Neuer Regierungsairbus Air Merkels missglückter Jungfernflug

Eigentlich sollte im neuen VIP-Airbus Schluss sein mit den Pannen - iranische Willkür aber hatte niemand bedacht. Das Regime in Teheran störte den Jungfernflug der neuen Kanzler-Maschine mit einem Überflugverbot. Immerhin: Solche Verspätungen kann Angela Merkel künftig komfortabler erdulden.

dapd

Aus Neu-Delhi berichtet


Neuer Flieger hin oder her - das Mikrofon will nicht so recht. Es fiept. Also muss die Bundeskanzlerin bei der allerersten Gesprächsrunde mit Journalisten im Konferenzraum ihrer neuen Regierungsmaschine wieder einmal gegen den Lärm der Triebwerke anreden. Manche Dinge ändern sich eben nie. Die technischen Probleme mit der Verstärkeranlage haben fast schon Tradition.

Ansonsten aber reist die Regierungschefin künftig komfortabler als bisher. Auf ihrer Reise nach Indien und Singapur ist sie in dieser Woche zum ersten Mal mit dem neuen Flaggschiff der Regierungsflotte unterwegs. Die Strecke von Berlin nach Neu-Delhi in der Nacht von Montag auf Dienstag war der Jungfernflug des Airbus 340-313, der wie sein Vorgänger auf den Namen "Konrad Adenauer" getauft wurde.

Es hätte ein einigermaßen angenehmer Trip werden können, wenn da nicht die iranische Willkür gewesen wäre. Kurzerhand verweigerten die Behörden in Teheran der Kanzlermaschine den Überflug - eine Genehmigung, die wie üblich vor dem Flug eingeholt worden war. Spontan umzuplanen, ist kaum möglich, denn die Überfluggenehmigungen werden meist weit im Voraus erteilt. Eine gefühlte Ewigkeit mussten die Piloten daher über der Türkei kreisen, bevor Iran die Maschine doch noch passieren ließ. In Neu-Delhi setzte der Flieger mit der Kanzlerin mit zwei Stunden Verspätung auf.

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Merkels Pannenflug: Kreise über den Wolken
Die Verärgerung bei Merkel und ihrer Delegation über die Iraner trübte die Freude über das größere und komfortablere Fluggerät. Ganz so neu wie der blitzend weiße Lack mit der schwarz-rot-goldenen Banderole vermuten lässt, ist der A340 zwar auch nicht mehr. Er wurde 1999 gebaut und hat für die Lufthansa schon 50.000 Flugstunden absolviert. In den vergangenen Monaten aber wurde die Maschine technisch aufgerüstet und zum VIP-Flugzeug umgebaut. Lästige Zwischenstopps bei Fernreisen können künftig wegfallen. Die Tanks fassen 135.000 Liter Treibstoff, das reicht nonstop für den fast 13-stündigen Rückflug von Singapur nach Berlin am kommenden Donnerstag.

Privatgemach der Kanzlerin mit Bett und Bad

Ein Vergnügen ist ein solcher Flug gerade im hinteren Teil der Maschine zwar immer noch nicht. Aber es gibt im Economy-Bereich jetzt ein paar Annehmlichkeiten mehr als bisher. Dazu gehören das Bord-Entertainment an jedem Platz: Über Monitore in den Rückenlehnen kann sich jeder Passagier nun die Zeit mit Filmen vertreiben. Ein kleiner Luxus, der auf Langstreckenflügen jeder guten Airline längst zum Standard gehört. Für die Journalisten, die an Bord arbeiten, gibt es jetzt Steckdosen für Kameras und Notebooks. Weil diese über den Köpfen der Passagiere angebracht sind, sieht es ein wenig so aus, als wären die Sauerstoffmasken heruntergeplumpst, wenn die Kabel von der Decke hängen.

Helle Grau- und Beige-Töne dominieren die Einrichtung im Passagierbereich, auch ein Stück weiter vorne, wo es allmählich etwas bequemer wird. In breiten Business-Sesseln ist auch mal an Schlaf zu denken. Wer dann in den nächsten Gang zum vorderen Teil des Flugzeugs tritt, merkt an den Füßen sofort eine Veränderung. Der bräunliche Teppich wird weicher. Hier beginnt der Promi-Bereich.

Ganz vorn hat die Kanzlerin ihr Privatgemach, natürlich mit Arbeitsmöglichkeit, Bett und eigenem Bad. Nach hinten schließt sich erst eine Bordküche, dann ein Raum für Gespräche an, mit gemütlichen Sesseln und Tischen. Noch ein Gang, dann folgt vor der Business Class der Konferenzraum, zum Beispiel für die Hintergrundgespräche mit Journalisten.

