Neues Deutschland-Bild Die Sympathie-Weltmeister

Jubelndes DFB-Team (nach dem England-Spiel): "Jugend, Frische, Dynamik"
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Jubelndes DFB-Team (nach dem England-Spiel): "Jugend, Frische, Dynamik"

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Afrika - Verliebt in die Deutschen


Auch in Afrika haben die Deutschen Kicker eine Menge Anhänger gewonnen. Verfolgt wird das Spektakel in Kneipen, improvisierten Kinos und - für die, die sich einen eigenen Fernseher leisten können - auch zu Hause. Für die allfälligen Stromausfälle steht im Notfall ein Generator bereit.

An den neu geweckten Sympathien ändert auch die Halbfinal-Niederlage nichts. "Ich habe mich in das deutsche Team verliebt", sagt der Sportlehrer Imodou Francis in Maiduguri im Nordosten Nigerias. Es ist eine trostlose Region, aber der Fußball hat auch hier eine Menge Emotionen freigesetzt. Weniger fröhliche für die eigene Mannschaft, geradezu beschwingte für das deutsche Team. "Ich glaube, alle Deutschen sind wie ihre Fußballer", sagt Francis, "mit gegenseitigem Respekt, engagiert und fair anstatt aggressiv, um ein Spiel zu gewinnen."

Vor allem nach dem berauschenden Argentinien-Spiel hagelte es auf dem ganzen Kontinent für die deutschen Repräsentanten Glückwünsche und Grußadressen. Südafrikas Präsident Jacob Zuma schüttelte noch auf der Tribüne in Kapstadt Angela Merkel die Hand. Spät in der Nacht meldete sich auch Zumas Vorgänger Thabo Mbeki beim deutschen Botschafter Dieter Haller und gratulierte dem "großartigen deutschen Team" zu seinem "sternenhaften Auftritt".

Schlecht war das deutsche Image in Afrika nie. Der Fußball der Löw-Truppe hat diesen Ruf noch mal ein bisschen aufgehübscht. Und nicht zuletzt bei den Diplomaten auch persönliche Beziehungen verbessert. So rief der kenianische Außenminister Moses Wetangula unmittelbar nach dem Argentinien-Spiel bei der deutschen Botschafterin Margit Hellwig-Bötte in Nairobi an, um seine Glückwünsche zu übermitteln. Und Tourismusminister Najib Balala simste nach dem dritten Treffer gegen Argentinien enthusiastisch: "Germany will make it to the final." Selbst der argentinische Botschafter zeigte sich sportlich: "Congratulations. A wonderful team!"

Zwar lag der Tourismusminister nicht ganz richtig mit seiner Prognose. Aber der Imagegewinn ist beträchtlich. Zu Dutzenden gingen bei der Botschaft in Nairobi nach der Partie gegen Argentinien die Glückwunsch-E-Mails ein. "Lang lebe die Botschafterin", formulierte ein beseelter Schreiber. Andere verknüpften ihre Grußadresse gleich mit einem Aufnahmeantrag für eine deutsche Staatsbürgerschaft oder einem Gesuch für ein Stipendium.

Horand Knaup, Nairobi

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avp 08.07.2010
1. Ersatzbegriffe für Verlierer
Sympathieweltmeister, Weltmeister der Herzen, Gewinner der Konstrukteurswertung, ... alles Bullshitt! Verloren ist verloren, da täuschen solche Verlegenheitstitel auch nicht drüber hinweg.
culcas 08.07.2010
2. Sympathie-Weltmeister?
Schön, dass Deutschland im Ausland als sympathisch gilt. Ich lebe in Berlin und habe das Glück, mich hier als Gastarbeiter wohl zu fühlen. Mein größter Wunsch wäre es jedoch, kurz vor und während einer WM, Deutschland zu verlassen und erst nach dem Ausscheiden der Mannschaft zurückzukehren. Nicht aus Neid weil Deutschland oft weit kommt. Es ist diese intolerante, überhebliche und z.T. beleidigende Art und Weise der "Fans" hirzulande (besser: Eventfans mit der Lizenz zum Saufen und alles nieder machen was nicht deutsch ist), welche es unmöglich macht, Fußball aus rein sportlicher Sicht zu verfolgen, also mit OBJEKTIVITÄT und RESPEKT dem Gegner gegenüber. Kurz vor der WM waren Demos gegen den "bösen-Ballack-Treter" Boateng geplant...sehr Weltoffen und freundlich... die Bolulevard-Presse (keiner will es gekauft haben, frage mich aber wo die 4 Mio. Exemplare täglich landen...) hetzt gegen "Italo-Opas", "Treter-Serben" und "Schläger-Spanier"...nicht nur die ausländische Presse kritisieren... Es ist so weit gekommen, dass in Deutschland lebende Landsleute in den einheimischen Internet-Foren (Sport-/Tageszeitungen) aus o.g. Gründen davor abraten für Deutschland die Daumen zu drücken. Deshalb ist die Frage berechtfertigt (welche bereits ein Forumsteilnehmer stellte) in wie weit eine Fußball-Mannschaft die Wahrheit widerspiegeln kann.
haltetdendieb 08.07.2010
3. Sympathie-Weltmeister...Das hört sich an wie Schalke 04
"Die Sympathie-Weltmeister" Das hört sich an wie Schalke 04 und Bayer Leverkusen auf einen Schlag! Dann wird es die nächsten 100 Jahre nichts mit dem Titel, denn wir wollen uns die Sympathie doch mit niemanden verscherzen!
Fritz Katzfuß 08.07.2010
4. Der schönste Fußball
der Welt. Jawoll. Wir verloren, als wir unbedingt gewinnen wollten.
Subcommandante_M, 08.07.2010
5. Sympathieweltmeister
Zitat von sysopSie sind raus aus dem Titel-Rennen, doch Schweinsteiger, Özil, Khedira und Co. haben trotzdem begeistert - auch im Ausland. Löws junge Truppe steht international für ein lockeres, bunteres Deutschland. SPIEGEL-ONLINE-Korrespondenten auf drei Kontinenten schildern, wie uns die Welt nun sieht. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,705194,00.html
... und die Woge der Sympathie ist doch auch sehr viel wert, wahrscheinlich sogar mehr für jeden von uns als wenn wir - IMHO unverdient - gegen Spanien gewonnen hätten. Mir bedeutet es auf jeden Fall etwas im Ausland als sympathisch wahrgenommen zu werden und nicht ausschließlich als teutonischer Exportweltmeister.
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