Neue Afghanistan-Strategie Obama plant Video-Schaltkonferenz mit Merkel

Mehr Truppen, ein Zeitplan für den Abzug: US-Präsident Barack Obama hat eine neue Afghanistan-Strategie beschlossen. Seine Verbündeten hat er bereits informiert, darunter Frankreichs Präsident Sarkozy und Russlands Staatschef Medwedew. Mit Kanzlerin Merkel will Obama per Video-Schalte sprechen.

US-Präsident Barack Obama: 30.000 weitere Soldaten für Afghanistan
AFP

US-Präsident Barack Obama: 30.000 weitere Soldaten für Afghanistan


Washington/London/Berlin - Mit Spannung wird die Rede von US-Präsident Barack Obama am Mittwoch in der Militärakademie West Point erwartet. Darin will er seine neue Afghanistan-Strategie umreißen, um die seit Monaten gerungen wird. Einen Tag vor der Ansprache hat Obama seine Partner auf der ganzen Welt informiert.

Bereits am vergangenen Freitag hatte Obamas Sicherheitsberater James Jones im Kanzleramt angerufen und dem außenpolitischen Berater Angela Merkels die neue Strategie der USA skizziert. Aus Regierungskreisen verlautete, Jones habe im Wesentlichen die Inhalte der für den Dienstag geplanten Rede Obamas wiedergegeben. Die beiden Berater vereinbarten noch für diese Woche eine Video-Schalte mit Obama und Merkel, um das Thema zu besprechen.

Neben Merkel weiht Obama persönlich auch die anderen wichtigsten Verbündeten des Einsatzes ein, darunter unter den russischen Präsidenten Dmitrij Medwedew, den französischen Staatschef Nicolas Sarkozy und Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi. Der australische Ministerpräsident Kevin Rudd war zu Gesprächen in Washington. Auch mit Chinas Staatschef Hu Jintao will der US-Präsident sprechen.

Um den Kampf gegen die radikalislamischen Taliban zu gewinnen, schickt Washington etwa 30.000 zusätzliche Soldaten nach Kabul. Die Verbündeten sollen sich stärker engagieren, fordert er. Zudem soll der Druck auf die afghanische Regierung verstärkt werden, endlich eine eigene schlagkräftige Truppe aufzubauen.

Der britische Premierminister Gordon Brown kündigte an, dass London 500 weitere Soldaten an den Hindukusch schickt. Damit erhöhe sich die Zahl der Briten - inklusive Sondereinheiten - auf mehr als 10.000, sagte Brown vor dem Unterhaus in London. Die Soldaten sollten im Dezember zur Verfügung stehen, acht Nato-Staaten hätten bereits Zusagen über mehr Soldaten gemacht. Welche Staaten dies sind, sagte er aber nicht.

Von Frankreich verlangen die USA nach Informationen der Zeitung "Le Monde" die Entsendung von 1500 zusätzlichen Soldaten. Derzeit sind 3400 Franzosen im Afghanistan-Einsatz.

Forderungen an die Verbündeten

Die Frage eines stärkeren Engagements der Alliierten betrifft auch Deutschland. Berlin hat derzeit 4500 Soldaten am Hindukusch stationiert. Die Strategie Obamas wird die Bundesregierung am Mittwochmorgen in der Kabinettssitzung diskutieren, Merkel will sich möglicherweise an dem Tag auch noch öffentlich äußern. Schon zwei Tage später treffen sich die Außenminister der Nato-Staaten in Brüssel. Einziges Thema: Afghanistan. Eine rasche Aufstockung der deutschen Truppen ist jedoch auch nach der Rede Obamas nicht zu erwarten, die Bundesregierung will darüber erst nach der großen Afghanistan-Konferenz am 28. Januar in London entscheiden.

Nach Ansicht der USA drängt die Zeit aber: Angesichts der immer stärker werdenden Taliban sollen die ersten zusätzlichen Soldaten schon in den nächsten Wochen nach Afghanistan kommen. Die Stationierung aller 30.000 US-Soldaten Truppen dauere aber bis Ende nächsten Jahres, berichten US-Medien. Derzeit sind 68.000 US-Soldaten vor Ort, insgesamt etwa 100.000 Soldaten der Verbündeten.

