"New York Times"-Bericht Navy Seals sind "wild geworden"

Eine "globale Menschenjagd-Maschine": Ehemalige und aktuelle Mitglieder der US-Navy Seals berichten laut "New York Times" von exzessiven und gezielten Tötungen der Spezialeinheit. Sogar Straßendiebe hätten die Soldaten verfolgt.
Team 6 bei einem Einsatz im Irak (Archiv): Die Soldaten gehören zu den besten des Landes

Team 6 bei einem Einsatz im Irak (Archiv): Die Soldaten gehören zu den besten des Landes

Foto: John Moore/ Getty Images

Es ist eine der geheimsten Militärorganisationen der Welt - nicht einmal das US-Militär mischt sich in die Belange von Team 6 der Navy Seals ein: Die US-Spezialeinheit ist vor allem durch die Tötung von Osama Bin Laden bekannt geworden. Laut einem Bericht der US-Zeitung "New York Times"  hat das Sondereinsatzteam seine Einsätze in aller Welt in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet.

Die Zeitung schreibt von einer "globalen Menschenjagd-Maschine" - gezielte Tötungen seien mittlerweile zur "Routine" geworden. Meldungen über exzessives Töten und zivile Opfer der Einsätze häufen sich.

Der Bericht stützt sich auf eine umfangreiche Analyse zahlreicher Gespräche mit früheren und gegenwärtigen Navy Seals sowie mit anderen Militärvertretern.

Ein Ex-Mitglied, das anonym bleiben wollte, sagte, die Soldaten seien "wild geworden", Tötungsorgien seien Routine. Zielpersonen seien immer weniger bedeutend geworden. "2010 haben die Jungs Straßendiebe verfolgt. Die bestausgebildeten Soldaten der Welt verfolgten Straßendiebe", sagte er.

Ein früherer hochrangiger Militärvertreter sagte: "Ob ich denke, dass es mehr Tötungen gab als es gegeben haben sollte? Sicher." Die Einstellung der Eliteeinheit habe gelautet: "'Wenn es eine Bedrohung ist, töte es', und später merkst du: 'Oh, vielleicht habe ich die Gefahr überschätzt'."

Dem Bericht zufolge war das Team 6 in den vergangenen Jahren unter anderem in Syrien, im Irak, in Somalia und im Jemen im Einsatz. Etwa 30 aus den Reihen von Team 6 und seiner Helfer in der US-Armee seien im Einsatz ums Leben gekommen. Viele hätten gesundheitliche Schäden davongetragen.

Zu den Erfolgen der Truppe zählte die Befreiung von US-Geiseln in Somalia. An Fehlschlägen nannte die "New York Times" eine versuchte Geiselbefreiung 2009 im afghanischen Ghasi Chan, bei der zehn Dorfbewohner getötet wurden. Auch der Tod der Britin Linda Norgrove im Oktober 2010 bei einer missglückten Befreiungsaktion in Afghanistan zähle zu den Niederlagen der Einheit.

kry/AFP