Frankreich Unabhängigkeitsreferendum in Neukaledonien hat begonnen

Das französische Überseegebiet Neukaledonien im Pazifik stimmt über die Unabhängigkeit von Frankreich ab. Unabhängigkeitsgegner fürchten Geldmangel und den Einfluss Chinas im Pazifik.
Die nationalistische Flagge von Korsika und die pro-Unabhängigkeitsflaggen von Tahiti und Neukaledonien

Die nationalistische Flagge von Korsika und die pro-Unabhängigkeitsflaggen von Tahiti und Neukaledonien

Foto: THEO ROUBY/ AFP

Im französischen Überseegebiet Neukaledonien hat ein Referendum über die Unabhängigkeit von Frankreich begonnen. Die Bewohner des rund 270.000 Einwohner zählenden Gebiets im Pazifik sind aufgerufen darüber abzustimmen, ob sie die "vollständige Souveränität und Unabhängigkeit" wollen.

Das Votum ist die erste selbstbestimmte Unabhängigkeitswahl auf französischem Territorium, seit Dschibuti am Horn von Afrika 1977 über seine Unabhängigkeit abstimmte. Zwischen den Ureinwohnern Neukaledoniens, die großenteils für die Unabhängigkeit sind und den Nachfahren von Kolonialsiedlern, die gegenüber Paris loyal bleiben, gibt es seit langem große Spannungen.

Ein Aktivist hält eine pro-Unabhängigkeitsflagge während eines Treffens für die Unabhängigkeitskampagne Neukaledoniens am 30. Oktober.

Ein Aktivist hält eine pro-Unabhängigkeitsflagge während eines Treffens für die Unabhängigkeitskampagne Neukaledoniens am 30. Oktober.

Foto: THEO ROUBY/ AFP

Ureinwohner Neukaledoniens machen jedoch weniger als die Hälfte der Stimmberechtigten aus. Umfragen gehen davon aus, dass 60 bis 69 Prozent der Wähler gegen die Unabhängigkeit stimmen werden. Die Ergebnisse des um 18 Uhr (Ortszeit) endenden Referendums werden am Sonntagmittag nach mitteleuropäischer Zeit erwartet.

Viele Unabhängigkeitsgegner verweisen auf die 1,3 Milliarden Euro, die der französische Staat jedes Jahr in die öffentlichen Kassen Neukaledoniens fließen lässt. Andere befürchten einen größeren Einfluss Chinas im Pazifik, sollte Frankreich in der Region weniger präsent sein.

Seit 1853 gehört die Inselgruppe zu Frankreich und besitzt nach wie vor geostrategische Bedeutung für Paris. Zudem lagert hier ein Viertel der weltweiten Nickelvorkommen - ein wichtiger Rohstoff für die Herstellung elektronischer Geräte.

mal/AFP/Reuters