Neue 9/11-Theorie Fünftes Flugzeug sollte Weißes Haus treffen

Der Terroranschlag vom 11. September sollte die USA offenbar mitten ins Herz treffen. Neuen Hinweisen zufolge wollten die Attentäter ein fünftes Flugzeug kidnappen und in das Weiße Haus stürzen. Der Pilot sollte der kürzlich verhaftete Ramzi Binalshibh sein.

Washington - Unter Terrorfahndern gilt er nicht erst seit seiner Festnahme als Schlüsselfigur der Anschläge des 11. Septembers: Der Jemenit Ramzi Binalshibh, nach eigenen Angaben führendes Mitglied der al-Qaida, Vertrauter und Mitbewohner Mohammed Attas und seiner Komplizen in Hamburg und Logistiker der Hamburger Gruppe.

Bislang galt er lediglich als Finanzbeaufragter des Terrornetzwerks. Mit seinen Überweisungen aus Hamburg bezahlten die Terrorpiloten ihre Pilotenausbildung in Florida. In einem Video des arabischen TV-Senders al-Dschasira aus dem Juni 2002 bekannte er sich sogar zu seiner führenden Rolle innerhalb der al-Qaida und sagte erstmals, dass Osama Bin Laden hinter den Anschläge steckt. Spätestens seitdem gilt der Mann mit der leichten Glatzenbildung als Top-Terrorist.

Möglicherweise jedoch spielt Ramzi Binalshibh eine noch zentralere Rolle bei den Terroranschlägen vom 11. September als bisher bekannt. Nach einem Bericht der "New York Times" sollte der schlanke Jemenit Binsalshibh ein fünftes Flugzeug kidnappen und in das Weiße Haus steuern. Dies, so die Zeitung, gehe aus neuen Vernehmungen von al-Qaida-Verdächtigen hervor, vor allem durch neu veröffentlichte Aufzeichnungen der Aussagen von John Walker Lindh, dem so genannten US-Taliban. Nach seinen Angaben waren die Terroranschläge vom 11. September der "erste Teil" von 20 geplanten Attentaten. Eigentlich seien am 11. September fünf Anschläge geplant gewesen, so Lindh.

Was wusste Lindh von den Anschlagsplänen?

Tatsächlich kidnappten die Attentäter am 11. September 2001 vier Flugzeuge und steuerten zwei Maschinen ins New Yorker World Trade Center und eine in das Pentagon. Eine vierte Maschine zerschellte auf einem Feld im US-Bundesstaat Pennsylvania. Terrorfahnder vermuten, dass sie das Weiße Haus in Washington treffen sollte. Lindh bestätigte dies, Ramsi Binalshibh hatte indes in dem Fernsehinterview im Juni 2002 gesagt, dass die vierte, letztlich abgestürzte, Maschine eigentlich das Capitol treffen sollte. Von einem fünften Flugzeug hatte er nie gesprochen.

Während einer weiteren Befragung im vergangenen Dezember in der afghanischen Hauptstadt Kabul soll Lindh laut "New York Times" zugegeben haben, dass auch die fünfte Maschine das Weiße Haus treffen sollte. Dies habe ihm Hakeen at-Taizzi verraten, so Lindh. Dieser sei ein enger Vertrauter des al-Qaida-Chefs Osama Bin Laden. Damit bestätigte Lindh den Verdacht der Ermittler: Diese vermuten, dass Binalshibh ein fünftes Flugzeug kidnappen und in das Weiße Haus steuern sollte.

Binalshibh wollte Pilotenausbildung machen

Zumindest plausibel ist die Theorie, denn im August 2000 bewarb Binalshibh sich um einen Platz an einer Flugschule in Venice im US-Bundesstaat Florida. Um seine Teilnahme am Flug-Training wasserdicht zu machen, überwies er sogar Geld an die Schule. Weil der Jemenit jedoch trotz mehrmaliger Versuche kein Einreisevisum in die USA erhielt, scheiterte der 5. Anschlag, so die Theorie. Insgesamt vier Mal wurde Binalshib im Jahr 2000 die Einreise in die Vereinigten Staaten verweigert. Ebenso plausibel ist jedoch, dass das fünfte Flugzeug von einem weiteren Verdächtigen, der kurz vor den Anschlägen festgenommen worden war, gesteuert werden sollte.

Im vergangenen Monat wurde Ramzi Binalshib in Pakistan festgenommen. Seitdem sitzt er an einem unbekannten Ort in Haft und wird von den US-Behörden verhört. Was Binalshibh bisher ausgesagt hat, ist jedoch weder in den USA noch bei den deutschen Fahndern zu erfahren. Bisher ist nur bekannt, dass er wiederholte, die Terror-Organisation al-Qaida stecke hinter den Anschlägen. 

Sabine Hoffmann

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