Obamas strategischer Neuansatz ist aus zwei Gründen notwendig: Zum einen konnten sich Taliban-Kämpfer neu organisieren. Zum anderen sinkt nach acht Jahren Krieg die Zustimmung der Amerikaner. Ein Grund dafür ist, dass immer mehr Soldaten in Afghanistan sterben. Nach offiziellen Angaben sind bereits über 920 Amerikaner gefallen.

Eskalation des Krieges

Daher setzt Obama auf eine "Doppelstrategie", die eine Eskalation des Krieges vorsieht, zugleich aber auch einen Ausweg und ein Ende für die US-Truppen aufzeigt. Obama wolle in seiner Rede vor allem auch klarmachen, "wie er den Kampf an die Regierung in Kabul zu übertragen gedenkt", schreibt die "New York Times" unter Berufung auf Regierungsvertreter. Obama knüpfe daher seinen Zeitplan für den Rückzug der Kampftruppen nicht an bestimmte Bedingungen wie etwa an Fortschritte im Kampf gegen die Taliban. Wie der Zeitplan genau aussehen könnte, blieb zunächst ungewiss.

Obama hat mit seiner Entscheidung lange gezögert. Wochenlang hatte er mit hohen Militärs sowie mit Außenministerin Hillary Clinton und engsten Vertrauten in seinem "Kriegsrat" beraten. Der Oberbefehlshaber in Afghanistan, General Stanley McChrystal, hatte bereits vor Monaten öffentlich 40.000 Soldaten verlangt. Sonst seien Taliban nicht zu besiegen.

Bereits vor der offiziellen Verkündung der neuen Strategie Obamas dringen allerdings kritische Stimmen aus dem eigenen Lager. Nancy Pelosi, die Sprecherin im Repräsentantenhaus, warnt vor "ernsthafter Unruhe" unter Demokraten im Parlament. Wenn es im Parlament um die Finanzierung der Truppen geht, könnte es Streit geben.

