Nato-Tagung "Saddam wird entwaffnet, so oder so"

In drastischen Worten hat US-Präsident George W. Bush vor Beginn der Nato-Tagung in Prag den Kampf gegen den Terrorismus beschworen. Die Nato soll sich in eine Anti-Terror-Allianz verwandeln, alle Länder sollten in einer "Koalition der Wollenden" gegen Schurkenstaaten vorgehen.


Bush (l.) und Havel auf der Prager Burg
AP

Bush (l.) und Havel auf der Prager Burg

Hamburg - US-Präsident George W. Bush traf Mittwoch früh auf der Prager Burg mit Präsident Vaclav Havel zusammen. Auf der anschließenden Pressekonferenz war die Irak-Politik zentrales Thema. Bush sagte, es gehe darum, Saddam zu entwaffnen. Es liege an ihm, wie dies geschehen werde. "Er wird entwaffnet werden, so oder so", sagte Bush, "im Namen des Friedens."

Diesen Frieden gefährde Saddam. 16-mal habe die Uno den Irak aufgefordert, seine Waffen zu zerstören, 16-mal habe Saddam zugesagt, es aber nie getan. "Davon haben wir genug", sagte Bush. Es gebe eine entscheidende Frage: "Wird Saddam mit dem Willen der Welt kooperieren oder nicht? Und das heißt Entwaffnung."

Ebenso wie es an Saddam sei, zu wählen, ob er seine Waffenarsenale offen legt oder nicht, stünden die Staaten vor der Wahl, ob sie auf der Seite der USA stehen wollen oder ob sie nicht am Kampf gegen die internationale Bedrohung teilnehmen werden. "Wir hoffen, dass unsere Freunde mitmachen", sagte Bush, sollte es zu einem Krieg kommen. Es sei jedoch die Entscheidung Deutschlands - wie jeden Landes - ob und wie es sich beteiligen wolle. Man sei darüber im Gespräch. Er sei froh über jeden, der an der "Koalition der Wollenden" teilnehme.

Die Nato spiele eine wichtige Rolle im Kampf gegen den weltweiten Terrorismus. Die Allianz müsse transformiert werden von einer Macht, die einst dem Warschauer Pakt entgegenstand, zu einer Kraft, die den internationalen Terrorismus bekämpfe. "Der Feind ist nicht Russland, sondern der weltweite Terrorismus, der den Frieden bedroht", sagte Bush.

Auch das tschechische Volk müsse verstehen, dass diese Bedrohung real sei. Seit dem 11. September habe sich die Welt für die USA geändert. Bei dem neuen Feind handle es sich um kaltblütige Killer, die die Freiheit hassten. Bush ergänzte, es sei ein Kampf gegen Individuen, nicht gegen eine Religion. "Wenn wir stark, vereint und hart bleiben, werden wir die Oberhand behalten."

Daher unterstützt Bush nach eigenen Aussagen ein starkes, freies und friedliches Europa. Diese Freiheit müsse um jeden Preis verteidigt werden. Länder wie die Tschechei könnten dazu beitragen, den Frieden zu sichern, aber auch die Seele des weltweit wichtigsten Bündnisses zu beeinflussen.

Die Begegnung in der Prager Burg bildete den Auftakt einer Serie von Zweiergesprächen, die Bush am Rande des Nato-Gipfeltreffens führen will, das an diesem Donnerstag beginnt. Er will noch heute den türkischen Präsidenten Ahmet Necdet Sezer und Nato-Generalsekretär George Robertson treffen. Außerdem ist eine Rede zur Zukunft Europas vor Jugendlichen aus den Ländern des Bündnisses geplant.

Auf der Pressekonferenz mit Havel bedankte sich Bush beim tschechischen Volk für die Gastfreundschaft. Er hob den großartigen Charakter der Tschechen hervor, die diese Konferenz zu Stande gebracht haben trotz der Zerstörungen durch die Flut im letzten Sommer.

Bush sandte auch eine Grußadresse in sein eigenes Land. Er bedankte sich beim Senat für die gute Zusammenarbeit mit ihm. Der Senat hatte gerade nach monatelangem Kampf die Einrichtung eines Heimatschutzministeriums verabschiedet.



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