Neue Gespräche über Irans Atomprogramm Taxieren und taktieren in Istanbul

Die Vertreter Teherans loben die "positive Atmosphäre" bei den neuen Gesprächen über das iranische Atomprogramm. Nachgeben wollen sie trotzdem nicht: Bei der Urananreicherung lasse man sich nicht reinreden, außerdem müssten die Sanktionen aufgehoben werden.

Irans Chefunterhändler Said Dschalili: "Eine positivere Einstellung"
REUTERS

Irans Chefunterhändler Said Dschalili: "Eine positivere Einstellung"


Istanbul - Gleich zu Beginn der neuen Atomgespräche in Istanbul hat Teheran klargestellt: Iran werde "auf keinen Fall" Diskussionen über seine "Grundrechte" wie die Urananreicherung zulassen. Das sagte ein Mitarbeiter des iranischen Chefunterhändlers Said Dschalili am Freitag. Zudem forderte Teheran die Aufhebung der Sanktionen - dies sei eine Voraussetzung für ernsthafte Verhandlungen.

In Istanbul treffen sich zurzeit die Vertreter Teherans mit der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton und Diplomaten der 5+1-Gruppe. Dazu gehören USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien und Deutschland. Der Westen verdächtigt die Islamische Republik, heimlich Atomwaffen bauen zu wollen.

Hauptziel der westlichen Staaten bei den neuen Gesprächen ist es, Iran von einer weiteren Anreicherung von Uran abzubringen, das später auch für den Bau einer Atombombe verwendet werden könnte. Der Uno-Sicherheitsrat hat wiederholt Sanktionen verhängt, weil Iran sich der Forderung nach einem Stopp der Anreicherung widersetzt und auf sein Recht auf zivile Nutzung der Atomkraft pocht.

Die türkische Regierung hatte im Mai angeboten, als Gewährsmann 1200 Kilogramm schwach angereichertes Uran (3,5 Prozent) aus Iran einzulagern. Aus dem Ausland sollten dann Teheran 120 Kilogramm höher angereichertes Uran für einen medizinischen Forschungsreaktor geliefert werden. Dieses ist technisch nicht für den Bau von Atombomben geeignet.

Allerdings verfügt Iran bisher nach Angaben der internationalen Atombehörde (IAEA) über mindestens 3183 Kilogramm schwach angereichertes Uran. Nach Teherans bisherigen Plänen für einen Uran-Austausch würde also eine größere Menge davon in Iran verbleiben. Unklar ist zudem, was mit mindestens 40 Kilogramm höher angereichertem Uran geschehen soll, die Iran nach eigenen Angaben besitzt.

Ungeachtet dieser knifflichen Fragen und der markigen Worte zu Beginn lobte die iranische Seite die ersten Gespräche in Istanbul. Chefunterhändler Dschalili sagte dem staatlichen iranischen Fernsehsender Press TV: "Die Atmosphäre war sehr positiv." Dschalilis Stellvertreter erklärte, die 5+1-Gruppe habe insgesamt eine positivere Einstellung als bei der Wiederaufnahme der Gespräche im Dezember in Genf.

