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06. September 2018, 01:42 Uhr

"New York Times"

Trump-Mitarbeiter berichtet von "Widerstand" gegen US-Präsidenten

Innerhalb der US-Regierung wird teils aktiv gegen Donald Trump gearbeitet - so berichtet es ein hochrangiger Mitarbeiter des Weißen Hauses in der "New York Times". Der Präsident kritisiert den "feigen" Beitrag.

Die "New York Times" hat in einem ungewöhnlichen Schritt einen Gastbeitrag veröffentlicht, der laut der Zeitung von einem hochrangigen Mitarbeiter der US-Regierung verfasst wurde. Demnach gibt es innerhalb der Regierung aktiven Widerstand gegen Präsident Donald Trump. "Die Wurzel des Problems ist die Amoralität des Präsidenten", heißt es in dem Gastbeitrag. "Das Dilemma - was er nicht ganz versteht - ist, dass viele hochrangige Mitarbeiter in seiner eigenen Regierung von innen heraus unablässig daran arbeiten, Teile seines Programms und seiner schlimmsten Neigungen zu verhindern. Ich sollte es wissen. Ich bin einer von ihnen."

Die "New York Times" berichtete, ihr sei der Name des Autors bekannt. Seine Anonymität werde auf seine Bitte hin gewahrt, weil sein Job sonst in Gefahr sei. "Wir glauben, dass die anonyme Veröffentlichung dieses Essays die einzige Möglichkeit ist, unseren Lesern eine wichtige Sichtweise zu übermitteln", heißt es in einer Erklärung der Zeitung. Der Beitrag trägt den Titel "Ich bin Teil des Widerstands innerhalb der Trump-Regierung".

Der Verfasser schreibt, die Mitglieder der Widerstands-Bewegung wollten sehr wohl, dass die Regierung Erfolg habe, "und sie denken, dass viele ihrer Handlungen Amerika sicherer und wohlhabender gemacht haben". Aber man fühle sich zuallererst dem Land verpflichtet. Und der Präsident agiere in einer Art und Weise, die dem Wohl der Republik schade.

Deshalb hätten viele Personen, die von Trump ernannt wurden, versprochen, ihr Bestmögliches zu tun, "um die demokratischen Institutionen zu bewahren und Trumps am meisten fehlgeleitete Impulse zu vereiteln - bis er nicht mehr im Amt ist".

Trumps Führungsstil wird als impulsiv, feindselig, engstirnig und wirkungslos beschrieben. Es gebe Lichtblicke in der Regierungsarbeit. Die kämen aber trotz Trump zustande - und nicht dank ihm.

Trump wies den Gastbeitrag als "anonym, das heißt feige" zurück. Die Zeitung - und weitere Medienanstalten wie der Sender CNN - würden bald ihr Geschäft einstellen müssen, sagte Trump in einem Video des ihm wohlgesonnenen Senders Fox News, das er auf seinem Twitteraccount verbreitete. "Sie mögen Donald Trump nicht. Und ich mag sie nicht." Später legte Trump noch einmal nach und deutete an, der "ranghohe Regierungsmitarbeiter" existiere nicht. Falls doch, müsse die Zeitung ihn aus Gründen der nationalen Sicherheit sofort an die Regierung übergeben.

Seine Sprecherin Sarah Sanders nannte den Beitrag "erbärmlich, unverantwortlich und selbstsüchtig" und forderte die "New York Times" dazu auf, sich zu entschuldigen. Der Autor hintergehe den gewählten Präsidenten, statt ihn zu unterstützen, sagte Sanders. "Dieser Feigling sollte das Richtige tun und zurücktreten."

Auch im neuen Buch des US-Reporters Bob Woodward heißt es, Trumps eigene Mitarbeiter würden gegen ihn arbeiten. Woodward beschreibt beispielsweise, wie hochrangige Mitarbeiter Dokumente von Trumps Schreibtisch entfernen, damit der Präsident sie nicht unterzeichnen kann. So sei beispielsweise eine Aufkündigung des Handelsabkommens mit Südkorea verhindert worden.

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Die Beziehung zwischen Trump und der "New York Times" gilt schon lange als extrem schwierig. Der US-Präsident kritisiert die Berichterstattung regelmäßig, zuletzt hatten seine verbalen Attacken gegen die Zeitung und Medien im Allgemeinen noch einmal zugenommen. Die Zeitung wiederum wehrt sich gegen die Angriffe. Herausgeber A.G. Sulzberger beispielsweise verurteilte Trumps "zutiefst beunruhigende pressefeindliche Rhetorik".

aar/dpa

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