Neue Drohungen Israelischer Minister will palästinensische Städte wiedererobern

Nach dem jüngsten Anschlag auf Israelis an einer Bushaltestelle im Norden Jerusalems hat Israel erneut mit harten Vergeltungsschlägen gedroht. Der als gemäßigt geltende Justizminister Meir Schitrit sagte gar: "Wir werden von Stadt zu Stadt gehen und sie wieder besetzen."


Ein israelischer Soldat überwacht den Zugang zum Flüchtlingslager Kalandia zwischen Jerusalem und Ramallah
DPA

Ein israelischer Soldat überwacht den Zugang zum Flüchtlingslager Kalandia zwischen Jerusalem und Ramallah

Jerusalem - Israelische Medien berichteten, die Armee habe nahe Betlehem und Hebron im südlichen Westjordanland Truppen zusammengezogen, um die Städte erneut zu abzuriegeln.

Bei drei palästinensischen Anschlägen in Jerusalem und im südlichen Westjordanland waren am Montag drei Israelis getötet und mehr als zehn verletzt worden. Eine israelische Polizistin, die am Montagabend bei dem Anschlag im Norden Jerusalems verletzt worden war, erlag in der Nacht zum Dienstag ihren Verletzungen. Eine 33-jährige schwangere Israelin, die bei einem Anschlag nahe Betlehem Schussverletzungen im Unterleib erlitten hatte, brachte später ein gesundes Mädchen zu Welt.

Zuvor hatten israelische Soldaten in zwei Fällen innerhalb von 24 Stunden auf Autos gefeuert, in denen hochschwangere Palästinenserin zur Entbindung in die Klinik gebracht wurden. Bei Nablus wurde in einem Wagen der 22-jährige Ehemann der Schwangeren getötet; sein 62-jähriger Vater erlag am Abend laut palästinensischen Angaben ebenfalls seinen Verletzungen. Die Schwangere, die an der Schulter verletzt wurde, hatte inzwischen ein gesundes Baby zur Welt gebracht.

Am Dienstag waren die palästinensische Autonomiebehörde und die israelische Regierung bemüht, ein neues Sicherheitstreffen zu vereinbaren. Palästinenserpräsident Jassir Arafat hatte am Montagabend nach einem Treffen mit dem EU-Beauftragten für Außen- und Sicherheitspolitik, Javier Solana, gesagt, die Palästinenser seien zu einer Wiederaufnahme der Sicherheitsgespräche mit Israel bereit. Am Sonntagabend hatten die Palästinenser ein Treffen mit ranghohen israelischen und amerikanischen Offizieren abgesagt, weil das israelische Sicherheitskabinett beschlossen hatte, den Arrest Arafats in der Stadt Ramallah nur geringfügig zu lockern.

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