Neues Tonband Bin Laden ruft zum Aufstand gegen Musharraf

Bin Laden schwört Rache: Der Führer des Terrornetzwerks al-Qaida droht Pakistans Präsident Musharraf mit Vergeltung für den Sturm auf die Rote Moschee. Auch die USA werden in einem neuen Tonband abermals als Terrorziel ausgemacht.


Hamburg - "Die al-Qaida schwört bei Gott, dass sie Musharraf das vergossene Blut von Abdul Rashid Ghazi und seiner Gefolgsleute vergelten wird", zitierte eine US-Website heute aus einer Tonbandaufnahme Osama Bin Laden.

Der radikale Prediger Ghazi und mindestens 75 seiner Anhänger waren getötet worden, als pakistanische Sicherheitskräfte im Sommer das Gebäude erstürmten. Die Bewegung des Predigers ist eng mit den afghanischen Taliban-Extremisten und der al-Qaida verbündet. Auch Bin Ladens Stellvertreter Aiman al-Sawahiri forderte in einem Video Rache für den Vorfall.

Die Belagerung der Roten Moschee in Islamabad im Juli, in der sich militante Muslime verschanzt hatten, habe aus Musharraf einen Ungläubigen gemacht, erklärte Bin Laden. Die Erstürmung der Moschee durch Regierungstruppen zeige, dass Musharraf an "seiner Loyalität, Unterwürfigkeit und Unterstützung Amerikas" gegen die Muslime festhalte. Ein bewaffneter Aufstand und der Sturz Musharrafs seien damit zwingend, sagte Bin Laden.

Die pakistanischen Streitkräfte, an deren Spitze Präsident Musharraf immer noch als Generalstabschef steht, zeigten sich von der Drohung Bin Ladens unbeeindruckt. Die Armee werde ihren Kampf gegen die Terroristen fortsetzen, erklärte Militärsprecher Generalmajor Washeed Arshad. "Solche Drohungen per Video oder anderweitige Drohungen können uns nicht abschrecken."

Außerdem rief Bin Laden auf dem Tonband erneut die Muslime weltweit zum Kampf gegen die USA und alle Verbündeten auf. Auch die Helfer Musharrafs würden bestraft, hieß es. Bin Laden hatte sich vorige Woche zweimal zum sechsten Jahrestag der Anschläge vom 11. September in den USA zu Wort gemeldet. Dabei bezeichnete er die westliche Führungsmacht als verwundbar und pries die Attentäter.

Sawahiri rief in einem ebenfalls heute veröffentlichten Video zum Kampf gegen die USA und ihre Verbündeten auf. "Islamische Nation erhebe dich unter dem siegreichen Banner des Propheten gegen die Kreuzfahrerflagge von (US-Präsident George W.) Bush", erklärte Sawahiri in dem Video. Er hob die Aufstände verbündeter Gruppen in Afghanistan, Nordafrika, Somalia, Tschetschenien und im Irak hervor. Zudem forderte er, Franzosen und Spanier aus Nordafrika zu vertreiben.

Experten sind sich unsicher, wie Osama Bin Ladens Auftritte zu bewerten sind. Weil er keine kohärente, strukturierte Kaderorganisation mehr führt, sondern vor allem Leitfigur eines fast hierarchielosen Netzwerkes ist, kann man unmöglich vorhersagen, ob irgendjemand versuchen wird, die Aufforderungen umzusetzen - und wenn ja, wer. Allerdings halten Analysten die Fähigkeit al-Qaidas, regional zuzuschlagen für größer als die, international zu agieren.

Pakistan ist ein wichtiger Verbündeter der USA im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Der unwegsame Nordwesten des asiatischen Landes gilt als Hochburg pakistanischer Islamisten sowie aus Afghanistan vertriebener Kämpfer der al-Qaida und der Taliban. Auch Bin Laden und Sawahiri werden im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet vermutet.

Der auch wegen innenpolitischer Konflikte unter Druck stehende Musharraf will sich am 6. Oktober im Amt bestätigen lassen. An diesem Tag würden Parlament und Provinzversammlungen zur Wahl des Staatschefs zusammenkommen, sagte ein Sprecher der Wahlkommission. Allerdings beschäftigt der Plan wegen Musharrafs Doppelfunktion als Präsident und Armeechef derzeit noch das Verfassungsgericht. Der Anwalt des Präsidenten hatte den Richtern am Dienstag zugesichert, Musharraf werde das Kommando über die Streitkräfte "bald nach der Abstimmung und vor der Vereidigung" niederlegen.

flo/yas/Reuters/afp

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