Zu Füßen der Kanzlerin, auf weichem Teppich

Stapelten sich bei den Gesprächen in der alten "Konrad Adenauer" rund 20 Personen in einem Raum mit eigentlich sechs bis acht Sitzgelegenheiten, gibt es nun deutlich mehr Platz auf breiten Sesseln mit Lederkopfstützen und drapierten Kopfkissen. Für alle reicht es aber immer noch nicht. Und so sitzt auch bei der Premiere im A340 wieder jemand auf dem Boden zu Füßen der Kanzlerin. Aber, wie gesagt, der Teppich ist recht weich.

Die Bundesregierung ersetzt derzeit nach und nach ihre Flugzeuge, mit denen Bundespräsident, Kanzlerin und Minister um die Welt reisen. Ein kleinerer neuer Airbus 319 ist bereits im Einsatz, jetzt folgt mit dem 340 der erste von zwei großen Jets, in denen auch Delegationen von bis zu 143 Personen Platz haben. Die beiden alten A310 werden ausgemustert, die "Theodor Heuss" wurde im Mai bereits versteigert.

Die alten Maschinen stammten noch aus DDR-Interflug-Bestand und machten immer wieder Ärger. Zuletzt blieb Bundespräsident Christian Wulff im brasilianischen São Paulo hängen, ein Kühlaggregat für die Bordelektronik war defekt. Auch die Kanzlerin musste schon Termine sausen lassen, weil ihr Flieger streikte. Bei einem Staatsbesuch in Algerien half sogar Präsident Abdelaziz Bouteflika aus. Er lieh Merkel kurzerhand seinen eigenen Flieger, damit sie zurück nach Deutschland reisen konnte.

Jetzt soll endlich Schluss sein mit der Pannenserie. Die Sache mit dem Mikrofon sollte leicht zu beheben sein. Dann heißt es nur noch: einen Bogen um Iran machen.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Textes hieß es, die neue "Konrad Adenauer" sei länger als die amerikanische Air Force One. Das ist unrichtig. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.



insgesamt 45 Beiträge
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Seite 1
amana 31.05.2011
1. Neuer Regierungsairbus
Ich denke mir es gibt zwei mögliche Szenarien. Entweder hat ein Provinzlotse einen gravierenden fehler gemacht, oder es ist eine gezielte Provokation gegenüber unserer Kanzlerin und Deutschland. Wenn man so die letzten jahre als Massstab nimmt spricht einiges für letzteres. Es spricht auch einiges dafür wie Merkel es leicht herunterzuspielen, aber jeder der sie kennt weiss, dass wird sie sehr sehr lange im Gedächtnis behalten und an geeigneter Stelle dem Iran zurückzahlen.
Tigershark_2 31.05.2011
2. mutig
schon mutig, die Flugroute so zu planen. Was hätte sich der "Irre von Teheran" nicht sonst noch alles ausdenken können? Flugzeug zur Landung zwingen...
DCH 31.05.2011
3. So irr wird der schon nicht sein...
Zitat von Tigershark_2schon mutig, die Flugroute so zu planen. Was hätte sich der "Irre von Teheran" nicht sonst noch alles ausdenken können? Flugzeug zur Landung zwingen...
Oh ja, und dann würde er Merkel aus der Maschine holen und auf dem Haremsmarkt in Teheran versteigern lassen!
dr.shiwago 31.05.2011
4. Rache!!!!
Zitat von amanaIch denke mir es gibt zwei mögliche Szenarien. Entweder hat ein Provinzlotse einen gravierenden fehler gemacht, oder es ist eine gezielte Provokation gegenüber unserer Kanzlerin und Deutschland. Wenn man so die letzten jahre als Massstab nimmt spricht einiges für letzteres. Es spricht auch einiges dafür wie Merkel es leicht herunterzuspielen, aber jeder der sie kennt weiss, dass wird sie sehr sehr lange im Gedächtnis behalten und an geeigneter Stelle dem Iran zurückzahlen.
Und wie kann soetwas zurückgezahlt werden. Lässt man jetzt den einbestellten Botschafter 2 Stunden vor der Türe warten? Bin aber echt interessiert, wie die versprochenen (Westerwelle) Konsequenzen über diese Respektlosigkeit aussehen werden.
H-Vollmilch 31.05.2011
5. .
Zitat von Tigershark_2schon mutig, die Flugroute so zu planen. Was hätte sich der "Irre von Teheran" nicht sonst noch alles ausdenken können? Flugzeug zur Landung zwingen...
Nicht mal der Iran ist so blöd, durch eine solche Aktion einen Krieg zu riskieren.
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