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06. Februar 2011, 08:50 Uhr

Neuer Feldpost-Ärger

Soldatenbriefe geöffnet und vertauscht

Bei der Bundeswehr gibt es neue Fälle von illegal geöffneter Feldpost: So schickte ein Hauptfeldwebel einem Bericht zufolge ein Päckchen mit Parfum von Afghanistan nach Deutschland. Dort kam jedoch ein Duschbad an. Die Bundeswehr sieht die Fehler bei der Post.

Berlin - Leere Umschläge, geöffnete Briefe, vertauschte Inhalte: In den vergangenen Monaten wurden Briefe von Bundeswehrsoldaten in Afghanistan gezielt geöffnet, womöglich zensiert und systematisch durchsucht. Die "Bild am Sonntag" berichtet nun unter Berufung auf das Verteidigungsministerium von neuen Vorfällen. Überprüfungen ergaben demnach, dass Feldpost, die von Deutschland ins Einsatzgebiet geschickt wurde, geöffnet wurde.

Demnach wurden mindestens drei geöffnete Briefe mit Klebestreifen wieder geschlossen. Aus einem Brief sei außerdem eine Uhr entwendet worden, zitierte die Zeitung einen Ministeriumssprecher.

Die "Bild am Sonntag" zitiert aus einem internen Bundeswehrbericht, der Details zu den Brieföffnungen enthält: So habe ein Hauptfeldwebel Ende November ein Päckchen mit Parfum von Afghanistan nach Deutschland geschickt. Stattdessen sei jedoch ein Duschbad in Deutschland angekommen. In einem anderen Fall habe ein Unteroffizier zwei Zigarettenpackungen der Marke Lucky Strike nach Hause gesendet. Doch bei der Zustellung des Päckchens fanden die Empfänger darin Zigaretten der Marke West und den Brief eines anderen Soldaten.

Post spricht von "nicht gängiger Praxis"

Laut dem Papier schließt die Bundeswehr nicht aus, dass die Beschädigung der Postsendungen durch die Bearbeitung einer mechanischen Sortiermaschine in Deutschland stammen können. "Trifft die schnellrotierende Rolle der Maschine auf Gegenstände wie USB-Sticks oder Zigarettenpackungen, ist es möglich, dass die Gegenstände herausgepresst werden", zitierte die "Bild am Sonntag" aus dem Bericht.

Ein Sprecher der Post wiederum sagte der Zeitung, diese Vermutung entspreche "nicht der gängigen Praxis". Briefsendungen mit derlei Inhalt würden von Mitarbeitern aussortiert, bevor sie in die Sortiermaschine kämen.

Alle Briefe von Soldaten, die in Afghanistan im Einsatz sind, werden beim Versand in das zentrale Lager in Masar-i-Scharif in größere Umschläge verpackt und dann in verplombten Containern transportiert - ein Zugriff von Einzelnen auf die Sendungen ist damit mehr als unwahrscheinlich. Grundsätzlich sind an der Kette bis nach Deutschland eigentlich nur deutsche Soldaten beteiligt; nur vom Außenposten "OP North" wird die Post von einem afghanischen Unternehmen transportiert, heißt es.

jjc/AFP

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