Neuer Bericht über Koran-Schändungen Heiliges Buch als Hundefraß

Vor einer Woche zog "Newsweek" einen Bericht über Koran-Schändungen in Guantánamo zurück, jetzt legt die "Los Angeles Times" nach. Detailliert zitiert das Blatt aus Gefangenenaussagen: Wärter sollen das heilige Werk mit den Füßen getreten, an Wachhunde verfüttert und mit Urin besprenkelt haben.


Hamburg - Die Empörung im Weißen Haus schien keine Grenzen zu kennen. Wütend attackierte Scott McClellan, Regierungssprecher in Washington, in der vergangenen Woche immer wieder die Journalisten des US-Blattes "Newsweek", die kürzlich über Schändungen des Korans in dem US-Gefangenenlager Guantanamo Bay berichtet hatten. Nun solle das Magazin gefälligst helfen, "aktiv den Schaden zu reparieren", so McClellan, den es für das Image der USA im Ausland angerichtet habe: Etwa mit einem Bericht darüber, wie respektvoll US-Soldaten mit dem heiligen Buch der Muslime umgehen würden.

Es spricht viel dafür, dass die "Newsweek"-Kollegen diesem Aufruf besser nicht folgen. In einem detaillierten Bericht listet jetzt die renommierte "Los Angeles Times" Aussagen auf, die die Vorwürfe gegen die US-Militärs stützen. Die Journalisten interviewten zahlreiche ehemalige Gefangene, sahen Vernehmungsakten durch, sprachen mit Ermittlern und Wärtern von US-Gefangeneneinrichtungen.

Laut den Berichten hat es zahlreiche Zwischenfälle gegeben. Etliche Zeugen beschrieben der "LA Times", wie Wärter in Guantanamo Bay und in anderen Lagern das Buch entweiht und geschändet hätten: So sollen sie es mit Füßen getreten, Hunden ins Maul gestopft, gegen Wände geworfen, lächerlich gemacht und gar mit Urin besprenkelt haben.

"Sie haben es auf den Boden geworfen", zitiert das Blatt einen ehemaligen marokkanischen Gefangenen aus Guantanamo Bay: "Sie haben darauf uriniert. Sie sind über den Koran gelaufen, sie haben ihn wie einen Teppich benutzt. Wir sagten ihnen, sie sollten das nicht tun. Wir haben sie angefleht. Aber dann taten sie es wieder und noch viel mehr."

Die Vorfälle sollen sich bereits vor mehreren Jahren ereignet haben. Nach Protesten und Hungerstreiks schrieben die Kommandanten vor zwei Jahren neue Regeln zum respektvollen Umgang mit dem Koran fest. Von da an sollen die Beschwerden aufgehört haben, bestätigt das Internationale Rote Kreuz, das die Zustände in den US-Gefangenenlagern so gut es geht im Auge behält.

Wie sehr die Gefangenen durch Koran-Schändungen gekränkt werden können, berichte ein ehemaliger Vernehmungsbeamter aus Guantanamo Bay der "LATimes": Als in einem Lager neue Bände an die Gefangenen verteilt werden sollten, habe das Personal die Schriften einfach auf den Boden gestapelt. Daraufhin wären etliche Gefangene regelrecht durchgedreht. Später hätten die Wärter den Gefangenen erlaubt, ihre Gesichtsmasken zum Transport der Bücher zu nutzen. Die Soldaten nannten die Masken daraufhin "Koran Hängematten".



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