Neue Partei Millionen Italiener wählen Roms Bürgermeister zum Vorsitzenden

Walter Veltroni ist per Basisvotum zum Vorsitzenden der neuen Mitte-Links-Partei PD gewählt worden - mit deutlicher Mehrheit. Der populäre römische Bürgermeister wird zum Rivalen des angeschlagenen italienischen Ministerpräsidenten Romano Prodi.


Rom - Der 52-jährige Linksdemokrat Walter Veltroni erhielt bei den gestrigen Vorwahlen 75,7 Prozent der Stimmen und hängte damit seine vier Mitkonkurrenten erwartungsgemäß um Längen ab. Auf Platz zwei lag abgeschlagen mit 14 Prozent Familienministerin Rosy Bindi. Mit dem Basisvotum hatten die Italiener den Chef der Demokratischen Partei direkt bestimmen können, erstmals durften schon 16- Jährige wählen. Die Partei, im Kern ein Zusammenschluss der Linksdemokraten und der Zentrumsbewegung Margherita, soll die überaus starke Zersplitterung der Parteienlandschaft stoppen und Romano Prodis Regierung stützen.

Neuer PD-Chef Veltroni: "Großartiger Tag für die italienische Demokratie"
AFP

Neuer PD-Chef Veltroni: "Großartiger Tag für die italienische Demokratie"

Etwa 3,3 Millionen Italiener beteiligten sich nach den Angaben der Organisatoren gestern an dem Urnengang, mit dem die neue "Partito Democratico" (PD) aus der Taufe gehoben wurde. Diesen überraschend starken Andrang zu den Wahlurnen interpretierten Veltroni und Regierungschef Prodi als Antwort der Italiener auf Politikverdrossenheit. "Wir sind damit schon die erste Partei im Land", sagte der Bürgermeister Roms. Veltroni sprach nach dem Urnengang weiterhin von "einem großartigen Tag für die italienische Demokratie". Die Opposition nannte die Angaben zur Beteiligung dagegen einen "Bluff".

Die italienischen Zeitungen schrieben heute von einem "Triumph Veltronis" und einer "Lawine" der Zustimmung zur neuen Partei und zu Veltroni. Die Beteiligung sei massiver gewesen als erwartet, und der römische Bürgermeister habe bei den Wahlen schlichtweg abgeräumt.

Der gelernte Journalist Veltroni wird seit einiger Zeit als möglicher Nachfolger Prodis gehandelt, dessen Regierung in Umfragen schlecht abschneidet. Beobachter werteten Veltronis Sieg zwar als Stärkung für Prodis geschwächte Mitte-links-Koalition, sahen aber gleichzeitig die Möglichkeit einer Schwächung des Regierungschefs. "Jetzt beginnt eine schwierige Zusammenarbeit", hieß es in einem Leitartikel der Zeitung "La Repubblica". "Die Führerschaft Romano Prodis könnte bald der Vergangenheit angehören." Trotz der beiderseitigen Absichtserklärungen zur Zusammenarbeit stelle sich die Frage, wer künftig das Heft in der Hand halten werde, schrieb auch die Zeitung "Corriere della Sera". Nach Expertenangaben will Veltroni auch das Amt des Bürgermeisters von Rom behalten, das er seit 2001 innehat.

Auch die Bevölkerung ist skeptisch ob die PD die Regierung Prodi stärken wird: Nach Umfragen sieht die Mehrheit der Italiener die von Prodi selbst mit vorbereitete Partei nicht als Hilfe für ihn an. 45 Prozent waren der Auffassung, die neue Demokratische Partei werde Prodis Regierung stärken, 55 Prozent verneinten die Frage des Senders SkyTV.

Veltroni selbst hatte mehrfach beteuert, er wolle Erneuerung und eine Wahlrechtsreform, nicht aber Regierungssturz und Neuwahlen.

anr/dpa/AFP



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