Attentat in Moskau Der Mord an Boris Nemzow - Fakten und offene Fragen

Warum musste Boris Nemzow sterben? Nach dem Mord an dem russischen Oppositionspolitiker wird über Hintermänner und Motive spekuliert. Was wir bisher wissen - und was nicht.
Tatort des Nemzow-Mordes in Moskau: Viele Spekulationen, wenige Fakten

Tatort des Nemzow-Mordes in Moskau: Viele Spekulationen, wenige Fakten

Foto: Pavel Bednyakov / dpa

Hamburg - Der Mord am russischen Oppositionspolitiker Boris Nemzow hat weltweit Bestürzung ausgelöst. Die Tat wirft viele Fragen auf, über den Tathergang und das Motiv kursieren Spekulationen, die Ermittlungen der russischen Behörden werden aus dem Westen kritisch beäugt.

Eine Übersicht über Fakten und Unklarheiten im Fall Nemzow:

Was wir wissen

  • Der Kreml-kritische Oppositionspolitiker wurde in der Nacht zum Samstag in Moskau ermordet. Die Tat ereignete sich gegen 23.30 Uhr Ortszeit auf einer Brücke in der Nähe des Roten Platzes, keine 200 Meter von den Mauern des Kreml entfernt.

  • Laut Behörden wurde Nemzow von vier Schüssen in den Rücken getroffen, abgefeuert aus einer Makarow-Pistole. Zum Zeitpunkt seiner Ermordung war er in Begleitung des ukrainischen Models Anna Durizkaja,

  • Durizkaja blieb bei dem Angriff unverletzt. Nemzows Begleiterin sagte dem russischen Oppositionssender Doschd, dass sie den Täter nicht gesehen habe. Dieser habe von hinten geschossen. Sie wisse auch nicht, woher er gekommen sei. Laut eigener Aussage dürfe sie Moskau derzeit nicht verlassen. Sie fühle sich schlecht und wolle nur noch nach Hause.

  • Die russischen Behörden gehen von einem Auftragsmord aus. Sie ermitteln in vier mögliche Richtungen, mit unterschiedlichen Tatmotiven: Destabilisierung des Landes, Rache durch Islamisten, Mord durch ukrainische Extremisten, Mord aus kommerziellen Gründen. Für Hinweise auf den Mörder wurden drei Millionen Rubel (etwa 45.000 Euro) als Belohnung ausgesetzt.

  • Die Ermittlungsbehörde schließt aus, dass der Mord etwas mit Nemzows Kritik an Putin zu tun gehabt habe. Das sehen Oppositionelle und kritische Stimmen aus dem Westen anders. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier mahnte transparente Ermittlungen an: Eine offene Aufklärung sei "die einzige Möglichkeit für Russland, auch jeden Verdacht auf die russische Führung abzulenken", sagte Steinmeier der ARD.

  • Der Sarg Nemzows wird nun zunächst im Sacharow-Menschenrechtszentrum aufgebahrt, am Dienstag ist die Beisetzung auf dem Prominentenfriedhof Trojekurowo geplant.

Was wir nicht wissen

  • Wer hinter dem Attentat steckt. Wer schoss auf Nemzow, gab es Drahtzieher im Hintergrund?

  • Welches die Motive für den Mord waren.

  • Wie die Tat genau ablief. Zunächst hieß es, der Schütze habe aus einem Auto heraus gefeuert. Auf einer Videoaufnahme ist zu sehen, wie der mutmaßliche Attentäter nach dem Mord in ein Auto springt und flieht. Die Aufnahme zeigt jedoch nicht das Attentat, da ein Schneeräumfahrzeug die Sicht verdeckt. Angeblich gibt es neben den bislang bekannten Bildern kaum verwertbare Aufnahmen aus weiteren Überwachungskameras in der Nähe des Tatorts.

  • Ob die Polizei tatsächlich das Fluchtfahrzeug gefunden hat - das hatte zumindest ein russischer Fernsehsender berichtet. Die Ermittler wiesen diese Spekulationen jedoch zurück und warnten vor einer "Desinformation der Öffentlichkeit".

  • Ob Nemzow tatsächlich an einem Bericht gearbeitet hat, der Beweise für die Intervention russischer Militärs in der Ostukraine präsentieren sollte. Dies hatten Oppositionskollegen als mögliches Mordmotiv ins Spiel gebracht.

bka/dpa/AFP/Reuters/AP
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