Bedrohung durch Russland Nato bekommt neue Kommandostruktur

Die Nato betrachtet Russland wieder als Gefahr - und errichtet erstmals seit Ende der Sowjetunion neue Kommandozentren. Außerdem will das Bündnis künftig auch Cyberwaffen einsetzen.
Französische Militärfahrzeuge kommen in Estland an

Französische Militärfahrzeuge kommen in Estland an

Foto: RAIGO PAJULA/ AFP

Die Nato verstärkt erstmals seit dem Ende des Kalten Krieges wieder ihre Kommandostruktur. Die Verteidigungsminister der Allianz hätten sich bei einem Treffen in Brüssel auf den Aufbau von zwei neuen Planungs- und Führungszentren geeinigt, teilte das Bündnis mit . Zuvor hatte bereits der Nordatlantikrat, das wichtigste Entscheidungsgremium der Nato, den Ausbau beschlossen.

Eines der neuen Kommandozentren soll die schnellere Verlegung von Truppen innerhalb Europas verantworten. Das zweite soll Marineeinsätze im Atlantik steuern können, um im Kriegsfall den Seeweg zwischen den USA und Europa freizuhalten.

Die Pläne sind eine Reaktion auf die vor allem von den östlichen Nato-Staaten als aggressiv wahrgenommene Politik Russlands, unter anderem in der Ukraine. Viele Nato-Staaten diskutieren derzeit auch neue Rüstungsprojekte - die Bundeswehr aktuell über einen Nachfolger für die alternden "Tornado"-Kampfjets.

Leitlinien zu Cyberwaffen verabschiedet

Die neuen Strukturen gelten als Teil einer Kehrtwende. Nach dem Ende des Kalten Krieges hatte die Nato ihre teure Abschreckungspolitik zunächst zurückgefahren, die Kommandostrukturen wurden eingestampft - von einst 33 Kommandozentren sind laut Nato nur noch sieben übrig. Die Personalstärke sank von 22.000 auf 6800. (Lesen Sie hier die Analyse "Geheimer Report: So schwach ist die Nato".)

Nun jedoch müsse die Struktur angepasst werden, damit das Verteidigungsbündnis "robust, wendig und voll einsatztauglich" bleibe, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. "Militärische Mobilität ist der Schlüssel zu Abschreckung und Verteidigung."

Mehrere Tausend Nato-Soldaten wurden zwar bereits im Baltikum und in Polen stationiert. Doch erschweren zahlreiche für Panzertransporte ungeeignete Straßen, Brücken und Gleiswege derzeit schnelle Truppenverlegungen nach Osteuropa. Die Nato fordert deswegen auch von der EU und der Privatwirtschaft eine stärkere Beteiligung an der Abschreckung. Parallel dazu hat die Bundeswehr in einer geheimen Studie aber auch ein politisches Szenario entwickelt, falls der Westen zerfällt.

Neues Logistikkommando in Deutschland?

Zu den bisherigen Kommandozentralen der Nato gehören zwei "Joint Force Headquarters" im niederländischen Brunssum und in Neapel, die Operationen wie den Einsatz in Afghanistan steuern, sowie das Luftstreitkräftekommando AIRCOM in Ramstein, das Kommando der Seestreitkräfte MARCOM im englischen Northwood und das Landstreitkräftekommando LANDCOM im türkischen Izmir. Die beiden "Strategischen Kommandos" Allied Command Operations (ACO) in Belgien und das Allied Command Transformation (ACT) in den USA stehen darüber.

Deutschland gilt wegen seiner zentralen Lage als möglicher Standort für ein neues Nato-Logistikkommando für Truppenbewegungen innerhalb Europas. Stoltenberg hoffe, dass die Verteidigungsminister bei ihrem Treffen im Februar "endgültige Beschlüsse" zur Standortfrage fällen könnten.

Am Donnerstag wollen die Verteidigungsminister der Nato-Staaten auf ihrem zweitägigen Treffen über die geplante Verstärkung des Afghanistan-Einsatzes beraten. Laut Stoltenberg wird die Zahl der Soldaten zur Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte im kommenden Jahr auf rund 16.000 steigen. Dies entspricht einem Plus von mehr als 3000 zusätzlichen Kräften. Hintergrund ist das Wiedererstarken der radikalislamischen Taliban und die Expansion der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in dem Land.

Nato-Verteidigungsminister in Brüssel

Nato-Verteidigungsminister in Brüssel

Foto: LECOCQ/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Die Nato will bei ihren Einsätzen künftig zudem auch Cyberwaffen einsetzen. Die Minister einigten sich auf entsprechende Leitlinien für militärische Hackerangriffe. Mit gezielten Cyberattacken lassen sich beispielsweise Propagandaseiten des Gegners im Internet lahmlegen. Möglich wäre eaber auch, ganze Computer- oder Mobilfunknetze auszuschalten. Die Fähigkeiten dafür sollen der Nato im Ernstfall von Mitgliedstaaten freiwillig bereitgestellt werden.

apr/dpa/AFP
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