Neuer Feldpost-Ärger Soldatenbriefe geöffnet und vertauscht

Bei der Bundeswehr gibt es neue Fälle von illegal geöffneter Feldpost: So schickte ein Hauptfeldwebel einem Bericht zufolge ein Päckchen mit Parfum von Afghanistan nach Deutschland. Dort kam jedoch ein Duschbad an. Die Bundeswehr sieht die Fehler bei der Post.

Fahrrad mit Feldpostfahne: Bundeswehr sieht Fehler bei der Post
dpa

Fahrrad mit Feldpostfahne: Bundeswehr sieht Fehler bei der Post


Berlin - Leere Umschläge, geöffnete Briefe, vertauschte Inhalte: In den vergangenen Monaten wurden Briefe von Bundeswehrsoldaten in Afghanistan gezielt geöffnet, womöglich zensiert und systematisch durchsucht. Die "Bild am Sonntag" berichtet nun unter Berufung auf das Verteidigungsministerium von neuen Vorfällen. Überprüfungen ergaben demnach, dass Feldpost, die von Deutschland ins Einsatzgebiet geschickt wurde, geöffnet wurde.

Demnach wurden mindestens drei geöffnete Briefe mit Klebestreifen wieder geschlossen. Aus einem Brief sei außerdem eine Uhr entwendet worden, zitierte die Zeitung einen Ministeriumssprecher.

Die "Bild am Sonntag" zitiert aus einem internen Bundeswehrbericht, der Details zu den Brieföffnungen enthält: So habe ein Hauptfeldwebel Ende November ein Päckchen mit Parfum von Afghanistan nach Deutschland geschickt. Stattdessen sei jedoch ein Duschbad in Deutschland angekommen. In einem anderen Fall habe ein Unteroffizier zwei Zigarettenpackungen der Marke Lucky Strike nach Hause gesendet. Doch bei der Zustellung des Päckchens fanden die Empfänger darin Zigaretten der Marke West und den Brief eines anderen Soldaten.

Post spricht von "nicht gängiger Praxis"

Laut dem Papier schließt die Bundeswehr nicht aus, dass die Beschädigung der Postsendungen durch die Bearbeitung einer mechanischen Sortiermaschine in Deutschland stammen können. "Trifft die schnellrotierende Rolle der Maschine auf Gegenstände wie USB-Sticks oder Zigarettenpackungen, ist es möglich, dass die Gegenstände herausgepresst werden", zitierte die "Bild am Sonntag" aus dem Bericht.

Ein Sprecher der Post wiederum sagte der Zeitung, diese Vermutung entspreche "nicht der gängigen Praxis". Briefsendungen mit derlei Inhalt würden von Mitarbeitern aussortiert, bevor sie in die Sortiermaschine kämen.

Alle Briefe von Soldaten, die in Afghanistan im Einsatz sind, werden beim Versand in das zentrale Lager in Masar-i-Scharif in größere Umschläge verpackt und dann in verplombten Containern transportiert - ein Zugriff von Einzelnen auf die Sendungen ist damit mehr als unwahrscheinlich. Grundsätzlich sind an der Kette bis nach Deutschland eigentlich nur deutsche Soldaten beteiligt; nur vom Außenposten "OP North" wird die Post von einem afghanischen Unternehmen transportiert, heißt es.

jjc/AFP

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schwarzer Schmetterling, 06.02.2011
1. Unser aller
Zitat von sysopBei der Bundeswehr gibt es neue Fälle von illegal geöffneter Feldpost: So schickte ein Hauptfeldwebel einem Bericht zufolge Päckchen mit Parfüm von Afghanistan nach Deutschland. Dort kam jedoch*ein Duschbad an. Die Bundeswehr sieht die Fehler bei der Post. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,743802,00.html
Super-Gel-Grinse-Oberstar-Young-Leader wird diesen wirklichen Skandal wie immer bei anderen suchen. Dass nun in Folge in seinem direkten Befehlsbereich das GG der Republik mit Füssen getreten wird, stört den feinen Herrn nicht - seine Clique hält ja eh nichts von dem Stück Papier. Und wenn er uns schon mal im Vorgang verkündet, dass ER derjenige ist, der die Verweildauer am transatlantischen Küstengebirge Hindukusch festlegt - dann zeigt uns das seine wahre Einstellung zum Basispapier unseres Landes. Im Demotivieren der Truppe jedoch erklimmt er immer neue Höhen - nach seinen Opfergängen zugunsten seiner weißen Weste (er war nicht das Opfer), kommt nun eine andauernde Verletzung von Grundrechten dazu. Er sollte seine Entourage nehmen und sich samt Gattin auf seinen Adelssitz zurückziehen - und dort auch bleiben. Nicht dass erboste Bürger ihm dasselbe wie den Hohenzollern antun.
Hubert Rudnick, 06.02.2011
2. Schöreden
Zitat von sysopBei der Bundeswehr gibt es neue Fälle von illegal geöffneter Feldpost: So schickte ein Hauptfeldwebel einem Bericht zufolge Päckchen mit Parfüm von Afghanistan nach Deutschland. Dort kam jedoch*ein Duschbad an. Die Bundeswehr sieht die Fehler bei der Post. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,743802,00.html
Man kann eben die Tasachen nicht immer nur schönreden. Auch die Soldaten müssen erfahren, dass sie unter der ständigen Kontrolle des Staates stehen, es gibt eben doch nicht die Freiheit, wofür die Soldaten auch ihr Leben lassen sollen. HR
little_smaugh 06.02.2011
3. Da war die Stasi
noch intelligenter. Die hat die Inhalte nicht vertauscht und Briefumschläge wieder ordentlich verschlossen mit Brief. Wie schon gesagt: Herr Guttenberg ist auch überfällig wie Herr Mubarak.
Nörgelkopf 06.02.2011
4. Fragt den MAD
Kann es sein, dass hier eine Institution ihre Finger im Spiel hat, wo aus Einsatzgebieten der BW die Post überprüft wird? Muß das nicht deutlich gekennzeichnet werden? Allerdings ist es auch bei den verschiedenen Postdiensten mit evtl. Subunternehmen möglich, das dort die Spitzbuben sind.
carlosowas, 06.02.2011
5. Bemerkenswert
ist vor allem, was unsere Soldaten da von Afg. nach Deutschland schicken, Parfüm, Zigaretten. Oder ist das alles nur irgendwie verfremdetes Rauschgift, was ja am Erzeugungsort recht billig sein soll. Auf jeden Fall scheint es in Afg. doch nicht so schlimm zuzugehen, wie allenthalben getan wird. Oder ist das wieder nur ein aufgeblasener Spiegel-Artikel, mit dem Journalisten Emotionen erzeugen wollen?
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