Terror in New York Vom Uber-Chauffeur zum Todesfahrer

Wer ist der Attentäter von New York? Bekannte beschreiben den Usbeken als unauffällig, die US-Behörden sollen ihn bereits früher auf ihrem Radar gehabt haben - und sehen eine Verbindung zum IS.

St. Charles County Department of Corrections/AP/dpa

Von , Washington


Der Mann mietete ein Truck bei "Home-Depot", das ist ein großer amerikanischer Baumarkt. Dann steuerte er den schweren Wagen auf einen belebten Fahrradweg im Süden von Manhattan, tötete er acht Menschen, verletzte elf weitere schwer. Ein Polizist konnte ihn schließlich mit einem Schuss in den Bauch stoppen. Nun liegt er nach einer Notoperation im Krankenhaus, steht unter strenger Bewachung der Sicherheitsbehörden. Wer ist der Mann? Was trieb ihn zu dieser Wahnsinnstat?

Stück für Stück versuchen die Spezialisten der New Yorker Polizei und des FBI die Hintergründe des schweren Anschlags vom vergangenen Dienstag auszuleuchten. Der Namen des Attentäters soll Sayfullo Saipov lauten, er war den Behörden nach einem Bericht der "New York Times" schon vorher im Zusammenhang mit einer anderen Ermittlung aufgefallen, wobei nicht klar ist, worum es bei dem anderen Fall ging.

Die Bundesbehörden haben erst jüngst fünf Männer aus Usbekistan und einen Mann aus Kasachstan wegen Unterstützung der Terrororganisation "Islamischer Staat" im New Yorker Stadtteil Brooklyn festgesetzt. Nun untersuchen sie, inwieweit es eine direkte Verbindung des Attentäters zum IS gab, ob er möglicherweise Mitwisser hatte oder ob er Mann auf eigene Faust handelte.

Der stellvertretende Polizeichef von New York, John Miller, erklärte, der Attentäter habe in dem Pick-up-Truck eine Botschaft in Arabisch hinterlassen, "der Islamische Staat werde immer leben". Das Muster des von ihm verübten Anschlags zeige, dass er exakt nach den Instruktionen für solche Attacken vorgegangen sei, die der IS regelmäßig über die sozialen Medien verbreite. Der 29-Jährige habe seine Tat bereits seit Wochen geplant.

Im Video: Polizei überwältigt Saipov nach der Terrorfahrt

REUTERS

Saipov kam 2010 aus dem zentralasiatischen Usbekistan in die USA. Sein Visum hatte er über die Visa-Lotterie gewonnen, bei der die US-Behörden jedes Jahr 50.000 Aufenthaltsberechtigungen mit Arbeitserlaubnis an Bewerber aus der ganzen Welt verlosen. US-Präsident Donald Trump kündigte an, das Visa-Verfahren per Lotterie sowie den Familiennachzug mit neuen Gesetzesinitiativen zu beenden. Offenbar hat Saipov über sein Visum eine Reihe von Verwandten in die USA gebracht. Den Attentäter bezeichnete Trump als "Tier".

Die ehemalige Sowjetrepublik Usbekistan hat eine überwiegend muslimische Bevölkerung und grenzt an Afghanistan. Schon seit Jahren beobachten westliche Sicherheitsbehörden mit Sorge, dass das Land neben anderen in der Region eine beliebte Rekrutierungsstelle für islamistische Terrorgruppen geworden ist. Der usbekische Präsident Shavkat Mirziyoyev versprach den US-Behörden bei der Untersuchung der Hintergründe der Tat die Mithilfe seines Landes.

Saipov kam vor mehr als sechs Jahren aus der usbekischen Hauptstadt Taschkent nach Amerika, landete in New York am Flughafen John F. Kennedy. Nach kurzen Aufenthalten in Cincinnati (Ohio) zog er nach Florida, wo er als Lastwagenfahrer gearbeitet haben soll. Bekannte berichten in US-Medien, er habe zu Beginn praktisch kein Englisch gesprochen, habe aber versucht, schnell in dem Land Fuß zu fassen. "Als ich ihn kennelernte, war er ein anständiger Kerl", sagte ein Bekannter, ebenfalls ein Usbeke, Reportern in Florida. "Er mochte Amerika und schien glücklich zu sein."

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Anschlag in Manhattan: Tod auf dem Radweg

Nach dem Aufenthalt in Florida zog Saipov nach Paterson, einer Stadt in New Jersey. Dort lebte er in einer Gegend, die überwiegend von Migranten bewohnt wird. Paterson ist praktisch ein Vorort von New York, nach Manhattan dauert die Fahrt mit dem Auto kaum eine Stunde.

Nach allem, was man bisher weiß, arbeitete Saipov in New Jersey als Fahrer bei Uber. Ein Sprecher des Fahrdienstleisters erklärte, Saipov habe die Sicherheitsüberprüfung der Firma seinerzeit bestanden, dabei werden üblicherweise Daten aus dem polizeilichen Führungszeugnis abgefragt. 1400 Fahrten absolvierte er nach Uber-Angaben für das Unternehmen. Dort sei man "erschrocken über diesen sinnlosen Gewaltakt".

Die Behörden gehen davon aus, dass Saipov erst radikalisiert wurde, als er bereits in den USA lebte. Die Beweislage zeige, dass er sich erst nach seiner Ankunft in den USA über den IS und radikale, islamistische Taktiken informierte, sagte der Gouverneur von New York, Andrew Cuomo.



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