Beitrag in der "New York Times" Putin warnt Obama vor Kriegstreiberei

Wladimir Putin wendet sich mit einem Appell direkt an die amerikanische Bevölkerung. In der "New York Times" warnt Russlands Präsident vor einem US-Militärschlag gegen Syrien. Im Ausland würden die USA zunehmend als ein Staat wahrgenommen, "der sich allein auf brutale Gewalt verlässt".
Russlands Präsident Putin: "Ein Appell zur Zurückhaltung"

Russlands Präsident Putin: "Ein Appell zur Zurückhaltung"

Foto: ALEXANDER NEMENOV/ AFP

Washington - Der russische Präsident spart nicht mit Kritik an den USA. In einem Meinungsbeitrag für die "New York Times"  spricht sich Wladimir Putin vehement gegen einen drohenden US-Militärschlag in Syrien aus und nennt es "alarmierend", dass ein militärisches Eingreifen in interne Konflikte ausländischer Staaten für die USA zur Gewohnheit geworden sei.

Millionen Menschen rund um die Welt sähen die USA zunehmend "nicht als ein Modell für die Demokratie, sondern als einen Staat, der sich allein auf brutale Gewalt verlässt". Gewalt sei jedoch ineffektiv und zwecklos.

Ein möglicher US-Angriff gegen Syrien würde zu weiteren unschuldigen Opfern und zur Eskalation führen, warnt Putin. Möglicherweise würde sich der Konflikt weit über Syriens Grenzen hinaus ausweiten und eine neue Welle von Terrorismus auslösen.

Putin wirbt in dem Text mit dem Titel "Ein Appell zur Zurückhaltung aus Russland" daher für seinen neuen Vorschlag für die Lösung des Syrien-Konflikts. Er hatte dafür plädiert, das Giftgasarsenal des Regimes von Baschar al-Assad unter internationaler Kontrolle zu vernichten.

Das Assad-Regime bot daraufhin an, seine Chemiewaffen offenzulegen und sogar teils zu zerstören. Doch Experten haben Bedenken: Zu riskant wäre die Mission für Beobachter, zu gut versteckt sind die Arsenale, zu komplex wäre deren Vernichtung. Das Weiße Haus reagierte entsprechend zurückhaltend auf den russischen Vorstoß.

Treffen von Kerry und Lawrow

US-Präsident Barack Obama hatte Assad in den vergangenen Wochen mit einem Militärschlag gedroht, diesen dann aber vorerst aufgeschoben. Seine Truppen stünden allerdings weiter bereit, "um den Druck auf Assad zu wahren", erklärte Obama zugleich. Die USA seien nicht die Weltpolizei, "doch wenn man Kinder davor schützen kann, vergast zu werden, sollte man es tun".

Washington sieht die Schuld für den grausamen Giftgasangriff vom 21. August klar bei Assad. Moskau - traditionell Verbündeter Assads - ist allerdings anderer Meinung, wie Putin in seinem Meinungsbeitrag erneut deutlichmacht.

Der russische Präsident schreibt, dass es keinen Zweifel am Einsatz von Giftgas gebe. "Aber es gibt jeden Grund zu glauben, dass es nicht von den syrischen Streitkräften, sondern von den Oppositionskräften benutzt wurde, um eine Intervention ... zu provozieren."

Am Donnerstag werden sich die Außenminister Russlands und der USA treffen, um über Syrien zu beraten. US-Außenminister John Kerry wird mit seinem Kollegen Sergej Lawrow in Genf zusammenkommen. Bei den Gesprächen werde es auch um die "logistischen und technischen" Bedingungen für eine Vernichtung der syrischen Chemiewaffen gehen, sagte eine US-Sprecherin am Mittwoch. "Wir wissen, dass es auf jeden Fall Herausforderungen gibt, im syrischen Arsenal gibt es eine potentiell große Zahl von Chemiewaffen."

kgp/dpa
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