Neue Untersuchung Rebellenarmee entführte Hunderte Kinder im Kongo

Die ugandische Rebellengruppe LRA hat laut einem Bericht von Human Rights Watch im Norden des Kongo Hunderte Menschen entführt, darunter viele Kinder. So rekrutieren die Rebellen Kämpfer und lehren sie das Töten. Wer zu langsam ist oder zu fliehen versucht, wird umgebracht.


Nairobi - Die ugandische Rebellenorganisation Widerstandsarmee des Herrn (LRA) hat in den vergangenen Monaten rund 700 Menschen entführt, unter ihnen mindestens ein Drittel Kinder. "Die LRA setzt ihre brutale Kampagne fort, Kinder aus ihren Dörfern zu entführen und zum Töten zu zwingen", sagte Anneke Van Woudenberg, Afrika-Expertin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW), zu einer am Donnerstag veröffentlichten Studie. Die Opfer stammten aus dem nördlichen Kongo, wo sich die LRA-Kämpfer mit ihrem Kommandeur Joseph Kony verschanzt haben, aber auch aus der Zentralafrikanischen Republik und dem Südsudan.

Bei den Entführungen handele es sich um eine organisierte Kampagne, die in den vergangenen Wochen noch intensiviert worden sei und die von Konys Stellvertreter geleitet werde. Mindestens 255 Erwachsene und Kinder seien dabei getötet worden, schreiben die Menschenrechtler in dem Bericht - entweder weil sie dem Marsch der Truppe durch den Busch nicht folgen konnten oder versuchten zu fliehen. Den meisten sei mit Knüppeln der Schädel eingeschlagen worden.

Kony, der vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag als Kriegsverbrecher gesucht wird, führte fast 20 Jahre lang einen brutalen Bürgerkrieg in Norduganda. Vor fast fünf Jahren zogen sich die Rebellen wegen des zunehmenden Drucks und Erfolgs der ugandischen Regierungstruppen in den Kongo zurück, wo die Menschen seither in Angst vor Überfällen leben. Die LRA hat seit Beginn des Bürgerkriegs Schätzungen zufolge 30.000 Kinder und Jugendliche entführt und als Kindersoldaten, Sexsklavinnen und Träger missbraucht. Außer im Kongo und in der Zentralafrikanischen Republik sind die LRA-Truppen auch im Sudan aktiv.

Für den nun veröffentlichten Bericht interviewte HRW mehr als 520 Menschen im Nordkongo und der Zentralafrikanischen Republik, unter ihnen 90 LRA-Opfer, die entweder fliehen konnten oder frei gelassen wurden.

ffr/dpa/Reuters/apn



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onemanshow 23.04.2009
1.
Zitat von sysopSeit Jahren wütete Kriege in Afrika, deren Auswirkungen auch das Leben im Frieden vergiften. Wie kann den Bürgerkriegen und Krisen in Afrika besser begegnet werden?
Ganz einfach: Indem man keine "Bürgerkriege und Krisen" erzeugt umd am Köcheln hält, um nach dem Prinzip "Teile und Herrsche", ,wie seit Jahrhunderten von allen Kolonialmächten praktiziert, Ressourcen zum Vorzugspreis abzugreifen.
Maddox 23.04.2009
2.
Zitat von sysopSeit Jahren wütete Kriege in Afrika, deren Auswirkungen auch das Leben im Frieden vergiften. Wie kann den Bürgerkriegen und Krisen in Afrika besser begegnet werden?
Dazu sollten sich die Afrikaner äußern. Vielleicht in dem sie etwas gegen Korruption, Stammesdenken etc. unternehmen ?
BillBrook 23.04.2009
3.
Zitat von onemanshowGanz einfach: Indem man keine "Bürgerkriege und Krisen" erzeugt umd am Köcheln hält, um nach dem Prinzip "Teile und Herrsche", ,wie seit Jahrhunderten von allen Kolonialmächten praktiziert, Ressourcen zum Vorzugspreis abzugreifen.
Da weigert sich wieder einer, Afrikaner hls selbständig handelnde Menschen zu sehen. Wie man so etwas gemeinhin nennt, dürfte klar sein.
eulenspiegel 47 23.04.2009
4. .
Zitat von onemanshowGanz einfach: Indem man keine "Bürgerkriege und Krisen" erzeugt umd am Köcheln hält, um nach dem Prinzip "Teile und Herrsche", ,wie seit Jahrhunderten von allen Kolonialmächten praktiziert, Ressourcen zum Vorzugspreis abzugreifen.
Blah, blah, blah! Immer das gleiche Geleier: Die Schwarzen sind klug und weise und werden nur von den gemeinen Weißen angestiftet sich Arme und Beine abzuhacken.
onemanshow 23.04.2009
5.
Zitat von BillBrookDa weigert sich wieder einer, Afrikaner hls selbständig handelnde Menschen zu sehen. Wie man so etwas gemeinhin nennt, dürfte klar sein.
Sehen Sie sich in der Lage, die Tatsachen, die in Artikeln wie diesem ... "Kampf um Kongos Rohstoffe" (http://www.heise.de/bin/tp/issue/r4/dl-artikel2.cgi?artikelnr=29107&mode=print) ... geschildert werden, zu widerlegen ? Was früher "Kolonialismus" war, nennt man heute, Orwell würde im Grab rotieren, "freien Welthandel". Geändert hat sich nicht viel. Korrupte lokale Eliten, Warlords und Milizen werden als Strohmänner gesteuert, die Bodenschätze abgegriffen, auf die Bevölkerung ist geschi... Im Schnitt bleiben von den Erträgen 3% im Land, der Rest geht an die Multis. Und von diesen 3% zahlen die Länder (Ghana z.B.) noch den Kredit + Zinsen ab, den die Weltbank dem Land aufgezwungen hat, um, bitte anschnallen, die Erschließung ebenjener ghanaischen Goldvorkommen zu finanzieren.
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