Anthony Weiners neuer Cybersex-Skandal Candidatus interruptus

Der Kampf um das Bürgermeisteramt von New York wird zur Lachnummer: Kandidat Anthony Weiner hatte sich nach einem Cybersex-Skandal gerade erst rehabilitiert, jetzt muss er eine neue Affäre gestehen. Beim Canossa-Gang an seiner Seite: die Ehefrau.

Von , New York


Eine merkwürdige Szene spielt sich da ab, spontan wie schmerzhaft, in der ältesten US-Aidshilfe von New York. Im Speisesaal sollen sich eigentlich die Bürgermeisterkandidaten der Stadt vorstellen. Bitterernstes Thema des Abends: "HIV/Aids." Stattdessen gibt es ganz plötzlich einen Themenwechsel. Vorher waren kaum Reporter da, auf einmal platzt der Laden vor grölenden Paparazzi. Ein enormer Mikrofonstrauch wird arrangiert. Aids zog nur wenige an. Doch das hier sind: Breaking news! Das hier ist Anthony Weiner, in Schande verjagter Kongressabgeordneter, Sexting-Sünder - und neuerdings wieder Aspirant auf die Bürgermeisterkandidatur der Demokraten in New York.

Nach einem quälenden Mea Culpa war er gerade erst in die Polit-Arena zurückgekehrt, jetzt dürfte er auch schon wieder fliegen - aus gleichen Gründen.

Candidatus interruptus.

Weiner tritt vor, er ist dürr, fahl im Gesicht. Er hat Ehefrau Huma Abedin im Schlepptau, die noch ausgemergelter aussieht als ihr Mann. Weiner gesteht - Tusch! - eine weitere Affäre.

Der Zeitpunkt dieser neuen Affäre ist fatal: Sie trug sich nämlich offenbar nach Weiners letztem Karriere-Crash zu, während er mit idyllisch gestellten Familienfotos im Klatschblatt "People" offiziell den "ersten Schritt zur Rehabilitierung" tat.

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New York: Weiner räumt weitere Sex-Eskapaden ein
Mit anderen Worten: Parallel zur - verlogenen - Wiedergutmachungskampagne Nr. 1 blieb er, wie er nonchalant gesteht, weiterhin ein virulenter virtueller Exhibitionist. "Was ich getan habe, war falsch", liest Weiner, 48, vom Blatt. "Einige dieser Dinge geschahen vor meinem Rücktritt, einige geschahen danach."

"Ich küsse den Boden, auf dem du wandelst"

"Diese Dinge" hat der Sex-Blog "The Dirty" Stunden zuvor publiziert: Eine schlüpfrige Fernaffäre mit einer 22-Jährigen, nicht per Twitter wie zuletzt, sondern mit Online-Chats, Telefonsex und gemailten Nacktfotos. Inklusive Penis - von "The Dirty" gnädigerweise gepixelt.

Er: "Ich habe die perfekte Frau gefunden. Wunderschön, sexy und ein bisschen crazy wie ich." Sie: "Ich küsse den Boden, auf dem du wandelst. Du bist unglaublich." Er: "Willst du mir nicht sagen, welches Foto von mir dir am meisten gefällt oder dich am meisten anmacht?" Sie: "Vor allem deine Tiraden zur Gesundheitsreform waren eine riesige Anmache."

Monatelang hätten sie geflirtet, am heißesten zwischen Juni und November 2012. Weiners Screenname dabei, kein Witz: Carlos Danger.

Schon wieder? Immer noch? Wann Señor Gefahr denn wirklich zum letzten Mal gesextet habe, fragt ein Reporter verwirrt. "Kann ich nicht genau sagen", murmelt Weiner fast beiläufig. "Irgendwann im letzten Sommer." Sprich: Als Abedin samt Baby daheim hockte und ihm half, sein Polit-Comeback einzufädeln.

Neue Chance von der Ehefrau, neue Chance von New York?

