Nepal Verfassungsgebende Versammlung ruft Republik aus

Die Monarchie in Nepal war 240 Jahre alt - mit überwältigender Mehrheit hat die verfassungsgebende Versammlung den Staat jetzt zur Republik erklärt. Die künftige Regierung wird voraussichtlich von den Maoisten angeführt werden.


Kathmandu - Die verfassungsgebende Versammlung fasste den Beschluss zu Beginn ihrer konstituierenden Sitzung in Kathmandu - 560 Abgeordnete stimmten für die Republik, nur vier dagegen, die 240 Jahre alte Monarchie abzuschaffen.

Demonstrationen für die Republik in Nepal: "Lebewohl König Gyanendra!"
REUTERS

Demonstrationen für die Republik in Nepal: "Lebewohl König Gyanendra!"

Damit ist eineinhalb Monate nach der Wahl eine der Hauptforderungen der Maoisten, die im April die Wahlen gewonnen haben, erfüllt. Maoisten-Führer Prachanda dürfte der künftigen Regierung Nepals vorstehen.

Der Beginn der historischen Sitzung hatte sich wegen eines Streits zwischen den Parteien um über zehn Stunden verzögert. "Dies ist der Tag, an dem mein Traum wahr geworden ist", sagte der scheidende Übergangs-Premierminister Girija Prasad Koirala, als die Sitzung schließlich begann. "Die ganze Welt blickt auf uns."

Von einer "Revolution des Volkes" sprach Innenminister Krishna Prasad Sitaula, der den Regierungsentwurf für die Ausrufung der Republik verlas. Der König werde künftig ein gewöhnlicher Bürger sein, sagte er unter Beifall.

Die verfassunggebende Versammlung fungiert als Übergangsparlament und wird auch eine neue Interimsregierung bestimmen.

Laut Regierungsvertretern hat der im Volk unbeliebte Monarch Gyanendra nun zwei Wochen Zeit, um seinen Palast in der Hauptstadt Kathmandu zu verlassen. Das Gebäude soll in ein Museum umgewandelt werden.

Die Maoisten, die Kongresspartei und die Vereinten Marxisten- Leninisten (UML) hatten kurz vor der Sitzung der Versammlung beschlossen, dass der Premierminister das Land regiert. Der Präsident, dessen Amt als Staatsoberhaupt neu geschaffen wird, soll nur repräsentative Aufgaben wahrnehmen. Die drei größten Parteien stellen gemeinsam mehr als zwei Drittel der 601 Delegierten, die Maoisten alleine 220 Sitze.

Tausende Menschen hatten am Mittwoch schon Stunden vor der Ausrufung der Republik in Kathmandu gefeiert. Vor dem früheren Königspalast auf dem Durbar-Platz im Zentrum riefen Demonstranten: "Lang lebe die Republik" und "Lebewohl (König) Gyanendra".

Gyanendra hatte im Februar 2005 den Ausnahmezustand über Nepal verhängt und selber die Macht ergriffen. Als Grund hatte er den Aufstand der Maoisten angegeben, die zu dem Zeitpunkt weite Teile Nepals kontrollierten. Die Maoisten und mehrere Parteien verbündeten sich gegen den König. Unter dem Druck der Demokratiebewegung musste Gyanendra im April 2006 nachgeben und das Parlament wieder einberufen. Seitdem war er schrittweise entmachtet worden.

Bis 2006 hatten die Maoisten zehn Jahre lang mit Waffengewalt gegen die Monarchie gekämpft. Der Konflikt kostete mehr als 13.000 Menschen das Leben.

Mit der Ausrufung der Republik in Nepal wurde auf der Welt erstmals seit mehr als zwanzig Jahren wieder in einem Land die Monarchie abgeschafft.

anr/dpa/AP



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