Neuer Flughafen in Istanbul Streikende Bauarbeiter verhaftet

Der neue Flughafen in Istanbul ist ein Prestigeprojekt von Staatschef Erdogan. Nach einem Streik auf der Baustelle wurden jetzt 20 Arbeiter und vier Gewerkschafter verhaftet.
Baustelle Flughafen Istanbul

Baustelle Flughafen Istanbul

Foto: SPIEGEL ONLINE

Sie hatten gegen schlechte Arbeitsbedingungen auf der Flughafen-Baustelle in Istanbul protestiert und deshalb gestreikt. Das hat für 20 Arbeiter und vier Gewerkschafter jetzt Konsequenzen: Ein Gericht in der türkischen Metropole entschied, sie zu verhaften. Das sagte der Anwalt Kazim Bayraktar der Deutschen Presse-Agentur.

Ihnen werde unter anderem vorgeworfen, gegen das Demonstrationsrecht verstoßen und die Arbeit anderer behindert zu haben. 19 weitere Arbeiter wurden demnach unter Auflagen freigelassen.

Der neue Flughafen soll am 29. Oktober eröffnet werden. Er gilt als ein Prestigeprojekt von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. Die Arbeiter bemängeln unter anderem unmenschliche Unterkünfte, schlechtes Essen, späte Lohnzahlungen und zahlreiche durch fehlende Sicherheitsvorkehrungen hervorgerufene tödliche Unfälle.

Am Wochenende hatte die Polizei bereits Hunderte Arbeiter festgenommen. Nach Angaben des Vorsitzenden der Baugewerkschaft Dev-Yapi-Is, Özgür Karabulut, ist die Baustelle inzwischen abgesperrt. Weder Gewerkschafter noch Abgeordnete hätten Zugang. Er habe keine Informationen zur Lage der Arbeiter, sagte Karabulut der dpa.

Anwalt Bayraktar kritisierte, die Behörden hätten mit dem Vorgehen gegen die Streikenden ein Exempel statuieren wollen, um andere Arbeiter "abzuschrecken". Die Türkei-Expertin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Emma Sinclair-Webb, schrieb auf Twitter: "Das ist ein erschreckender Angriff auf das Recht, zu protestieren und auf die Würde der Arbeiter in der Türkei."

als/dpa
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