kgp/mgb/dpa/AFP/AP/Reuters

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SaT 08.11.2009
1. abziehen oder ewig weiterkämpfen
Wieso siegen? Da keine Kriegsziele existieren kann man im Grunde weder gewinnen oder verlieren sondern nur abziehen oder ewig weiterkämpfen. Vorschlag: wir erklären uns zum moralischen Sieger und ziehen mehr oder weniger geordnet ab. Dem korrupten Karzeiclan, Warlords und die Drogenbarone unserer Wahl geben wir halt soviel Waffen, dass die das Thema Taliban alleine in den Griff bekommen. Wir überlassen Afghanistan den Afghanen und kümmern uns endlich um unsere eigenen Probleme – davon gibt es genug.
Ökopit 08.11.2009
2. Westlich und Islam ...
Zitat von sysopZweifelhafte Präsidentschaftswahlen, ständig neue Angriffe der Taliban, umstrittene Bombardements - mit welcher Strategie können die westlichen Alliierten in Afghanistan siegen?
... schließt sich naturgegeben aus! Die beste Strategie in Afghanistan wäre ein kompletter (und sofortiger) Rückzug des Westens - nicht nur der Truppen, auch aller zivilen "Möchtegern-Helfer" und natürlich der Krämerseelen! Nur, das geht leider "geostrategisch" nicht, denn wer "die Passhöhen des Hindukusch" beherrscht, kann, wenn er will, ganz Asien beherrschen! Die Engländer haben das im 19. Jahrhundert nicht geschafft, die Sowjetunion ab 1980 auch nicht! Die Ami's und ihre Vasallen (leider gehört Deutschland dazu) versuchen das seit 2001! Ich gönn ihnen den Erfolg nicht!
ewspapst 08.11.2009
3. Nur Siegen?
Zitat von sysopZweifelhafte Präsidentschaftswahlen, ständig neue Angriffe der Taliban, umstrittene Bombardements - mit welcher Strategie können die westlichen Alliierten in Afghanistan siegen?
Hier das Ausgangsthema. Ist der Krieg in Afghanistan noch zu gewinnen? Natürlich ist der Krieg zu gewinnen. Haben Sie sich als Forist hier nicht die vielen Militärexperten, Generalsdoppel, Humanisten und göttergleiche Juristen, ja selbst Philosophen, die alle ein ungemein umfassendes und unbedingt richtiges Wissen mitbringen, angeschaut. Ihr Spezialwissen übertrumpft alle, denn das haben sie uns oft genug gesagt. Und warum sollen wir ihnen nicht glauben? Ihre Erkenntnisse erfüllen uns täglich mit staunen, ob der vielen Darbietungen. Sie alle wissen viel besser als die afghanische Bevölkerung, unter welchen Bedingungen dort gelebt werden soll und muss und bringen uns Unwissende alles haarklein nahe. Es ist doch ganz klar, dass die westliche Intelligenz viel klarer definieren kann, was gut und böse ist und was einem Paschtunen natürlich nicht möglich ist. Wie Wahlen zu werten sind, können doch nur die politisch vorgebildeten Nato - Angehörigen. Die westliche Welt hat über lange Zeit nur nach Recht und Gesetz gehandelt, nur um der Menschlichkeit willen und ist deshalb in der Lage, dieses Wissen und Handeln an die dritte Welt weiterzugeben, die dann ebenso handeln soll, ganz besonders die Afghanen. Haben Sie diesen Worten geglaubt? Natürlich, denn sie werden uns doch täglich ohne Unterbrechung frei Haus geliefert. Dann werden "Sie " diesen Krieg auch gewinnen, "wir " Ungläubigen dagegen nicht. Übrigens, warum haben die Russen, die Inder, die Pakistani, die Engländer, wieder die Russen und dann auch die Amerikaner die Kämpfe nicht gewonnen? Die genannten EXPERTEN werden es Ihnen mit vielen Worten und rechtsphilosophischen Erläuterungen sagen.
mark anton, 08.11.2009
4. Ist die Haltung der D Feigheit vor dem Feinde?
oder wie wuerde man es bezeichnen koennen? Auch wenn der Ausgang in Afghanistan wegen der vielseitig unguenstigen und unueberbrueckbaren Problemen negativ ist, haette man als Verbuendeter seine Verpflichtungen nachkommen muessen. Was, wenn D einmal Verbuendete braucht - die Nato koennte dann auch sagen, wir erinnern uns an Kunduz und verhalten uns ebenso.
Stahlengel77, 08.11.2009
5.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,660064,00.html Na prima. Das US-Militär operiert in dem von der Bundeswehr kontrollierten Bereich zusammen mit afghanischer Miliz. Wir können an fünf Fingern abzählen, was das für unsere Soldaten bedeutet: Weitere Destabilisierung, die Taliban werden mehr Zulauf bekommen und wie das bei den Paschtunen so ist, wird die Blutrache ausgerufen und dann wird nicht mehr unterschieden, welches Nationalitätenzeichen auf einer Uniform prangt. Es steht außer Zweifel, das wir mit vermehrten Anschlägen und Angriffen auf unsere Soldaten rechnen müssen nach der Offensive. Und wenn die von der Bundeswehr besetzte Region durch die US-Militärs so richtig aufgemischt wurde, wird eine Aufstockung des Mandats notwendig sein. Ob es dafür eine Mehrheit im Bundestag gibt, wenn auch endlich offiziell von einem Krieg gesprochen wird, ist fraglich. Am Ende werden unsere Soldaten in Afghanistan alleine gelassen, wenn sie das nicht schon sind. Wenn ich von Soldaten, die aus dem Einsatz kommen, hören muss, das sie sich ihre Ausrüstung immer noch selbst kaufen müssen, das sie unter schwierigsten Bedingungen mit unzureichendem Material ihren Aufgaben nachkommen müssen, das die Bevölkerung ihnen weitgehend feindlich gesonnen ist und sie quasi mitanschauen müssen, wie Warlords unbehelligt ihren Opiumanbau vorantreiben und damit enorme Gewinne erzielen (und dagegen nicht vorgegangen wird), da fragt man sich wirklich: Was haben wir dort überhaupt verloren? Die geplante Pipeline der Amerikaner schützen? Abortmücke am Hintern Chinas spielen? (Es ist längst bekannt, das die Taliban einen guten Teil ihrer Waffen aus China gesponsert bekommen) Noch heute bin ich der Meinung, das Struck, Fischer und Schröder juristisch zur Rechenschaft gezogen gehören, da sie deutsche Soldaten in einen Angriffskrieg der USA geschickt haben. In tausenden von Jahren hat niemand es geschafft, diese Region dauerhaft zu besetzen. Nur Wahnsinnige glauben, man könnte dort einen Krieg gewinnen.
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