Neues Video Bin Laden ruft Muslime zum Märtyrertum auf

Neue Botschaft des Terrorfürsten Osama Bin Laden: Per Video ruft der Qaida-Führer seine Glaubensbrüder zum Märtyrertum auf. Analysten rätseln, wann das Filmmaterial entstanden ist.


Washington - Das Video ist insgesamt 40 Minuten lang - der Auftritt Bin Ladens dauert allerdings nur 50 Sekunden. Der Terroranführer betont die Wichtigkeit des Märtyrertodes für Muslime. Das Band, so heißt es auf der Webseite von CNN, sei in den vergangenen vier Wochen erstellt worden. Die Aufnahmen von Bin Laden seien aber möglicherweise alt. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, wo die Aufnamen entstanden sind.

Osama Bin Laden: Das Video ist neu - unklar ist aber, wie alt das Filmmaterial ist
AFP / IntelCenter

Osama Bin Laden: Das Video ist neu - unklar ist aber, wie alt das Filmmaterial ist

Der Film zeigt Bin Laden mit einem Leibwächter, der direkt hinter ihm steht. Zu sehen sind nur die beiden. Der Qaida-Chef befindet sich im Freien, blickt bei seiner Ansprache nach unten - offenbar zu einem Publikum, das vor ihm sitzt. Er trägt eine Armeejacke und eine graue Mütze über den grau melierten Haaren. Er blickt freundlich lächelnd um sich und spricht mit erhobenen Zeigefinger.

Die Umgebung und die Kleidung erinnern stark an einen früheren Film, der vor dem 11. September 2001 aufgenommen wurde. Damals zeigte sich der Top-Terrorist mit einigen der Piloten der Unglücksmaschinen. Laut CNN gleicht die Kulisse ebenfalls einem anderen älteren Bin-Laden-Video aus der Zeit kurz nach den US-Angriffen auf die Taliban in Afghanistan.

CNN zeigt einige Ausschnitte aus dem Band, allerdings ohne Ton. Dem Bericht zufolge spricht der Terroranführer in dem kurzen Auszug über den Märtyrertod. Auch der Prophet Mohammed habe ein Märtyrer sein wollen, dies müsse das Ziel aller Muslime sein. "Seid wachsam, weise und überlegt. Was ist der Zustand, den der beste aller Menschen für sich wünschte? Er wollte ein Märtyrer sein. Bei dem, in dessen Händen mein Leben liegt! Ich möchte angreifen und gemartert werden, wieder angreifen und gemartert werden und erneut angreifen und gemartert werden", zitiert CNN aus dem Text, den der Sender aus dem Arabischen übersetzt hat.

Neben Bin Laden zeigt der Film auch Abu Musab al-Sarkawi, den Anführer von al-Qaida im Irak, der vor einem Jahr bei einem US-Luftangriff getötet wurde.

Ein Zeichen für die Echtheit des Videos ist die Kennzeichnung von al-Sahab-Media: ein Unternehmen, das immer wieder Qaida-Nachrichten an die Öffentlichkeit weitergibt. Zuletzt hatte sich Bin Laden vor einem Jahr in einem Tonband an die Öffentlichkeit gewandt.

Die USA haben vergangene Woche das Kopfgeld auf Bin Laden deutlich erhöht. Für Hinweise, die zur Festnahme oder zum Tod des Terrorchefs führen, hat der US-Senat 50 Millionen Dollar freigegeben. Nach Einschätzungen des US-Geheimdienstes ist die Terrororganisation wieder so stark wie nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Die Gruppe habe sich trotz der weltweiten Verfolgung und der Angriffe der US-Truppen auf ihre Stützpunkte wieder neu organisieren können, heißt es in einer Geheimdiensteinschätzung.

Al-Qaida sei wieder mehr und mehr in der Lage, Terroranschläge im Westen auszuführen, heißt es. Die Gruppe habe das "stabilste Trainingsprogramm seit 2001" aufgebaut und setze dabei auf Kämpfer aus Europa.

ler



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