Neuer Präsident Gemäßigter Islamist will Bürgerkrieg in Somalia beenden

Hoffnung für Somalia: Das Parlament hat den gemäßigten Islamisten Scheich Scharif Scheich Ahmed zum Präsidenten gewählt. Direkt nach der Wahl kündigte er an, er wolle die rivalisierenden Clans im Land zu Friedensgesprächen einladen, die seit fast 20 Jahren Bürgerkrieg führen.


Dschibuti - Seit 1991 hat Somalia keine funktionierende Regierung mehr. Dass Parlament und Wahlkommission in das benachbarte Dschibuti umgezogen sind, zeigt sehr drastisch, wie schwierig die Lage in einem Land ist, in dem seit 18 Jahren Bürgerkrieg herrscht. Aber jetzt hat das Parlament im Exil einen neuen Präsidenten gewählt - den gemäßigten Islamisten Scheich Scharif Scheich Ahmed, und zwar mit deutlichem Vorsprung, wie die Wahlkommission mitteilte.

Scheich Scharif Scheich Ahmed: Somalias neuer Präsident
AP

Scheich Scharif Scheich Ahmed: Somalias neuer Präsident

Scheich Scharif war als Anführer der von Islamisten dominierten Allianz für die Wiederbefreiung Somalias (ARS) zur Wahl angetreten. Er erhielt im zweiten und entscheidenden Wahlgang 293 der insgesamt 430 Abgeordnetenstimmen und besiegte damit Maslah Mohamed Siad Barre, den Sohn des früheren Machthabers, Siad Barre (126 Stimmen). Bereits im ersten Wahlgang hatte Scheich Sharif 219 Stimmen auf sich vereinen können.

Sein größter Rivale, Regierungschef Nur Hassan Hussein, zog daraufhin wegen mangelnder Unterstützung seine Kandidatur zurück.

Die Präsidentenwahl in Somalia war nötig geworden, nachdem der bisherige Staatschef Abdullahi Yusuf Ahmed im Dezember vergangenen Jahres nach einem Machtkampf mit Ministerpräsident Nur Hassan Hussein zurückgetreten war. Dieser signalisierte dem neuen Staatsoberhaupt nun Kooperationsbereitschaft.

Angebot an die bewaffnete Gruppen im Land

Scheich Scharifs wichtigste Aufgabe wird die Fortführung des Friedensprozesses in Somalia sein, wo seit dem Sturz von Siad Barre 1991 rivalisierende Clans um die Macht kämpfen. Er kündigte direkt nach seinem Wahlsieg an, alle Konfliktparteien an den Verhandlungstisch bringen zu wollen. "Ich werde bald eine Regierung bilden, die alle Menschen von Somalia repräsentiert", sagte er. Auch bewaffneten Gruppen, die sich bislang den Friedensgesprächen widersetzten, wolle er die Hand reichen, um Frieden und Ordnung zu etablieren.

Teile Somalias sind unter der Kontrolle der Schebab-Milizen, dem radikalen und bewaffneten Arm der Islamisten, die einen Friedensprozess ablehnen. Erst am vergangenen Montag hatten sie den eigentlichen Sitz des Parlaments, die Stadt Baidoa, eingenommen, nachdem sich die äthiopischen Truppen vollständig aus Somalia zurückgezogen hatten. Sie waren dort Ende 2006 zur Unterstützung der somalischen Übergangsregierung im Kampf gegen aufständische Islamisten einmarschiert.

Unter anderem hatten die Äthiopier damals auch Scheich Sharif als Anführer der Islamisten ins Exil geschickt. Doch mittlerweile gilt er als gemäßigter Mann der Mitte - zumindest im Vergleich zu den immer radikaler werdenden bewaffneten Gruppen.

Im Zuge des von der internationalen Gemeinschaft verhandelten Friedensprozesses waren erst in der vergangenen Woche die gemäßigten Islamisten mit der ARS in das Parlament aufgenommen worden, um den Weg für die Präsidentschaftswahl freizumachen. Scheich Sharif könnte noch an diesem Samstag als neuer Staatschef vereidigt werden.

oka/AFP/AP



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