch weniger über Stoltenberg als über seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin diskutiert. Traditionell stellen die USA die militärische Führung der Allianz, den zivilen Chef-Posten des Generalsekretärs nehmen die Europäer ein.

Ein Name fällt bei den Spekulationen immer häufiger: Ursula von der Leyen. Die karrierebewusste deutsche Verteidigungsministerin hat sich in der Nato den Ruf einer zupackenden europäischen Politikerin erworben, als überzeugte Transatlantikerin achtet sie zugleich stets auf einen guten Draht nach Washington.

Eine Wahl von der Leyens könnte auch die gewachsene Rolle Deutschlands in der Allianz und in Europa widerspiegeln, sagen Diplomaten in Brüssel. Auch aus der US-Delegation, ohne deren grünes Licht letztlich kein Kandidat eine Chance hat, hört man viel Gutes über die CDU-Politikerin.

Innerhalb der Nato hat von der Leyen durchaus einige Projekte nach vorne gebracht. In der Flüchtlingskrise staunten die anderen Nationen darüber, wie schnell von der Leyen die beiden verstrittenen Partner Türkei und Griechenland an einen Tisch brachte, um eine Seemission in der Ägäis, damals eine der Hauptrouten der Schlepper, zu organisieren.

Noch nie stand eine Frau als Generalsekretärin an der Spitze der Nato

Ähnlich engagiert kämpfte von der Leyen in Deutschland die durchaus umstrittene Budget-Erhöhung für die Bundeswehr durch, insgesamt 14 Milliarden mehr soll diese in den kommenden vier Jahren erhalten. Vom Zwei-Prozent-Ziel der Nato ist sie damit immer noch weit entfernt. Die Trendwende aber beeindruckte viele in Brüssel.

Die Ministerin selbst würde über den möglichen Posten in Brüssel kein Wort verlieren. Dass der Job im internationalen Rampenlicht, zwischen den Staatslenkern der Welt, ihr durchaus gefallen würde, ist jedoch kein Geheimnis. Nach anfänglichem Fremdeln ist sie mittlerweile auch in der internationalen Sicherheitspolitik sicher in der Materie.

Für die Nato wäre eine Berufung von der Leyens eine Premiere, noch nie stand eine Frau als Generalsekretärin an der Spitze des Bündnisses. Zunächst aber muss von der Leyen daheim in Berlin absichern, dass sie auch im angepeilten Jamaika-Bündnis Verteidigungsministerin bleibt.



insgesamt 50 Beiträge
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prometheus88 09.11.2017
1. So gut wie gewählt
Mit der Stimme aus Polen kann sie bestimmt rechnen.
herbert.huber 09.11.2017
2. wenigstens ...
wenigstens könnte sie dann in Deutschland nicht mehr direkt ein Ministerium ruinieren. Daher hat sie meine Stimme.
behemoth 09.11.2017
3. UvdL
hat sich doch schon gut positioniert, indem sie nicht aufhört, von der NATO als "Wertegemeinschaft" zu schwafeln. Merke: "Interessen, wenn sie aggressiv werden, nennen sich Werte." Michael Klonovsky
surfaxel 09.11.2017
4. Wie kommt man auf so eine Idee?
Oder ist Überforderung und Unfähigkeit auch eine Anforderung für diesen Posten?
53er 09.11.2017
5. Gerade erst
unbedacht geplappert und ins polnische Fettnäpfchen getappt, nebenbei im Verteidigungsministerium Bilanz gleich NULLKOMMANULL und schon den Posten der Nato-Generalsekretärin in Aussicht. So sehen Politikerkarrieren in der CDU aus. Leistung? Unnötig. Geschicktes Auftretn? Was soll´s? Seilschaften wohin man schaut, DAS bringt´s.
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