Neue Proteste KP-Funktionär preist "wundervolles Leben" der Tibeter

China hat seine eigene Sichtweise auf den Tibet-Konflikt: Die Menschen in der Region hätten ein "wundervolles Leben", sagte ein KP-Funktionär - etwa zeitgleich protestierten in der Provinz Gansu tibetische Mönche gegen die Unterdrückung durch China.

Von , Peking


Peking - Diesmal passierte es im Kloster Labrang in der chinesischen Provinz Gansu: Mönche mit Transparenten und Flaggen forderten ein unabhängiges Tibet, sie klagten über die Unterdrückung durch China und bekundeten ihre Unterstützung für den Dalai Lama.

Protest für den Dalai Lama: Tibetische Mönche des Klosters Labrang in der chinesischen Provinz Gansu
REUTERS

Protest für den Dalai Lama: Tibetische Mönche des Klosters Labrang in der chinesischen Provinz Gansu

Obwohl chinesische Aufpasser sie zum Weitergehen drängten, konnte die Gruppe etwa zehn Minuten mit den etwa 50 Protestierenden sprechen, bevor ältere Mönche die jungen Geistlichen wegzerrten. Gewalt, berichten Augenzeugen, sei nicht angewendet worden.

Die tibetischen Siedlungsgebiete in der Provinz Gansu waren in den vergangenen Wochen für Journalisten gesperrt, nachdem Mönche demonstriert hatten. Bei der ersten Journalistenreise nach Lhasa vor knapp zwei Wochen hatte es einen ähnlichen Zwischenfall gegeben, als Mönche des Jokhang-Tempels in Lhasa die offizielle Tour unterbrachen.

Etwa zeitgleich - im Pekinger Informationsbüro des Staatsrates - versucht der Gouverneur Qiangba Puncog die Vorkommnisse in Tibet zu rechtfertigen. Manchmal klingt er dabei so, als würde er aus den Mitteilungen der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua der letzten Tage vorlesen.

Der KP-Funktionär, ein Tibeter, nennt die alten Argumente der Pekinger Regierung mit den abgeschliffenen Formeln: Die "Dalai-Clique" stecke hinter dem "Schlagen, Zerstören, Plündern und Brandschatzen". Konkrete Beweise präsentiert er nicht. Stattdessen schwärmt er lieber vom "wundervollen Leben", das die Tibeter unter der KP führten: "Im heutigen Tibet genießen 95 Prozent der Bevölkerung mehr Menschenrechte denn je."

Links und rechts von ihm lächeln der Vizechef der Einheitsfrontabteilung der Kommunistischen Partei sowie ein Pressesprecher der Regierung. Eine Frage über die patriotische Erziehung der Mönche bleibt unbeantwortet: Die Dolmetscherin hat sie, wohl unabsichtlich, nicht übersetzt.

Und der Fackellauf? "Die kleine Gruppe von Separatisten ist eine Schande für das tibetische Volk. Für sie sind die die Olympischen Spiele eine in 100 Jahren einmalige Möglichkeit, um Aufmerksamkeit zu erhalten", sagt der 61-Jährige. Bei den Störenfrieden des Fackellaufes in Paris und London handle es sich um eine "sehr kleine Zahl" von Protestierenden. In Tibet jedenfalls werde es keine Störungen geben.

"Wir sind davon überzeugt, dass der Fackellauf sicher und erfolgreich sein wird", sagt Puncog. Wenn doch jemand die Zeremonie störe, werde er mit der "nötigen Strenge in Einklang mit dem Gesetz" behandelt.



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