Neue Gewalt in Nahost Kampfhubschrauber attackieren Gazastreifen

Der Nahe Osten wird von einer neuen Angriffswelle erschüttert: Israelische Kampfhubschrauber haben im Gazastreifen Einrichtungen der palästinensischen Polizei und des Geheimdienstes mit Raketen beschossen. Ein 14-Jähriger kam bei Gefechten ums Leben.


Gaza - Der Jugendliche wurde von israelischen Soldaten getötet, 20 weitere Palästinenser wurden bei Protesten gegen die andauernde Besetzung des Gazastreifens verletzt. Nach palästinensischen Angaben hatten die Demonstranten an einer Straßensperre zwischen Chan Junis und der jüdischen Siedlung Newe Dekalim im Süden des Gazastreifens Steine auf die Soldaten geworfen, die daraufhin das Feuer eröffneten.

Die israelische Armee hat damit seit Freitagabend vier Palästinenser im Gazastreifen getötet. Seit Beginn der israelischen Offensive in den Palästinensergebieten sind mindestens 21 Palästinenser getötet und mehr als 120 mitunter lebensgefährlich verletzt worden.

Raketen auf Gaza

Im Zentrum von Gaza-Stadt feuerte die israelische Armee sieben Raketen auf das Hauptquartier des palästinensischen Geheimdienstes. Bei Rafah, im Grenzgebiet zu Ägypten, trafen zwei Geschosse Sicherheitseinrichtungen der Palästinenser, zwei weitere schlugen im Flüchtlingslager Nusseirat ein. Bei den Angriffen wurden mindestens 23 Menschen verletzt.

In der Nacht hatten israelische Soldaten bei Chan Junis im Süden des Gazastreifens zwei junge Palästinenser erschossen. Innerhalb einer Woche hat die jüngste israelische Armeeoffensive in den besetzten Gebieten mindestens 20 Palästinenser das Leben gekostet. Es war die höchste Zahl von palästinensischen Opfern seit Beginn der Intifada vor fast einem Jahr. Die palästinensische Führung wirft der rechtsgerichteten Regierung von Ministerpräsident Ariel Scharon vor, die Lage nach den verheerenden Terroranschlägen in den USA für ihre Zwecke auszunützen. In der Nacht waren israelische Panzer erstmals in autonomes Palästinensergebiet im Süden der Stadt Ramallah eingedrungen.

Scharon hatte am Freitagabend das für Sonntag geplante erste Treffen zwischen Außenminister Schimon Peres und Palästinenserpräsident Jassir Arafat - ohne Rücksprache mit Peres - untersagt. Nach Angaben des israelischen Rundfunks wollen beide Politiker an diesem Samstagabend oder am Sonntag über die Entscheidung von Scharon sprechen, der sich damit starkem Druck der Europäer und der USA widersetzte.



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