Neuer Streit China zensiert Powell-Interview

China hat Passagen aus einem Fernseh-Interview mit US-Außenminister Colin Powell vor der Ausstrahlung gestrichen. Powells Aussagen zum Thema Menschenrechte und zu Taiwan kommen darin nicht mehr vor. Die US-Regierung protestierte scharf.


US-Außenminister Colin Powell
AFP

US-Außenminister Colin Powell

Washington - Wie US- Außenamtssprecher Charles Hunter mitteilte, wurde das vorab aufgezeichnete Interview während Powells Peking-Aufenthalt am vergangenen Samstag in gekürzter Form gesendet. Es fehlten mehrere Passagen, in denen sich der US-Minister auf Taiwan und die Menschenrechtslage in China bezogen hatte.

Hunter zufolge legte die US-Regierung scharfen Protest in Peking gegen die Maßnahme ein. Wie der Sprecher schilderte, hatte das staatseigene chinesische Fernsehen vor der Ausstrahlung zugesagt, dass es keine Zensur geben werde.

"Wir wissen, dass die Verantwortlichen in China andere Ansichten über Taiwan und die Menschenrechte haben als wir", sagte Hunter. "Aber wir glauben, dass das chinesische Volk reif genug ist, sowohl die Meinungen der eigenen Regierung als auch solche zu hören, die davon abweichen."

Aus dem Interview gestrichen wurde unter anderem Powells Bemerkung: "Wir glauben, dass es internationale Standards (bei den Menschenrechten) gibt, deren Beachtung auch für China von Nutzen wäre."



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