SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

20. Juni 2019, 07:48 Uhr

Nach Anschlägen von Christchurch

Neuseeland startet Rückkauf von Halbautomatik-Gewehren

Der Attentäter von Christchurch tötete mit einem halbautomatischen Gewehr 51 Menschen. Neuseeland will diese Waffen nun aus dem Verkehr ziehen - und die Besitzer entschädigen.

Die neuseeländische Regierung hatte nach dem Doppelanschlag auf zwei Moscheen in Christchurch ein Verbot von Halbautomatik-Gewehren beschlossen. Nun ist ein Programm zum Rückkauf dieser Waffen gestartet. Polizeiminister Stuart Nash sagte, mit der Aktion sollten nach dem rechtsextremen Anschlag mit 51 Toten die "gefährlichsten Waffen aus dem Verkehr gezogen werden".

Neuseeland hatte nach dem Anschlag die Waffengesetze im Land verschärft. Der Angreifer von Christchurch hatte unter anderem zwei halbautomatische Gewehre verwendet, mit denen in schneller Folge Kugeln von großem Kaliber abgefeuert werden können. Der Verkauf dieser Waffen ist mittlerweile verboten.

Die Besitzer solcher Halbautomatik-Gewehre haben nun sechs Monate, um die fortan illegalen Waffen zurückzugeben. Sie bekommen dafür eine Entschädigung, die sich nach Modell und Alter der Waffen richtet. Für die Dauer der sechs Monate gilt eine Amnestie. Die Regierung rechnet mit Gesamtkosten von 218 Millionen neuseeländischen Dollar (rund 127 Millionen Euro).

Polizeiminister Nash sagte, es seien landesweit 14.300 solcher Halbautomatik-Gewehre registriert. Insgesamt gebe es in Neuseeland geschätzt 1,2 Millionen Schusswaffen. Die überwiegende Mehrheit von ihnen bleibt legal.

Bei dem Anschlag waren am 15. März während der Freitagsgebete in der Al-Noor-Moschee und in der Linwood-Moschee 51 Menschen getötet worden. Der Täter hatte die Gotteshäuser gestürmt und das Feuer auf die Gläubigen eröffnet. Große Teile der Tat filmte er mit einer Helmkamera und übertrug die Aufnahmen live ins Internet. Zuvor hatte er ein Pamphlet mit rechtsradikalen und rassistischen Parolen ins Internet gestellt und auch per Mail verschickt.

Der wegen Mordes in 51 Fällen, 40-fachen versuchten Mordes und Terrorismus angeklagte Australier Brenton Tarrant plädierte vergangene Woche auf nicht schuldig. Der 28-Jährige sitzt in einem Hochsicherheitsgefängnis in Auckland ein. Der Prozess gegen ihn soll im Mai kommenden Jahres beginnen.

asc/AFP

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung