Neue Angriffe Taliban sprechen von mehreren zivilen Opfern

Kampfflugzeuge haben am Mittwochmorgen erneut die Taliban-Hochburg Kandahar in Afghanistan angegriffen. In Kabul seien mehrere Menschen bei einem Angriff auf ein Wohnquartier ums Leben gekommen, sagen die Taliban.


Zerstörungen in Kabul nach den ersten Angriffen vom Sonntag
AP

Zerstörungen in Kabul nach den ersten Angriffen vom Sonntag

Washington/Kabul - Die Taliban haben die neuerlichen US-Luftangriffe auf ihre Hochburg Kandahar im Süden Afghanistans am Mittwochmorgen bestätigt. Die Militärschläge hätten gegen 5 Uhr MESZ begonnen, hieß es aus dem Büro von Taliban-Sprecher Abdul Hayee Motmaen. Trotz der Angriffe wurde die Lage in der Stadt als "ruhig" beschrieben. Es habe keine Fluchtbewegung unter den Bewohnern eingesetzt.

Bei den nächtlichen Raketenangriffen sind nach Angaben der Taliban-Regierung mehrere Menschen in einem Wohngebiet Kabuls ums Leben gekommen. Die Rakete sei in der Nacht zum Mittwoch in den östlichen Außenbezirken Kabuls eingeschlagen, hieß es weiter. Bei dem Angriff seien mehrere Häuser zerstört worden. Es gab keine unabhängige Bestätigung für die Angaben der Taliban.

Die Luftangriffe in Afghanistan sind nach Pentagon-Angaben eine "fortdauernde" Kampagne und können zu jedem Zeitpunkt erfolgen. CNN zitierte Beamte am Dienstag mit den Worten, es gebe keinen "Tag eins, Tag zwei oder Tag drei" der Kampagne mehr.

Die Region um den Flughafen von Kandahar war seit der ersten Angriffswelle am Sonntag bereits mehrfach Ziel der Luftschläge. In der Gegend sollen sich Unterkünfte von mindestens 300 Anhängern des mutmaßlichen Terroristenführers Osama Bin Laden und Luftabwehrstellungen befinden.

Ein Sprecher der oppositionellen Nordallianz erklärte am Mittwoch, amerikanische Kampfflugzeuge hätten am Dienstagabend außerdem Stellungen der Taliban in Schakardara bombardiert, einem Bezirk etwa 25 Kilometer nördlich von Kabul.

Die USA hatten am Dienstag erstmals Ziele in Afghanistan bei Tageslicht angegriffen. Dies sei ein Zeichen dafür, dass man die Kampfjets für ausreichend sicher vor der afghanischen Flugabwehr halte, sagte ein Pentagon-Sprecher am Dienstag. Amerikanische Kampfflugzeuge könnten Tag und Nacht gefahrlos über Afghanistan hinwegfliegen. "Der Himmel ist jetzt frei", sagte US-Präsident George W. Bush.

Verteidigungsminister Donald Rumsfeld forderte die afghanischen Dissidenten auf, das Terrornetzwerk al Qaida und die Taliban aus dem Land zu vertreiben. Bei den jüngsten Angriffen seien auch erneut Lebensmittel abgeworfen worden.

Die genauen Ziele der jüngsten US-Angriffe gab das Pentagon nicht bekannt. In London hieß es, die Luftangriffe hätten den Lagern der Terroristen sowie Stellungen der Taliban "erheblichen Schaden" zugefügt. Am Dienstag wurde erneut die Residenz des Taliban-Führers, Mullah Mohammed Omar, in Kandahar angegriffen, wie aus Kreisen der Miliz verlautete. Weiter hieß es, Omar habe ranghohen Taliban-Kommandeuren mitgeteilt, er sei am Leben und halte weiter den Oberbefehl inne. Außerdem erklärten die Taliban, Osama Bin Laden sei wohlauf und befinde sich nach wie vor in Afghanistan.



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