Neue Taktik Nato-Kampfhubschrauber nehmen Gaddafis Soldaten unter Feuer

Die Nato hat im Krieg in Libyen ein neue Strategie gestartet. Erstmals flogen Kampfhubschrauber Luftangriffe gegen die Gaddafi-treuen Truppen. Doch das Vorgehen ist riskant: Militärexperten fürchten, dass es nun auch beim westlichen Bündnis Opfer geben könnte.

"Apache"-Kampfhubschrauber: Verwundbare Helikopter
DPA/ MoD/ Guy Pool

"Apache"-Kampfhubschrauber: Verwundbare Helikopter


Hamburg - Bisher hat die Nato im Kampf gegen Machthaber Muammar al-Gaddafi auf Kampfjets gesetzt - jetzt kommen auch Hubschrauber zum Einsatz. Das britische Verteidigungsministerium bestätigte am Samstag, dass Apache-Hubschrauber Angriffe geflogen haben. Nach Angaben der Militärführung in Paris waren von französischer Seite Maschinen der Typen Tiger und Gazelle eingesetzt worden. Laut Nato griffen die Helikopter Militärfahrzeuge und militärisches Gerät an. Der BBC zufolge attackierten sie eine Radarstation sowie einen Kontrollposten in der Nähe der Stadt Brega. An dem Einsatz seien auch französische Helikopter vom Typ Gazelle beteiligt gewesen.

"Der Einsatz von Kampfhubschraubern verleiht den Nato-Operationen mehr Flexibilität bei der Suche und dem Angriff von Gaddafi-treuen Truppen, die vorsätzlich Zivilisten angreifen und sich in bewohnten Gebieten verstecken", hieß es in einer Stellungnahme des Militärbündnisses. Frankreich hatte den Hubschrauberträger "Tonnerre" entsandt, auf dem nach Medienberichten 15 Kampfhubschrauber vom Typ Tiger oder Gazelle und vier Puma-Transporthubschrauber stationiert sind. Ein Teil der Gazelle-Hubschrauber soll über Panzergeschütze und Wärmekameras verfügen.

Der Kommandeur der Nato-Operation, Generalleutnant Charles Bouchard, sagte in der Erklärung, die Allianz werde diese Hubschrauber wann immer und wo immer es nötig sei einsetzen. Der erfolgreiche Einsatz zeige die einzigartigen Fähigkeiten der Kampfhubschrauber.

Militärexperten sehen allerdings auch ein erhöhtes Risiko, dass die Nato erstmals seit Beginn ihrer Kampagne im März selbst Opfer erleiden könnte, weil die Hubschrauber deutlich anfälliger für einen Beschuss vom Boden sind. Die Nato hat betont, dass dem Einsatz der Hubschrauber nicht der Einsatz von Bodentruppen in Libyen folgen werde.

Die Luftangriffe auf Libyen haben am 19. März begonnen. Die Kampfhubschrauber hatten Frankreich und Großbritannien erst kürzlich zur Verfügung gestellt. Laut Nato erfolgt der Einsatz der Helikopter im Einklang mit der Resolution 1973 des Uno-Sicherheitsrats. Dieser erlaubt zum Schutz von Zivilisten in Libyen "alle erforderlichen Mittel".

Die libyschen Aufständischen haben inzwischen nach eigenen Angaben zwei wichtige Ortschaften im Westen des Landes erobert. Die Dörfer Jefren und Schakschuk in den Nafussa-Bergen seien am Donnerstag aus der Gewalt der Regierungstruppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi befreit worden, sagte ein Rebellenführer, Oberst Dschumaa Ibrahim, am Freitag. In Schakschuk befindet sich ein strategisch wichtiges Kraftwerk.

Die Eroberung der beiden Orte ist ein wichtiger Sieg der Rebellen auf ihrem Vormarsch in die westliche Landeshälfte. In einem weiteren Dorf am Fuße des Nafussa-Gebirges dauerten die Kämpfe noch an, erklärte Ibrahim weiter. "Unser Ziel ist die Hauptstadt", sagte er.

