Neue Gräuel im Sudan Dorfbewohner bei lebendigem Leib angezündet

Aus der sudanesischen Krisenregion Darfur werden neue Gräueltaten gemeldet. Einwohner eines Dorfes wurden bei lebendigem Leib angezündet. Deutschland und die USA verstärkten unterdessen den Druck auf die Regierung in Khartum.


Sudanesische Flüchtlinge im Tschad: Mehr als 1,2 Millionen Menschen wurden vertrieben
AP

Sudanesische Flüchtlinge im Tschad: Mehr als 1,2 Millionen Menschen wurden vertrieben

Addis Abeba/Nairobi - Die Bundesregierung stockte die Hilfe für die vom Bürgerkrieg im Sudan betroffenen Flüchtlinge mit einer Sofortmaßnahme um 20 Millionen Euro auf. Auswärtiges Amt und Entwicklungsministerium haben für humanitäre Hilfe bisher 13,5 Millionen Euro zugesagt. Mit den zusätzlichen Mitteln erhöht sich die Summe auf 33,5 Millionen Euro. Außerdem wird die Beobachtermission der Afrikanischen Union AU mit einer Million Euro unterstützt.

Deutschland und die USA forderten die sudanesische Regierung auf, die marodierenden Reitermilizen in Darfur zu entwaffnen. Außenminister Joschka Fischer sagte dem Fernsehsender n-tv, die Regierung in Khartum dürfe nicht aus der Verantwortung entlassen werden.

Die USA brachten am Dienstagabend ihren jüngsten Entwurf für eine Uno-Resolution zu der Krise in Darfur offiziell im Weltsicherheitsrat ein. Darin wird dem Sudan mit Sanktionen nach einer 30-Tage-Frist gedroht. Washington dringt darauf, die Resolution am Donnerstag oder Freitag zu verabschieden.

Die Afrikanische Union berichtete von neuen Gräueltaten in Darfur. Bei einem Überfall auf ein Dorf seien die Einwohner in Reihen aufgestellt und dann bei lebendigem Leib angezündet worden. Militärbeobachter vor Ort in der Krisenregion sprachen in einem am Mittwoch bekannt gewordenen Bericht von einem "nicht provozierten Angriff auf die Zivilbevölkerung". Sie hätten jedoch keine Belege, dass Soldaten der sudanesischen Armee an diesem Angriff beteiligt gewesen seien. Das Dorf sei nach dem Angriff Anfang Juli vollkommen ausgebrannt und verlassen gewesen.

Nach Uno-Schätzungen sind in der westsudanesischen Provinz zwischen 30.000 und 50.000 Menschen durch die Milizen getötet worden. Außerdem wurden seit Ausbruch einer bewaffneten Rebellion im Februar vergangenen Jahres mehr als 1,2 Millionen Menschen vertrieben. Der Zustrom von Flüchtlingen aus Darfur habe das Nachbarland Tschad in eine Notsituation gebracht, sagte der tschadische Präsident Idriss Deby dem britischen Sender BBC.



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