Nepal Ausnahmezustand am Himalaja

Maoistische Rebellen im Himalaya-Staat Nepal haben einen Monate lang währenden Waffenstillstand aufgekündigt, bei Angriffen auf Polizei und Militär aber selbst heftige Verluste erlitten. Der König rief derweil den Notstand aus und kündigte eine Gegenoffensive an.


Nepalesische Soldaten in Katmandhu: Regierung zur Gegenoffensive ermächtigt
REUTERS

Nepalesische Soldaten in Katmandhu: Regierung zur Gegenoffensive ermächtigt

Katmandu - Mit der Ausrufung des Notstandes, von der das nepalesische Fernsehen berichtete, folgte König Gyanendra am Montag einer Empfehlung des Regierungskabinetts. Bei einer Serie blutiger Rebellenangriffe auf Polizei und Truppen waren zuvor seit Freitag zahlreiche Menschen umgekommen. Während die Regierung angibt, 76 Polizisten und Soldaten seien den Gefechten zum Opfer gefallen, beziffern andere Berichte die Gesamtzahl der Toten mit mindestens 300.

Rundfunkberichen zufolge hatten die Maoisten Truppenstützpunkte und Regierungsgebäude in der Touristenregion Solukhumbu angegriffen. Bei Überfällen am Sonntag erlitten die Rebellen nach Angaben von Innenminister Khum Bahadur Khadka selbst heftige Verluste. Mindestens 32 Leichen seien gefunden worden, vermutlich habe es sogar noch mehr Opfer auf Seiten der Rebellen gegeben.

Der Ausnahmezustand ermächtigt die Regierung nun offiziell, die Streitkräfte gegen die Rebellen einzusetzen. Zudem kann das Kabinett zahlreiche Grundrechte einschränken. Die Behörden des Landes sollten aber weiter normal arbeiten, die Grenzen geöffnet bleiben, hieß es.

In der Hauptstadt Katmandu wird dennoch befürchtet, dass die sich häufenden Zusammenstöße Touristen abschrecken. Durch den Solukhumbu-Distrikt verläuft einer der beliebtesten Trekking-Pfade am Fuße des Mount Everest. Flüge von Katmandu wurden vorerst ausgesetzt. Nepal ist eines der ärmsten Länder der Erde, der Tourismus seine wichtigste Devisenquelle.

Die nepalesischen Maoisten kämpfen gegen die Monarchie und für eine sozialistische Republik. Bei Zusammenstößen wurden in den vergangenen sechs Jahren insgesamt über 2200 Menschen getötet. Trotz des Königsmords im Juni dieses Jahres, der zur Krönung des unpopulären Monarchenbruders Gyanendra führte, befürwortete eine große Mehrheit der Bevölkerung die Beibehaltung der Monarchie.



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