Konflikt mit Syrien Türkei lässt Kampfjets an Grenze aufsteigen

Die türkische Regierung hat weitere Kampfjets und Panzer an die Grenze zu Syrien beordert. Zwei Flugzeuge stiegen nahe der Grenze auf, nachdem ein syrischer Militärhubschrauber die Stadt Azmarin beschossen haben soll.
Türkische F-16-Jets (Archivbild von 2009): Maschinen an syrische Grenze verlegt

Türkische F-16-Jets (Archivbild von 2009): Maschinen an syrische Grenze verlegt

Foto: SELCAN HACAOGLU/ ASSOCIATED PRESS

Istanbul/Moskau - Die Türkei rüstet im Grenzgebiet zu Syrien weiter militärisch auf. Wie die türkische Tageszeitung "Hürriyet" unter Berufung auf Regierungskreise berichtete, verlegte die Luftwaffe 15 Kampfjets aus anderen Landesteilen ins südostanatolische Diyarbakir. Die Zahl der Panzer wurde um noch einmal 60 auf jetzt 250 erhöht.

Zwei Kampfjets stiegen am Mittag nahe der Grenze auf, nachdem ein syrischer Militärhubschrauber die von Rebellen kontrollierte Stadt Azmarin beschossen haben soll. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Rund um die Stadt lieferten sich die Regierungstruppen und Aufständische die ganze Woche über Gefechte. Die Nachrichtenagentur AFP berichtet, ein türkisches Kampfflugzeug habe einen syrischen Hubschrauber abgedrängt, der sich der türkischen Grenze näherte. Der Hubschrauber habe die Stadt Asmarin bombardieren wollen.

Im türkischen Grenzgebiet schlagen immer wieder Granaten aus Syrien ein, die Türkei feuert zurück. In der vergangenen Woche hatte das Parlament der Regierung in Ankara Militäreinsätze im Nachbarland erlaubt.

Auch der Konflikt um das von den Türken abgefangene Flugzeug könnte sich verschärfen. Die Regierung in Ankara hat nach einem Medienbericht einen Nato-Waffenexperten hinzugezogen, um die Fracht des syrischen Passagierflugzeugs zu untersuchen. Wie die türkische Tageszeitung "Takvim" unter Berufung auf das Außenministerium berichtete, soll geprüft werden, ob unter den beschlagnahmten Materialien Teile sind, die zu Raketensprengköpfen montiert werden können.

Türkische Kampfjets hatten die aus Moskau kommende Maschine wegen verdächtiger Ladung zur Landung gezwungen.

Waffen an Bord - oder nur Radargeräte?

Die regierungsnahe Zeitung "Yeni Safak" berichtete von zwölf Raketenteilen, die an Bord gefunden worden seien. In Russland seien die militärischen Güter auf dem Luftwaffenstützpunkt Tula, 200 Kilometer von Moskau entfernt, geladen worden. Erst danach habe die Maschine in Moskau Passagiere an Bord genommen.

Aus Russland kommen anderslautende Informationen. Laut der Zeitung "Kommersant" hatte das Passagierflugzeug Radaranlagen für die syrische Raketenabwehr an Bord. Wie die Zeitung unter Berufung auf Quellen in der russischen Waffenexportindustrie berichtet, waren die Radargeräte in zwölf Kisten enthalten.

Die Informanten der Zeitung "Kommersant" bestritten die Darstellung des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan, wonach in dem Airbus A-320 der syrischen Fluggesellschaft SyrianAir am Mittwoch "Munition" auf dem Weg von Moskau nach Damaskus war. Es habe daher auch keiner Sondergenehmigung bedurft, denn die Ladung sei für die Insassen nicht gefährlich gewesen. Die Lieferung sei völkerrechtlich unproblematisch. Die USA stellten sich hinter das türkische Vorgehen.

Erdogan verurteilte den Versuch, das Material durch den türkischen Luftraum zu transportieren. Russland reagierte verärgert auf die Berichte, wonach Waffen für das Assad-Regime an Bord der in Moskau gestarteten Maschine beschlagnahmt worden seien. Kremlchef Wladimir Putin sagte eine für diesen Montag geplante Reise in die Türkei ab - die Beziehungen zwischen Ankara und Moskau sind belastet.

fab/dpa/Reuters
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