Nepal König ernennt sich zum neuen Machthaber

Nepals König Gyanendra hat einen Tag nach seiner international kritisierten Machtübernahme eine neue Regierung unter seinem Vorsitz gebildet. Australien riet seinen Bürgern von Reisen in das Land ab.


 König Gyanendra: Nepal ist unter seiner Kontrolle
AP

König Gyanendra: Nepal ist unter seiner Kontrolle

Kathmandu - Der gestern vom König entlassene Premierminister Sher Bahadur Deuba kündigte Widerstand gegen seine Entmachtung an. Das Haus Deubas sei von Soldaten umstellt, meldete das staatliche indische Fernsehen. Gyanendra hatte sich nach der Entlassung der Regierung selber für die nächsten drei Jahre zum Machthaber ernannt und den Ausnahmezustand über das Himalaya-Königreich verhängt. Dabei wurden Verfassungsartikel wie die Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit außer Kraft gesetzt. Nach Angaben von Shovakar Parajuli, einem Mitglied der oppositionellen Kongresspartei, wurden rund 50 führende Oppositionelle verhaftet. Die Vereinten Nationen, die USA, Großbritannien und Indien verurteilten die Machtübernahme des Königs. Australien riet seinen Bürgern heute von Reisen nach Nepal ab. Das Außenministerium in Canberra erklärte, Australier, die sich bereits dort aufhielten, sollten Vorsicht walten lassen und Versammlungen und Demonstrationen meiden. Dort könne es zu Gewaltausbrüchen kommen.

Der indische Nachrichtensender NDTV berichtete, Indiens Premierminister Manmohan Singh erwäge, seine Teilnahme am Gipfel der sieben südasiatischen Staaten abzusagen. Singh wolle Gyanendras Machtübernahme nicht durch seine Teilnahme legitimieren. Der Gipfel ist für Sonntag und Montag in Dhaka (Bangladesch) geplant. Nach den Statuten der Südasiatischen Vereinigung für Regionale Zusammenarbeit (Saarc) müssen alle sieben Regierungschefs teilnehmen, sonst wird das Treffen abgesagt. Der Gipfel hätte bereits im Januar stattfinden sollen, war aber wegen der Flutkatastrophe verschoben worden.

Internationale Fluggesellschaften haben inzwischen wieder Flüge nach Kathmandu aufgenommen. Festnetz- und Mobilfunkverbindungen nach Nepal blieben dagegen weiter unterbrochen.



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