Lügen, Finten, Ausflüchte: Mit einem Schlag ist Weiners Wahlkampf abermals implodiert. Kann er weitermachen? Undenkbar. Oder etwa doch? New Yorker sind hart im Nehmen. Man denke nur an Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani: Der tat seiner betrogenen Ehefrau die Scheidung per Pressekonferenz kund. Die Wähler nahmen es ihm nicht krumm, Giuliani wurde nach den Anschlägen von 9/11 als Katastrophenmanager zum Helden.

Weiner will seine Ambitionen noch nicht aufgeben: Natürlich mache er weiter. Abedin habe ihm eine zweite Chance gewährt, "ich bitte die New Yorker, mir auch noch eine Chance zu geben". Eine dritte also.

Dann tritt Abedin, 36, selbst ans Mikrofon, nach jahrelangem Schweigen. Als Ehepaar hätten sie "viel Therapie" in den Neuanfang investiert: "Ich liebe ihn, ich habe ihm vergeben, ich glaube an ihn."

Einen Stürzenden muss man nicht schubsen

Mit dem Vergeben kennt sie sich aus. Seit 1996 ist sie eine enge Vertraute Hillary Clintons, stand ihr auch bei, als Bill Clinton mit der Praktikantin Monica Lewinsky techtelmechtelte. Eine Machtfrau lernt von der anderen. Ironie des Zufalls: Am Dienstag feierte Lewinsky 40. Geburtstag.

New Yorks Wahlkampf wird nun vollends zum Tollhaus. Seit seinem Einstieg im Mai führte Weiner in den Umfragen. Werden die Karten nun neu gemischt? Wird die andere Ex-Skandalnudel, der fürs Amt des Finanzchefs kandidierende Ex-Gouverneur Eliot Spitzer, ebenfalls skandalös nachlegen? Die Rivalen halten sich bedeckt. Darunter die offen lesbische, doch in der linken Szene verhasste Stadtratssprecherin Christine Quinn und der beim letzten Mal schon erfolglose, farblose Schwarze Bill Thompson. Sie wissen: Einen Stürzenden muss man nicht schubsen.

"Warum sollten wir Ihrem Urteilsvermögen noch vertrauen?", brüllt ein Reporter. Weiner verschwindet wortlos. Die Podiumsdiskussion zu Aids steht noch an, falls es jemanden interessiert.



insgesamt 92 Beiträge
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Seite 1
fatherted98 24.07.2013
1. Möchte mal wissen...
...wie ein so häßlicher Typ so hübsche Frauen rumkriegt? Wenn er nicht Bürgermeister wird, soll er Buchautor werden und seine gesammelten Erfahrungen mal zum Besten geben.
humptata 24.07.2013
2. Drollig.
"Nach Umfrage hatte Weiner zuletzt mit an der Spitze gelegen."
ernstmoritzarndt 24.07.2013
3.
An diesem Vorgang ist die gesamte verlogene Moral erkennbar: einerseits überpinselte Nacktbildchen, andererseits Schnüffeleien bis in die Unterhose .... und schließlich ein öffentliches Geständnis mit Familienfotos etc., um gleichzeitig mit der nächsten Flamme anzubandeln - und die Paparazzis heulen vor Vergnügen auf. Ist das normale Publikum wenigstens ein wenig angewidert? Ich finde es da doch ganz angenehm, daß unsere Politik - aber auch die Journaille, was diese Fragen angeht - da etwas mehr Zurückhaltung an den Tag legt. Übrigens: Steht nicht irgendwo geschrieben, daß der derjenige, der ohne Schuld ist, den ersten Stein werfen möge?
diamant755 24.07.2013
4. Äpfel und Birnen
Sie lügt wohl sehr gerne. Naja auch wurscht ihr schreibt es ja richtig Kandidat mehr nicht.
bartholomew_simpson 24.07.2013
5.
Am besten sollten nur noch Eunuchen als Kandidaten aufgestellt werden. Auch bei Moralaposteln mit sieben Kindern und heilem Familienleben ist Vorsicht geboten: Die sind noch schlimmer;-).
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