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Navy Seals: Unsichtbar, lautlos, tödlich

Foto: AFP/ DOD

Navy Seals Team 6 Legendäre Eliteeinheit rettete Geiseln in Somalia

Sie operieren streng geheim - und sind doch weltberühmt: Bei der Befreiung von zwei westlichen Gefangenen in Somalia kam offenbar das Navy Seals Team 6 zum Einsatz. Genau diese Einheit hatte im Mai 2011 Qaida-Führer Osama Bin Laden erschossen.

Addis Abeba/Kopenhagen - Es ist die beste und geheimste Eliteeinheit des US-Militärs: Weltweit kommen die Navy Seals zum Einsatz - offenbar auch bei der Rettung zweier westlicher Geiseln aus den Händen somalischer Piraten in der Nacht zu diesem Mittwoch.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP war bei der Kommandoaktion in Afrika dasselbe Team involviert wie bei der tödlichen US-Operation gegen Terrorchef Osama Bin Laden im Mai 2011. Die Agentur beruft sich dabei auf einen namentlich nicht genannten US-Offiziellen.

Demnach war das Seals Team 6 im Schutz der Nacht mit Fallschirmen über somalischem Boden abgesprungen. Wenig später hätten sie Jessica Buchanan und Poul Hagen Thisted aus einem Camp der Piraten befreit. Unbestätigten Meldungen zufolge wurden bei der Aktion auch zwei Hubschrauber eingesetzt. Der Zugriff, bei dem nach neuestem Stand alle neun Entführer umkamen, fand in der Nähe der Stadt Adado statt.

"Die dänische Flüchtlingshilfe bestätigt, dass Buchanan und Thisted heute Morgen während einer Operation in Somalia gerettet werden konnten", teilte die dänische Flüchtlingshilfe am Mittwoch mit.

Die humanitären Helfer waren am 25. Oktober in der Stadt Galkayo rund 720 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Mogadischu von bewaffneten Männern gekidnappt und offenbar anschließend an eine Gruppe von Piraten übergeben worden. Sie hatten zuvor für die dänische Flüchtlingshilfe (DRC) an einem Minenräumprojekt gearbeitet.

Der dänische Außenminister Villy Søvndal sagte in Kopenhagen, seine Regierung sei von Washington über die Befreiung der beiden Geiseln unterrichtet worden. Die USA hätten sich wegen der schlechten Verfassung der verschleppten Amerikanerin zu der Befreiungsaktion entschlossen. Weitere Einzelheiten wollte er nicht nennen. Die dänische Flüchtlingshilfe erklärte, man sei "unglaublich erleichtert" über die geglückte Befreiung.

Am Rande seiner Rede an die Nation bezog sich offenbar auch US-PräsidentBarack Obama auf den Einsatz. Beim Betreten des Kongresssaals deutete er auf Verteidigungsminister Leon Panetta und sagte: "Gute Arbeit heute Nacht".

Immer mehr Geiselnahmen an Land

Die somalischen Piraten, die seit Jahren die Küstenregionen Somalias terrorisieren, gehen seit einiger Zeit dazu über, an Land entführte Geiseln zu übernehmen. Hintergrund ist, dass die Handelsschiffe, die in der Region unterwegs sind, immer besser geschützt werden. Dies hat die Zahl der Opfer der Piraten auf hoher See deutlich verringert.

Bereits in den Wochen vor der Entführung der beiden Entwicklungshelfer waren mehrere Europäer im Nachbarland Kenia verschleppt worden. Unter anderem war eine britische Touristin auf der Insel Lamu gekidnappt und vermutlich nach Somalia gebracht worden. Eine Französin, die aus einem kenianischen Urlaubsort nach Somalia entführt wurde, starb unter ungeklärten Umständen.

Für die Entführungen wird die radikalislamische Schabab-Miliz verantwortlich gemacht, die seit Jahren gegen die Übergangsregierung in Mogadischu kämpft. Kenianische Truppen waren wegen der Vorfälle Mitte Oktober in Somalia einmarschiert.

Neue blutige Taktik der Piraten

Auf der Jagd nach Lösegeld haben sich die Menschenhändler an der somalischen Küste eine neue, barbarische Taktik einfallen lassen, um ihren Forderungen nach Lösegeld Nachdruck zu verleihen: Nach Angaben somalischer Medien haben sie dem Kapitän des gekidnappten taiwanesischen Fischtrawlers "Shiuh Fu No 1" einen Arm abgeschlagen. Danach ließen sie einige vietnamesische Besatzungsmitglieder zu Hause anrufen, um die blutige Tat zu verbreiten und so den Druck auf den Schiffseigner zu erhöhen.

Das Schiff und seine 29 Mann Besatzung waren am 25. Dezember 2010 rund 120 Seemeilen östlich von Madagaskar gekapert worden. Lösegeldverhandlungen waren mehrfach unterbrochen worden. Zuletzt sollen die Piraten ein Lösegeld von drei Millionen Dollar gefordert haben. Vier Matrosen sollen zudem krank sein.

Die Amputation von Gliedmaßen war in Somalia bisher als Strafmaßnahme nur von Mitgliedern der islamistischen Schabab-Miliz bekannt. Sollten sich vergleichbare Fälle häufen, dürften auch die westlichen Nationen ihre bisher eher zurückhaltenden Strategien überdenken.

Nördlich der Hauptstadt Mogadischu gilt die Küste Somalias als gesetzloses Land. Die Regierungen der beiden halbautonomen Provinzen Puntland und Galmudug konnten die Taten der Piraten bisher nicht unterbinden.

jok/AP/Reuters/dapd/Mitarbeit: Horand Knaup
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