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01. Juli 2003, 08:26 Uhr

Nazaret

Israelische Bulldozer zerstören Moschee-Fundament

Israel hat in Nazaret den Bau einer ungenehmigten Moschee gestoppt. Mit Bulldozern wurden die bereits gelegten Fundamente des Bauwerks abgerissen. Hunderte von Muslimen protestierten wütend gegen diese Aktion.

Nazaret: Die Bulldozer rücken an
REUTERS

Nazaret: Die Bulldozer rücken an

Nazaret - Der Abriss sei das Ergebnis einer Entscheidung der israelischen Regierung und des Gerichts und daher ein Beweis, dass Israel ein Rechtsstaat sei, teilte das israelische Innenministerium mit. Man habe der islamischen Religionsvertretung "Wakf" in der Stadt mehrere alternative Plätze zum Bau einer Moschee angeboten. Alle diese Angebote seien jedoch abgelehnt worden.

Hunderte von arabischen Demonstranten versammelten sich aus Protest auf dem zentralen Platz nahe der Verkündigungskirche. Islamische Repräsentanten sprachen von einer "israelischen Provokation". Der arabische Abgeordnete im israelischen Parlament, Abdel Malik Dahamsche, nannte den israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon und US-Präsident George W. Bush "die neue Achse des Bösen", die gegen den Islam kämpfe.

Die israelische Regierung hatte bereits vor mehr als einem Jahr beschlossen, den Bau der Moschee in der Nähe der berühmten Verkündigungskirche zu stoppen. Gegen den Bau der Moschee hatten sämtliche christlichen Kirchen in Israel, vor allem aber der Vatikan, protestiert. Die frühere Regierung von Ministerpräsident Ehud Barak hatte im Jahr 2000 die Genehmigung zum Bau der Moschee erteilt und damit Proteste der christlichen Minderheit in Nazaret ausgelöst. Diese fürchtet, dass der Bau einer Moschee in unmittelbarer Nachbarschaft zur Verkündigungskirche den christlichen Charakter der Stadt gefährden könnte.

Israelische Truppen haben unterdessen im Westjordanland einen bewaffneten Palästinenser erschossen. Der 20-Jährige habe mit einer Pistole auf Soldaten einer Kontrollstelle zwischen Tulkarem und Kalkilja geschossen, teilten die Streitkräfte mit. Es handelte sich um den zweiten tödlichen Zwischenfall seit der Gewaltverzichtserklärung palästinensischer Gruppen am Sonntag.

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