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04. September 2014, 10:22 Uhr

Kommentar zum Nato-Gipfel

Das muss uns Frieden wert sein

Ein Kommentar von , Cardiff

Die Zukunft der Nato liegt in Europa, nicht in den USA: Der neue Generalsekretär Stoltenberg muss die Europäer überzeugen, endlich mehr in ihre Sicherheit zu investieren.

Ein Nato-Generalsekretär ist per Jobbeschreibung mehr Sekretär als General - vor allem der Amerikaner, die zahlen und deswegen bestimmen wollen. Washington stellt immerhin rund drei Viertel des Budgets für das Verteidigungsbündnis.

Doch der neue Generalsekretär Jens Stoltenberg, ein besonnener Norweger, hat die historische Gelegenheit, dies zu ändern. Dafür muss er statt den US-Präsidenten Barack Obama eine Europäerin umwerben: Kanzlerin Angela Merkel.

Denn Amerika ist derzeit eine Weltmacht im Rückzug, sein Präsident blamiert sich mit halbherzigen Strategievorschlägen. The world is a mess, sagt die Ex-US-Außenministerin Madeleine Albright über die globalen Krisenherde. Amerikas aktuelle Außenpolitik aber auch.

Auf die "lahme Ente" aus Washington kann Stoltenberg nicht zählen. Muss er aber auch gar nicht. Die Zukunft der Nato entscheidet sich in Europa, wo 26 der 28 Mitgliedstaaten liegen.

Diese müssen endlich begreifen, dass ihr Kontinent nach Wladimir Putins offener Aggression "erhöhte Verteidigungsbereitschaft" braucht, wie Bundespräsident Joachim Gauck bei den Gedenkfeiern zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs mahnte. Dazu gehört, endlich gemeinsame Strategien zu zimmern und diese in Teamarbeit umzusetzen.

Die Nato bietet dafür den idealen Rahmen - nicht als kriegslüsterne Angriffsmaschine, wie sie Stoltenbergs Vorgänger Rasmussen bisweilen präsentierte, sondern als erfolgreichstes Verteidigungsbündnis der Geschichte.

Doch natürlich heißt das auch: Es kann teurer werden. Allen voran für Deutschland, das die Nato-Vorgaben für Verteidigungsausgaben in Höhe von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts seit Langem ignoriert und dessen Militär höchstens bedingt abwehrbereit ist.

Niemand will, dass Berlin um jeden Preis aufrüstet. Aber Deutschland muss dafür sorgen, dass es selbst und auch Europas Nato-Mitglieder erstens gemachte Zusagen einhalten und zweitens vorhandene Mittel intelligenter nutzen.

Überzeugt Stoltenberg Merkel, dass Sicherheit diesen Preis wert ist, hat er die beste Botschafterin auf seiner Seite: Der starken Deutschen wird der Rest Europas mehr Gehör schenken als einem gelähmt wirkenden US-Präsidenten.

Und die Gelegenheit, Merkel zu beeinflussen, ist günstig. Die Kanzlerin hat gerade in der Debatte um Waffenlieferungen an die Kurden im Irak anerkannt, dass Wegducken im Krisenfall keine deutsche Option mehr ist.

Also können Stoltenberg und Merkel einander Schützenhilfe gewähren im Überzeugungkampf für eine schlichte Wahrheit: Verantwortliche Außenpolitik schließt Verteidigungspolitik ein - und die Nato spielt darin eine zentrale Rolle.

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