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10. November 2006, 12:53 Uhr

Neue Schätzung

150.000 Tote im Irak seit Einmarsch der US-Truppen

Bis zu 80 Menschen werden im Irak durchschnittlich jeden Tag getötet - das ist eine Schätzung des Gesundheitsministeriums in Bagdad. Demzufolge kamen seit dem Einmarsch der USA vor mehr als drei Jahren 150.000 Menschen ums Leben.

Bagdad- Die Menschen seien "terroristischen Akten, Kämpfen und Morden" zum Opfer gefallen, sagte ein ranghoher Mitarbeiter des Ministeriums unter Berufung auf jüngste Statistiken. Im Durchschnitt würden täglich bis zu 80 Menschen getötet.

Die Schätzungen über die Opferzahlen im Irak gehen teils weit auseinander. Im Oktober hatte ein Team von Medizinern aus den USA und dem Irak in einer in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichten Studie die Zahl der zivilen Todesopfer zwischen März 2003 und Juli diesen Jahres auf mehr als 650.000 geschätzt. Die USA, Großbritannien und die Regierung in Bagdad hatten die Angaben als übertrieben und unglaubwürdig kritisiert.

Die irakischen Streitkräfte haben die Verhaftung eines örtlichen al-Qaida-Führers gemeldet. Zusammen mit Abu Muhajjam al Masri, genannt "der Ägypter", wurden elf weitere Mitglieder der Zelle in der westirakischen Stadt Rawah, 275 Kilometer nordwestlich von Bagdad, festgenommen, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. Bei der Razzia wurden den Angaben zufolge große Mengen von Waffen beschlagnahmt. Rawah liegt in der Provinz Anbar, einem Zentrum der sunnitischen Aufstandsbewegung.

Die US-Armee im Irak gab heute den Tod dreier weiterer Soldaten bekannt. Zwei Militärpolizisten seien bei der Explosion einer Bombe in Bagdad getötet worden. Ein dritter Soldat wurde verletzt. Ein Marineinfanterist erlag nach einem Gefecht in der Provinz Anbar seinen Verletzungen. Beide Vorfälle ereigneten sich gestern. Seit Beginn des Irak-Kriegs stieg damit die Zahl der getöteten US-Soldaten auf 2842. Im November sind es bislang 24 Tote.

US-Außenministerin Condoleezza Rice sieht aber trotz der Niederlage ihrer Republikanischen Partei bei der US-Kongresswahl keinen Anlass für eine Abkehr vom Irak-Kurs der Regierung. Zuerst müssten die Ziele im Irak erreicht werden, sagte sie in einem von ihrem Ministerium veröffentlichten Interview der Singapurer Zeitung "The Straits Times": "Der Irak muss ein Erfolg sein, damit Amerika sicher ist."

Die USA würden an ihrem Ziel festhalten, das sie in den Irak geführt habe, weil dies von großer Bedeutung für die amerikanische Sicherheit sei, wurde Rice zitiert. Zugleich räumte sie ein, dass Präsident George W. Bush "neue Ideen" in Bezug auf den Irak-Einsatz angekündigt habe. Die amerikanischen Wähler hätten sich nach Worten des Präsidenten für Änderungen ausgesprochen, aber "für nicht weniger als einen Erfolg im Irak" gestimmt.

Umfragen zufolge war wachsende Unzufriedenheit mit der Irak-Politik Bushs ein wesentlicher Grund für die Wahlschlappe der Regierungspartei.

hen/AP/AFP/Reuters

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