Neues Gesetz Mexiko will Drogenkonsum freigeben

Wird Mexiko zu einem Eldorado für Junkies? In dem mittelamerikanischen Land soll der Drogenkonsum freigeben werden. Präsident Fox will im Kampf gegen illegalen Drogenhandel ein entsprechendes Gesetz unterschreiben. Der große Nachbar USA befürchtet noch mehr Suchtkranke.


Mexiko City – Vicente Fox werde ein Gesetz unterschreiben, das den Konsum nahezu sämtlicher Drogen freigeben werde, sagte gestern sein Sprecher Ruben Aguilar laut einem Bericht der "Los Angeles Times". Das Gesetz sei ein wichtiges Mittel im Kampf gegen illegalen Drogenhandel.

Bereits in der vergangenen Woche hatte sich der mexikanische Kongress auf eine Liste bisher illegaler Drogen geeinigt, deren Konsum freigegeben werden soll. Darunter befinden sich demnach unter anderem Kokain, Heroin, Marihuana, LSD und Amphetamine.

Erwachsene ab dem Alter von 18 Jahren dürften demnach zum Beispiel im Besitz von einem halben Gramm Kokain und einem Löffel Heroin sein. Es wäre eine der freizügigsten Gesetzgebungen weltweit. Selbst die Niederlande, die den Verkauf von Haschisch gestatten, verbieten den Besitz und den Verkauf von Rauschgift. Dem mexikanischen Gesetz zufolge soll der Verkauf von Drogen und der Konsum in der Öffentlichkeit zwar weiter als Verbrechen gelten, auch könnten Drogenbesitzer vorübergehend festgenommen werden - das Gesetz sieht aber keinerlei Haftstrafen vor.

Die US-Regierung vermied direkte öffentliche Kritik an dem Nachbarland, signalisierte aber dennoch ihr Missfallen. Jedes Land, das den Drogenkonsum stärke, bekomme mehr Drogensüchtige, sagte Tom Riley, ein Sprecher des Weißen Hauses. Viele Länder, darunter auch die USA und Mexiko, würden das Drogenproblem als ein Problem des Drogenhandels betrachten. "Aber das wirkliche Problem ist nicht der illegale Handel, es ist der Drogenkonsum", sagte Riley.

hen



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