Neuseeland nach dem Christchurch-Attentat In Trauer vereint

"Unsere Herzen sind gebrochen, aber wir sind nicht gebrochen": Neuseeland gedenkt der Opfer des Christchurch-Attentats vor einer Woche - mit bewegenden Zeremonien und Gesten.

Jacinda Ardern (2.v.r.) besucht mit Trauernden das Freitagsgebet vor der Al-Noor-Moschee in Christchurch
Jorge Silva / REUTERS

Jacinda Ardern (2.v.r.) besucht mit Trauernden das Freitagsgebet vor der Al-Noor-Moschee in Christchurch


Weite Teile Neuseelands ruhten zwischen 13.32 Uhr bis 13.34 Uhr Ortszeit: Mit zwei Schweigeminuten hat das Land am Freitag der 50 Todesopfer des rassistisch motivierten Anschlags auf zwei Moscheen in der Stadt Christchurch gedacht. Fast genau zu dieser Zeit hatte vor einer Woche ein Attentäter während der Freitagsgebete die erste der beiden Moscheen überfallen, die Al-Noor-Moschee.

Viele Frauen in Neuseeland trugen als Zeichen der Solidarität mit den muslimischen Gemeinden am Freitag ein Kopftuch - die Initiative "Headscarf for Harmony" hatte zu der Aktion aufgerufen.

Bell Sibly, die sich in Christchurch an der Solidaritätsaktion beteiligte, begründete das wie folgt: "Wenn irgendjemand mit einer Waffe auftaucht, will ich zwischen ihm und der Person stehen, auf die er sie richtet. Und ich will, dass er keinen Unterschied erkennen kann, denn es gibt keinen Unterschied."

Robyn Molony kam mit Bekannten in den Hagley Park in Christchurch, der unmittelbar an die Al-Noor-Moschee grenzt. "Wir tragen Kopftücher, um unsere Unterstützung, Liebe und Solidarität zu zeigen", sagte sie. "Und in der Hoffnung, dass wenn wir es alle tun, es muslimischen Frauen zeigt, dass sie eins mit uns sind."

Robyn Molony (r.) mit Bekannten im Park vor der Al-Noor-Moschee
Tom Westbrook / REUTERS

Robyn Molony (r.) mit Bekannten im Park vor der Al-Noor-Moschee

Auch Premierministerin Jacinda Ardern kam mit Kopftuch zum Freitagsgebet. Sie hatte bereits bei früheren Besuchen mit Muslimen eines getragen und dafür viel Lob geerntet. "Neuseeland trauert mit euch. Wir sind eins", sagte Ardern nun im Hagley Park.

Die Trauerzeremonie vor der Al-Noor-Moschee begann mit dem Ruf eines muslimischen Geistlichen zum Gebet und wurde live in Radio und Fernsehen übertragen. Imam Gamal Fouda sprach dabei etwa 20 Minuten lang (der "Guardian" hat die komplette Rede hier im englischen Original dokumentiert). "Unsere Herzen sind gebrochen, aber wir sind nicht gebrochen", sagte er in seiner Ansprache an die Menge. "Wir leben, wir stehen zusammen, wir sind entschlossen, uns von niemandem trennen zu lassen." An die Familien der Opfer gerichtet sagte Fouda: "Eure Lieben starben nicht umsonst. Ihr Blut hat die Samen der Hoffnung getränkt."

Muslime beim Freitagsgebet im Park vor der Al-Noor-Moschee
Carl Court / Getty Images

Muslime beim Freitagsgebet im Park vor der Al-Noor-Moschee

Tausende Menschen trafen sich auch in Moscheen in Wellington, Auckland und anderen Städten Neuseelands für die Freitagsgebete. Für kommenden Woche ist eine nationale Trauerfeier geplant.

Am Donnerstag hatte Ardern bekannt gegeben, dass im Land unter anderem halbautomatische Waffen - wie sie der Schütze benutzt hatte - ab sofort verboten seien. Als mutmaßlicher Täter sitzt ein 28 Jahre alter Rechtsextremist aus Australien in Untersuchungshaft. Ihm droht lebenslange Haft.

aar/dpa

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
007er 22.03.2019
1.
Wir tragen Kopftücher, um unsere Unterstützung, Liebe und Solidarität zu zeigen", sagte sie. "Und in der Hoffnung, dass wenn wir es alle tun, es muslimischen Frauen zeigt, dass sie eins mit uns sind." - ich weiß warum ich die Menschen aus down under so schätze! Chapeau & möge Glaube, Liebe, Hoffnung all unsere Herzen erfüllen.
finchen0598 22.03.2019
2. gut
schön zu sehen, dass es am anderen ende der Welt gelingt, dem Hass eine deutliche Abfuhr zu erteilen.
giremii 22.03.2019
3. Was für eine...
Was für eine starke Botschaft! RESPEKT. Das ist Begegnen, gemeinsam entschlossen auftreten. Ein Beispiel für Vielfalt, die sich andere Teile der Welt es zum denken anregen sollte.
Marut 22.03.2019
4. Geschichtliches Beispiel
Das solidarische Tragen der Kopftücher erinnert mich an eine Solidaritätsaktion der Dänen im 2. Weltkrieg. Als die Deutschen nach der Besetzung Dänemarks das Tragen eines Judensterns anordneten, trug aus Solidarität am nächsten Tag der König auch einen Stern und die Bevölkerung folgte ihm. So anders der Anlass, so identisch die Geste: wir gehören zusammen. Alle Achtung den Neuseeländern. Sie lassen sich nicht auseinanderdividieren, sie zeigen solidarische Zusammengehörigkeit: jetzt erst recht. Ich habe davor Hochachtung.
m.klagge 22.03.2019
5. Ja, toll.
Trotzdem dürfte es nicht schaden, mal darüber nachzudenken mit welchen Werten man und besonders Frau sich damit solidarisiert.
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