kgp/AFP/dpa



insgesamt 16 Beiträge
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Manfred-M 21.01.2011
1. Warum will Iran so fest beim Atomprogramm bleiben?
Seit Jahrtausenden gilt: Man muss seinen Gegenüber kennen, bevor man mit ihm verhandelt oder ihn gar bekriegt. Die meisten im Westen wissen nicht einmal, warum Iran so sehr an seinem Nuklearprogramm festhält. Man hat sich eine akademische Auseinandersetzung mit dem Thema Iran abgewöhnt und greift lieber auf Scheinargumente wie "Die Mullahs wollen unbedingt die Atombombe" zurück. Eine gute Analyse der iranischen Doktrin, die Iran auch am Atomprogramm festhalten läßt gibts hier http://tinyurl.com/TechnologischerUnabh-ngigkeits
Panslawist 22.01.2011
2. Titel
Zitat von Manfred-MSeit Jahrtausenden gilt: Man muss seinen Gegenüber kennen, bevor man mit ihm verhandelt oder ihn gar bekriegt. Die meisten im Westen wissen nicht einmal, warum Iran so sehr an seinem Nuklearprogramm festhält. Man hat sich eine akademische Auseinandersetzung mit dem Thema Iran abgewöhnt und greift lieber auf Scheinargumente wie "Die Mullahs wollen unbedingt die Atombombe" zurück. Eine gute Analyse der iranischen Doktrin, die Iran auch am Atomprogramm festhalten läßt gibts hier http://tinyurl.com/TechnologischerUnabh-ngigkeits
Es gibt unzählige islamische Länder, die ein ziviles Nuklearprogramm mit ausländischer Unterstützung betreiben, ohne das es Probleme gibt, weil sie sich an die Bedingungen halten. Der Iran will die Bombe und dieser Wille ist verständlich, wenn man bedenkt, dass wir kurz vor einem großen sunnitisch-schiitischen Krieg stehen. Aber Iran muss jetzt sein dummes Geschwätz gegen Israel und seine Unterstützung der Hamas und Hisbollah bezahlen.
dilinger 22.01.2011
3. Achtung Propaganda
Zitat von Manfred-MSeit Jahrtausenden gilt: Man muss seinen Gegenüber kennen, bevor man mit ihm verhandelt oder ihn gar bekriegt. Die meisten im Westen wissen nicht einmal, warum Iran so sehr an seinem Nuklearprogramm festhält. Man hat sich eine akademische Auseinandersetzung mit dem Thema Iran abgewöhnt und greift lieber auf Scheinargumente wie "Die Mullahs wollen unbedingt die Atombombe" zurück. Eine gute Analyse der iranischen Doktrin, die Iran auch am Atomprogramm festhalten läßt gibts hier http://tinyurl.com/TechnologischerUnabh-ngigkeits
Dass die Mullahs eine Atombombe haben wollen, lässt sich genauso wenig leugnen, wie ihre Vernichtungsabsicht Israel gegenüber. Und die Nummer mit dem Übersetzungsfehler können Sie sich sparen. Der von Ihnen verlinkte Artikel befindet sich bei Irananders, eine iranische Propaganda-Site, dass was man dort lesen kann dient zu nichts anderem als zur Desinformation
ofelas 22.01.2011
4. ungenau
Zitat von PanslawistEs gibt unzählige islamische Länder, die ein ziviles Nuklearprogramm mit ausländischer Unterstützung betreiben, ohne das es Probleme gibt, weil sie sich an die Bedingungen halten. Der Iran will die Bombe und dieser Wille ist verständlich, wenn man bedenkt, dass wir kurz vor einem großen sunnitisch-schiitischen Krieg stehen. Aber Iran muss jetzt sein dummes Geschwätz gegen Israel und seine Unterstützung der Hamas und Hisbollah bezahlen.
An welche "Bedingungen" haelt sich Iran nicht, bitte erlauetern sie diese. Koennen sie ihre Quellen fuer ein sunnitisch-schiitischen Krieg mit uns teilen? fuer welches dumme Geschwaetz muss der Iran bezahlen, und was eigentlich meinen sie mit bezahlen, koennten sie auch hier bitte etwas genauer sein.
.......... 22.01.2011
5. Der Westen sollte aufhören anderen etwas zu diktieren!
Der Iran hat laengere Geschichte als alle westliche Staaten zusammen! Man sollte dem Iran nicht drohen sondern sprechen! Warum ist am Tisch kein Land dabei, das überwiegend von Moslems bewohnt wird? Der Irak ist auch ein Faktor. Der Westen bzw. die Amerikaner und Englaender sollte zuerst der Weltöffentlichkeit erklaeren, warum sie den Irak angegriffen haben. Wer garantiert, dass der Westen auch den Iran nicht überfaellt? Es kann auch nicht angehen, dass ein Staat wie Israel im Nahosten Nuklearwaffen besitzt! Der Iran könnte Garantien geben, wenn Israel mit ihren Aggressionen gegen die Palaestinensern aufhört! Zu dem sollte die Blokade von Gaza ein Gegenstand bei diesen Gespraechen sein! Welche Probleme werden im Nahosten gelöscht, wenn der Iran auf die Bombe verzichtet?
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