Obama unter Druck

Der Militäreinsatz löst im US-Kongress zunehmend Ungeduld aus. Am Freitag forderte das Repräsentantenhaus Präsident Barack Obama mit einer Resolution auf, die amerikanische Rolle in dem Konflikt zu erklären sowie Details über die geplante Dauer und voraussichtliche Kosten der US-Beteiligung zu nennen. Die mit 268 zu 154 Stimmen angenommene Resolution verlangt von Obama, dem Kongress innerhalb von zwei Wochen genaue Informationen über den Krieg zu übermitteln.

ler/dapd/dpa

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Seite 1
butter_milch 04.06.2011
1. ...
Meine Güte... wer ist denn bitte so naiv zu denken, ein Krieg könnte komplett ohne Verluste auf der eigenen Seite gewonnen werden? Das ist Wunschdenken. Das heißt natürlich nicht, dass man seine Soldaten verheizen sollte. Diese wussten allerdings schon bei ihrer Verpflichtung um das Risiko. Wir schicken dort ausgebildete Soldaten hin, deren Aufgabe es ist, dieses Risiko einzugehen, keine Grundschulkinder. Aber was heißt hier "wir". Die Deutschen waren mal wieder zu feige und das obwohl dieser Einsatz hier 100x besser gerechtfertigt werden kann als der K(r)ampf in Afghanistan.
flower power 04.06.2011
2. Auf in den Kampf
um Gaddafis Billionen. Was anderes ist das nicht mehr. Da die bankster schon einen großen Anteil " verzockt" , oder soll man sagen gut deklariert für eigene Zwecken , haben, muss man nun den Krieg dort richtig teuer machen, und das wiederum der Rebellenregierung in Rechnung stellen. So geht die Rechnung gut auf.
Koltschak 04.06.2011
3. Keine Deutsches Blut für Libyien, so einfach ist das!
Zitat von butter_milchMeine Güte... wer ist denn bitte so naiv zu denken, ein Krieg könnte komplett ohne Verluste auf der eigenen Seite gewonnen werden? Das ist Wunschdenken. Das heißt natürlich nicht, dass man seine Soldaten verheizen sollte. Diese wussten allerdings schon bei ihrer Verpflichtung um das Risiko. Wir schicken dort ausgebildete Soldaten hin, deren Aufgabe es ist, dieses Risiko einzugehen, keine Grundschulkinder. Aber was heißt hier "wir". Die Deutschen waren mal wieder zu feige und das obwohl dieser Einsatz hier 100x besser gerechtfertigt werden kann als der K(r)ampf in Afghanistan.
"und das obwohl dieser Einsatz hier 100x besser gerechtfertigt werden kann als der K(r)ampf in Afghanistan." Da wissen Sie mehr als ich, können Sie mich mal aufklären. Der russische Libyen-Botschafter wurde abberufen weil er äußerte, der Rückhalt von Gadafi in der Bevölkerung sei viel größer als sich die meisten vorstellen könnten. Der Westen würde ein Vabanquespiel betreiben. Und genau so sieht es aus. Und da erzählen Sie mir etwas von: "100x besser gerechtfertigt" In der Realität hat wohl der russische Botschafter Recht. Ihr Aussage sind zu 100 % Spekulation.
hagar 04.06.2011
4. Gerechtfertigt???
Zitat von butter_milchMeine Güte... wer ist denn bitte so naiv zu denken, ein Krieg könnte komplett ohne Verluste auf der eigenen Seite gewonnen werden? Das ist Wunschdenken. Das heißt natürlich nicht, dass man seine Soldaten verheizen sollte. Diese wussten allerdings schon bei ihrer Verpflichtung um das Risiko. Wir schicken dort ausgebildete Soldaten hin, deren Aufgabe es ist, dieses Risiko einzugehen, keine Grundschulkinder. Aber was heißt hier "wir". Die Deutschen waren mal wieder zu feige und das obwohl dieser Einsatz hier 100x besser gerechtfertigt werden kann als der K(r)ampf in Afghanistan.
Schleswig 04.06.2011
5. xxx
Zitat von sysopDie Nato hat im Krieg in Libyen ein neue Strategie gestartet. Erstmals flogen Kampfhubschrauber Luftangriffe*gegen die Gaddafi-treuen Truppen. Doch das Vorgehen ist riskant: Militärexperten fürchten, dass es nun auch beim westlichen Bündnis Opfer geben könnte. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,766564,00.html
Ah ja, ist Tontauben schießen jetzt angesagt.
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