Neue Studie Muslime beäugen Obama immer skeptischer

Der US-Präsident bleibt weltweit ein Sympathieträger - doch bei Muslimen scheint Obamas Bonus aufgebraucht. Die Kriege in Irak und Afghanistan sowie der Stillstand im Nahost-Friedensprozess sorgen für Frust, zeigt eine repräsentative Umfrage in 22 Ländern.

Barack Obama: Beliebt in Europa, kritisiert in der muslimischen Welt
AP

Barack Obama: Beliebt in Europa, kritisiert in der muslimischen Welt

Von , Washington


Trotz Kritik an seiner Amtsführung daheim bleibt US-Präsident Barack Obama im Rest der Welt beliebt, besonders in Deutschland. 90 Prozent der Deutschen und 87 Prozent der Franzosen vertrauen etwa darauf, dass Obama in seiner Außenpolitik die richtigen Entscheidungen trifft. Das ergab eine repräsentative Umfrage, für die das Pew Research Center im April und Mai rund 25.000 Menschen in 22 Ländern befragte.

"Das Ansehen der Vereinigten Staaten in der Welt ist weiterhin sehr viel besser als während der Bush-Jahre", sagte Andrew Kohut, Präsident des Pew Research Center, bei der Vorstellung der Studie in Washington. Diese Ergebnisse decken sich mit anderen wichtigen Stimmungsbarometern wie den Transatlantic Trends des German Marshall Funds, die ebenfalls eine deutliche Verbesserung des transatlantischen Verhältnisses seit Obamas Wahl anzeigen.

Weniger Wirkung zeigt der Obama-Bonus aber in der muslimischen Welt. Dort bestehen nach wie vor starke Vorbehalte gegen die USA. In Ägypten, einem wichtigen amerikanischen Verbündeten, ist sogar ein Rückwärtstrend erkennbar. Lediglich 17 Prozent der Befragten haben dort eine positive Einstellung zu Amerika, voriges Jahr waren es noch 27 Prozent. Unter muslimischen Befragten ist der Negativtrend besonders ausgeprägt - in Pakistan äußern lediglich acht Prozent der Angehörigen dieser Glaubensgruppe Vertrauen in Obama, in der Türkei und Ägypten nahm die Unterstützung ebenfalls ab.

Der US-Präsident hatte im Juni 2009 in Kairo eine viel beachtete Rede an die muslimische Welt gehalten. Allerdings unterstützt seine Regierung auch den ägyptischen Diktator Husni Mubarak, was ihm Kritik von Menschenrechtsorganisationen einbringt.

"Kluft zwischen den Ideen, die Obama verkörpert, und der Realität"

Im Nahost-Friedensprozess konnte Obama bislang ebenfalls keine Fortschritte erzielen. Für US-Senator John Danforth, der die Ergebnisse der Pew-Studie mit vorstellte, gibt es eine eindeutige Erklärung für das Misstrauen in der muslimischen Welt. "Obama hat das Gefangenenlager Guantanamo noch nicht geschlossen, die Kriege in Irak und Afghanistan dauern an", sagt Danforth. "Also besteht eine Kluft zwischen der Idee, die Obama verkörpert, und der Realität."

Bemerkenswert ist der Anstieg der USA-Wertschätzung in Russland und China. Unter russischen Befragten scheint etwa die Unterzeichnung eines Abrüstungsvertrages zwischen Washington und Moskau für neue Sympathien gesorgt zu haben. In der kommenden Woche tritt Russlands Präsident Dmitrij Medwedew einen viertägigen Staatsbesuch in den USA an, der ihn unter anderem ins Silicon Valley führen wird. 57 Prozent der Russen bewerten die USA nun positiv, ein Anstieg von 13 Prozentpunkten gegenüber der letzten Pew-Umfrage. In China liegt dieser Wert mittlerweile bei 58 Prozent, was einen seit Jahren anhaltenden Aufwärtstrend widerspiegelt.

Dagegen müssen die US-Amerikaner erhebliche Sympathie-Einbußen beim Nachbarn Mexiko hinnehmen. Das Verhältnis zwischen den beiden Staaten gilt als zerrüttet, seit der US-Bundesstaat Arizona ein besonders scharfes Gesetz gegen illegale Einwanderer erließ. Nur noch 44 Prozent der mexikanischen Befragten äußern sich derzeit positiv über die USA, vor dem Gesetz lag die Zustimmung bei 18 Prozentpunkten mehr.

In europäischen Ländern wurden die Teilnehmer der Studie auch nach ihrer Einstellung zu EU-Insitutionen gefragt. Trotz der aktuellen Debatten um die Zukunft der Europäischen Union sind kaum Anzeichen für eine öffentliche Abkehr zu erkennen. Rund zwei Drittel der Befragten in Frankreich und Deutschland wollen etwa weiterhin den Euro behalten.

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.