Nach Anschlägen von Christchurch Neuseeland startet Rückkauf von Halbautomatik-Gewehren

Der Attentäter von Christchurch tötete mit einem halbautomatischen Gewehr 51 Menschen. Neuseeland will diese Waffen nun aus dem Verkehr ziehen - und die Besitzer entschädigen.

Waffengeschäft in Christchurch: Nach den Anschläge im März hat Neuseeland Halbautomatik-Gewehre verboten
Jorge Silva/REUTERS

Waffengeschäft in Christchurch: Nach den Anschläge im März hat Neuseeland Halbautomatik-Gewehre verboten


Die neuseeländische Regierung hatte nach dem Doppelanschlag auf zwei Moscheen in Christchurch ein Verbot von Halbautomatik-Gewehren beschlossen. Nun ist ein Programm zum Rückkauf dieser Waffen gestartet. Polizeiminister Stuart Nash sagte, mit der Aktion sollten nach dem rechtsextremen Anschlag mit 51 Toten die "gefährlichsten Waffen aus dem Verkehr gezogen werden".

Neuseeland hatte nach dem Anschlag die Waffengesetze im Land verschärft. Der Angreifer von Christchurch hatte unter anderem zwei halbautomatische Gewehre verwendet, mit denen in schneller Folge Kugeln von großem Kaliber abgefeuert werden können. Der Verkauf dieser Waffen ist mittlerweile verboten.

Die Besitzer solcher Halbautomatik-Gewehre haben nun sechs Monate, um die fortan illegalen Waffen zurückzugeben. Sie bekommen dafür eine Entschädigung, die sich nach Modell und Alter der Waffen richtet. Für die Dauer der sechs Monate gilt eine Amnestie. Die Regierung rechnet mit Gesamtkosten von 218 Millionen neuseeländischen Dollar (rund 127 Millionen Euro).

Polizeiminister Nash sagte, es seien landesweit 14.300 solcher Halbautomatik-Gewehre registriert. Insgesamt gebe es in Neuseeland geschätzt 1,2 Millionen Schusswaffen. Die überwiegende Mehrheit von ihnen bleibt legal.

Bei dem Anschlag waren am 15. März während der Freitagsgebete in der Al-Noor-Moschee und in der Linwood-Moschee 51 Menschen getötet worden. Der Täter hatte die Gotteshäuser gestürmt und das Feuer auf die Gläubigen eröffnet. Große Teile der Tat filmte er mit einer Helmkamera und übertrug die Aufnahmen live ins Internet. Zuvor hatte er ein Pamphlet mit rechtsradikalen und rassistischen Parolen ins Internet gestellt und auch per Mail verschickt.

Der wegen Mordes in 51 Fällen, 40-fachen versuchten Mordes und Terrorismus angeklagte Australier Brenton Tarrant plädierte vergangene Woche auf nicht schuldig. Der 28-Jährige sitzt in einem Hochsicherheitsgefängnis in Auckland ein. Der Prozess gegen ihn soll im Mai kommenden Jahres beginnen.

asc/AFP

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traumglauben 20.06.2019
1. Großartig
Frau Arden macht ihren job extrem gut. Sie hat mit Empathie, Konsequenz und Schnelligkeit sowie sehr gut durchdacht und kompetent auf Christchurch reagiert. Und wie man sieht, geht das mit den schärferen Waffengesetzten sehr wohl. Ihr Umgang mit den Betroffenen war vorbildlich. Der Attentäter erhält keinen Raum in Presse und Fernsehen. Und Leute, die das Attentäter-Video weiter verbreitet hat, wurden zu rigorosen Strafen verurteilt. Hier kann sich so mancher Staatschef mal ein Beispiel nehmen
Violator 20.06.2019
2. Vorbildlich
Für Jagd und Schießsport sind solche Waffen ziemlich sinnfrei, also weg damit.
Kaffeeforyou 20.06.2019
3.
Frau Arden sollte ein Vorbild für die anderen Länder sein. Sie beweist , wie schnell Gesetze gehen diese mörderischen Waffen aufgestellt und vollzogen werden kann. Sie sollte für den Friedensnobelpreis nominiert werden .
peterwirtz2004 20.06.2019
4. Bei uns auch verbieten !
In Deutschland sind diese Waffen (laut eines aelteren SPON Artikels) erlaubt ! Schleunigst ebenfalls verbieten ! Aber diese unsaegliche Groko, die Waffen in Kriegsgebiete schickt, wird dazu wohl nicht in der Lage sein ... Dr. Peter Wirtz
vox veritas 20.06.2019
5.
Bevor hier im Fakten-freien Raum argumentiert wird, ein paar Zahlen für Deutschland (die Jahreszahlen in Klammern) zur Grundelage: Tote im Zusammenhang mit Schußwaffen (Angriffe und Unfälle) 70 (2014) Suizide (mit Schußwaffen) 750 (2014) Verkehrstote ca. 3200 (2018) Drogentote ca. 1200 (2018) Alkoholbedingte Tote ca. 74000 (jährlich) Lungenkrebs ca. 45000 (2016) Straftaten, bei den eine Schußwaffen mitgeführt wurde: 0,013 % bei der Gesamtheit aller begangenen Straftaten (2009), davon legale Waffen 3,4 %. Problematisch sind die illegalen Waffen, von denen niemand wirklich weiß, wie viele im Umlauf sind oder wie man das Problem in Griff bekommen kann. Durch Wegfall der Grenzkontrollen sind Funde inzwischen reine Zufallstreffer. Vielleicht sollte man zunächst Alkohol, Tabak und Drogen verbieten. Damit würde man hierzulande mehr Menschen retten.
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