Nato Serbisches Fernsehen ausgeschaltet

Das staatliche Fernsehen ist am Sonntag durch Nato-Luftangriffe auf Sende-Anlagen bei Belgrad und an der Grenze zu Bosnien-Herzegowina großenteils lahmgelegt worden.

Belgrad/Washington - Kampfflugzeugen der Nato haben am Sonntag früh mehrere Industriebetriebe in den serbischen Städten Nis und Lucani angegriffen. Dabei seien in Nis, 200 Kilometer südöstlich von Belgrad, schwere Schäden entstanden, meldete die jugoslawische Nachrichtenagentur Tanjug. In Lucani, 100 Kilometer südlich der Hauptstadt, schlugen fünf Raketen in einem Chemiewerk ein.

Zu den Zielen der Luftangriffe gehörte auch der 15 Kilometer südlich von Belgrad gelegene Berg Avala mit einer wichtigen Sendeanlage des Staatsfernsehens. Der Sendebetrieb brach erneut plötzlich ab. Wie Tanjug berichtet, wurden mehrere TV-Relaisstationen zerstört, so daß in der Hauptstadt Belgrad und weiten Teilen der Republik keine Programme des Staatsrundfunks zu empfangen sind. Radio Belgrad sendete auf neuen Frequenzen.

Bei dem Angriff auf eine Fernseh-Relaisstation am Berg Gucevo an der Grenze zu Bosnien sei auch eine Bergsteiger-Unterkunft getroffen worden, meldete Tanjug. Dabei wurde der Leiter der Unterkunft leicht verletzt.

Bereits am Freitag hatte die Nato die Zentrale des serbischen Staatsfernsehen RTS in Belgrad bombardiert. Nach jugoslawischen Angaben gab es dabei zwölf Tote und 18 Verletzte.

Nato-Oberbefehlshaber Wesley Clark wird am heute zu einem Besuch der US-Truppen in Albanien erwartet. Nach dem Eintreffen von 24 Kampfhubschraubern vom Typ Apache wollen die USA ihre dort bereits stationierten 3000 Soldaten in der kommenden Woche um 2000 weitere Männer verstärken. Außerdem sollen zusätzliche Panzer, Artillerie und Luftabwehr-Raketen nach Albanien gebracht werden.

Auf dem Nato-Gipfel in Washington kündigte der Sprecher des Bündnisses, Jamie Shea, eine weitere Verstärkung der Luftangriffe an. Zudem will die Allianz Belgrad mit einer Seeblockade vom Öl-Nachschub abschneiden. Der russische Außenminister Igor Iwanow erklärte dazu bereits, daß Moskau das Embargo nicht akzeptieren werde.

Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping plant nach einem Bericht von "Bild am Sonntag" die Entsendung von rund 400 Bundeswehrsoldaten nach Albanien. Einen entsprechenden Vorschlag wolle er dem Bundeskabinett machen, berichtet die Zeitung. Vorgesehen sei der Einsatz von 150 Fernmeldesoldaten und sieben Transporthubschraubern mit 60 Mann. Ferner sollen mehr als 100 Pionieren zum Bau von Brücken, Straßen, Feldlagern und Wasseraufbereitungs-Anlagen eingesetzt werden. Weitere 100 Soldaten sollen diese Einheiten schützen.

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