Aufrüstung in Fernost USA planen totale Radarüberwachung von Nordkorea

Amerikas Militär bereitet offenbar eine gewaltige Spähaktion in Ostasien vor. Laut "Wall Street Journal" wollen die Strategen ein neues Radarsystem installieren. Damit könnte der nordkoreanische Luftraum genau überwacht werden. Die Sensoren blicken noch weiter - bis nach China.
Hightech-Radar der USA (seebasierte Version): Raketenschirm in Asien möglich

Hightech-Radar der USA (seebasierte Version): Raketenschirm in Asien möglich

Foto: AP / US Navy

Washington - Das Wettrüsten im Asia-Pazifik-Raum geht in die nächste Runde, jetzt legen offenbar die USA nach. Mit einem millionenschweren Radarsystem wolle das Pentagon seine Überwachung der Boom- und Krisen-Region verbessern, berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Informanten im US-Verteidigungsministerium. Damit riskieren die USA massive Verstimmungen mit der Großmacht China.

Kernelement der amerikanischen Pläne sind demnach Radarstationen des sogenannten X-Band-Bereichs. Sie liefern hochauflösende Bilder auf dem Überwachungsbereich und ermöglichen so eine rasche Identifikation möglicher Ziele. Eine solche Einheit soll laut dem Blatt schon bald im südlichen Japan installiert werden. In Nordjapan betreiben die USA in der Präfektur Aomori bereits seit 2006 ein X-Band-System. Verhandlungen mit der japanischen Regierung laufen angeblich bereits. Offiziell wollen weder Tokio noch Washington zu dem Bericht Stellung nehmen.

Nach Informationen des "Wall Street Journal" könnte eine Anlage schon wenige Monate nach einer Einigung mit den Japanern in Betrieb genommen werden - und sofort eine bessere Überwachung des Luftraums garantieren.

Damit sollen die strategischen Planungen jedoch noch nicht beendet sein. Das Pazifik-Kommando und die Missile Defense Agency, die für die Verteidigung gegen ballistische Raketen zuständige Abteilung des Pentagons, haben noch mehr vor. Sie prüfen laut dem Bericht mögliche Standorte für eine dritte X-Band-Anlage in der Region. Hierfür sind unter anderem die Philippinen im Gespräch.

"Fokus auf Nordkorea"

Damit hätten die USA ein hochauflösendes Radarnetz zur Verfügung, das ihnen die Kontrolle über strategisch wichtige Bereiche der Region ermöglicht. "Der Fokus bei allen Beratungen liegt auf Nordkorea", zitiert die Zeitung den Verteidigungsexperten Steven Hildreth, der unter anderem den US-Kongress berät.

Mit Sorge blicken die Nachbarländer, aber auch die USA, auf die militärische Entwicklung in Pjöngjang. Ein nordkoreanischer Raketentest im April 2012 scheiterte zwar spektakulär - die Bedrohung durch möglichen Beschuss mit Langstreckenraketen aus dem isolierten Land wird in Washington dennoch ernst genommen. Im Frühjahr hatten die USA eines ihrer schwimmenden X-Band-Systeme in die Region geschickt, nun planen sie offenbar einen permanenten Ausbau ihrer Überwachungsanlagen.

Mit dem neuen Radarbogen, den die drei X-Band-Radaranlagen spannen würden, könnten alle Bewegungen im nordkoreanischen Luftraum genauesten kontrolliert werden. "Nordkorea ist die unmittelbare Bedrohung, die unsere Planungen für die Raketenabwehr vorantreibt", sagte Pentagon-Pressesprecher George Little, ohne auf konkrete Entwicklungen einzugehen.

Das System späht noch viel weiter

Das stimmt laut Steven Hildreth zwar - ist aber nur die halbe Wahrheit: "Jeder weiß, um was es langfristig wirklich geht: China." Tatsächlich hätte ein Radarbogen aus drei Anlagen eine Reichweite, die auch größere Gebiete der Volksrepublik umfasst, darunter Taiwan.

Misstrauisch beäugen die USA seit Jahren die Aufrüstung Pekings. Präsident Barack Obama kündigte im Januar an, den strategischen Fokus seiner Streitkräfte auf den Pazifikraum legen zu wollen. Die Zeiten der Massenarmee scheinen in China zu Ende, das Land setzt auf eine hochentwickelte Streitmacht. Gewaltige Summen steckt das Regime in die Entwicklung neuer Kriegstechnik, nicht zuletzt auch bei den Seestreitkräften. Doch auch bei der Entwicklung ballistischer Raketen mit immer größerer Reichweite soll das Land Fortschritte machen.

Die angeblichen Pläne für einen Überwachungsschild der Amerikaner dürften in Peking wenig positiv aufgenommen werden. Schon bei der Einrichtung der ersten Anlage 2006 hatten die Chinesen scharf protestiert.

Offiziell gibt es noch keine Stellungnahme zu den neuen Entwicklungen. Das "Wall Street Journal" zitiert jedoch aus einem Schreiben des chinesischen Verteidigungsministeriums. Darin mahnt Peking an, "dass alle Parteien die Sicherheitsbedenken der anderen Länder aus gegenseitigem Respekt achten sollen".

jok
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