"Neutraler Ort" Chavez fordert Verlegung des Uno-Hauptsitzes

Venezuelas Präsident Hugo Chavez hat wieder einmal mit einem unorthodoxen Vorschlag auf sich aufmerksam gemacht: Er forderte den New Yorker Uno-Gipfel auf, den Hauptsitz der Vereinten Nationen an einen neutralen Ort zu verlegen.


New York - Manche hätten Jerusalem favorisiert, sagte er. Die Uno könne aber auch in den Süden ziehen. Schließlich befänden sich da die meisten Entwicklungsländer, begründete Chavez in der Uno-Vollversammlung seinen Vorstoß. Dass der Irakkrieg ohne Uno-Mandat geführt worden sei, zeige, dass Washington keinen Respekt vor der Weltorganisation habe. Der Irak sei trotz Einwänden der Uno bombardiert und besetzt worden, obwohl es dort keine Massenvernichtungswaffen gegeben habe, sagte Chavez weiter. "Deshalb schlagen wir der Vollversammlung vor, dass die Vereinten Nationen dieses Land verlassen, das die Resolutionen dieser Versammlung nicht achtet."

Als er vom Sitzungspräsidenten daran erinnert wurde, dass seine Redezeit von fünf Minuten um sei, sagte Chavez, wenn US-Präsident George W. Bush 20 Minuten vor der Vollversammlung reden könne, dürfe er das auch.

Clinton eröffnet Gegentreffen zu Uno-Gipfel

Parallel zum Gipfeltreffen der Vereinten Nationen hat der frühere US-Präsident Bill Clinton in New York ein ranghohes Gegentreffen mit ähnlichen Zielen eröffnet. An der ersten Gesprächsrunde der "Clinton Weltinitiative", die nur wenige Häuserblocks vom Sitz der Uno entfernt in einem Hotel stattfindet, nahmen unter anderem US-Außenministerin Condoleezza Rice, der britische Premierminister Tony Blair und der jordanische König Abdullah II. teil. Bei dem Treffen ging es hauptsächlich um die Zukunft des Gazastreifens nach dem Abzug der israelischen Siedler und Soldaten. "Es herrscht Armut und Verzweiflung, aber durch den israelischen Rückzug gibt es neue Hoffnung und Möglichkeiten", sagte Rice.

Dem Nahost-Konflikt sollte heute eine eigene Sitzung gewidmet sein. Daneben stehen für die dreitägige Initiative Diskussionsrunden zur Bekämpfung der Armut, der Entwicklungshilfe, der Verhinderung von Konflikten und der Energiepolitik auf dem Programm. Zu den rund tausend geladenen Teilnehmern gehören neben Staats- und Regierungschefs wie dem ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko auch Weltbankchef Paul Wolfowitz, Großunternehmer wie George Soros und Rupert Murdoch sowie Mitarbeiter von Hilfsorganisationen.

Clinton hatte vor Beginn der Tagung klargemacht, dass die Konferenzen zu konkretem Handeln führen sollen und dass er von jedem Teilnehmer erwarte, bestimmte Aufgaben zu übernehmen und diese auch zu erfüllen. "Wer seine Aufgaben nicht erfüllt, kommt im nächsten Jahr nicht wieder", sagte er der britischen Tageszeitung "The Independent".



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