"NYT" reagiert auf Donald Trump "Wir freuen uns, ihn vor Gericht zu sehen"

Die "New York Times" hat einen neuen Trump-Skandal ins Rollen gebracht, es geht um sexuelle Belästigung. Der Kandidat tobt, die Zeitungsmacher bleiben gelassen. Seinen Ruf habe Trump selbst schon genug beschädigt.

"NYT"-Titelseiten (Archiv)
DPA

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Selbst für seine Verhältnisse war der jüngste verbale Rundumschlag heftig: US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat bei einem Auftritt in Florida das Bild einer korrupten Hillary Clinton gezeichnet, die gemeinsam mit den ebenso korrupten US-Medien versucht, ihm zu schaden.

Hintergrund sind die jüngsten Berichte von Frauen, die Trump sexuelle Übergriffe vorwerfen: Zwei von ihnen hatten sich in der "New York Times" ausführlich zu Wort gemeldet und geschildert, wie Trump sie vor Jahren unsittlich berührte.

Trump bezeichnete nun zunächst Hillary Clinton als "kriminell". Sie sei Teil einer korrupten Elite, die nur den Status quo aufrechterhalten wolle, um auf Kosten des Volkes Einfluss nehmen zu können. Zu dem korrupten Kreis gehörten auch zahlreiche Medienunternehmen, deren Veröffentlichungen von Clinton gesteuert würden. Es gebe keine Lüge, die Hillary Clinton und ihr Ehemann Bill nicht verbreiten würden. "Die Clintons sind Kriminelle, denkt daran, sie sind Kriminelle."

Der "NYT" drohte Trump erneut mit rechtlichen Schritten. "Nichts davon ist wahr", sagte er über den Artikel mit den Vorwürfen der Frauen. Die Medienberichte seien "reine Fiktion" und "komplette Lügen", es handle sich um eine "koordinierte und bösartige" Kampagne, hinter der die "Clinton-Maschine" stecke.

Die Antwort der "New York Times"

Die "NYT" hat inzwischen ihre eigene Antwort auf Trumps Verleumdungsvorwürfe formuliert. Man werde den Artikel weder löschen, noch sich dafür entschuldigen, heißt es in einem Schreiben an Trumps Anwalt Marc Kasowitz.

Wer sich über eine Verleumdung beklage, dem gehe es darum, seinen Ruf zu schützen. Doch laut der Zeitung gibt es bei Trump in dieser Hinsicht nichts mehr zu schützen: "Nichts in unserem Artikel hatte den geringsten Effekt auf den Ruf, den sich Mr. Trump - durch seine eigenen Worte und Taten - selbst erarbeitet hat." Als Beispiele nennt die Zeitung unter anderem Trumps Prahlereien mit sexuellen Übergriffen auf Frauen und sein Einverständnis gegenüber einem Radio-Moderatoren, seine eigene Tochter als "piece of ass" zu bezeichnen.

Man habe mit dem Artikel getan, was das Gesetz erlaube, schreibt die "NYT". Und falls Trump das anders sehe, "freuen wir uns auf die Gelegenheit, ihn von einem Gericht korrigieren zu lassen".

In den vergangenen Jahren hat Trump immer mal wieder mit Verleumdungsklagen gegen verschiedene US-Medien gedroht. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf staatliche Datenbanken und Gerichtsunterlagen berichtet, hat er jedoch seit drei Jahrzehnten keine einzige solche Klage tatsächlich eingereicht.

Melania Trump
AFP

Melania Trump

Melania Trump droht "People" mit Klage

In der Nacht zu Freitag teilte Donald Trumps Ehefrau Melania über ihren Anwalt mit, sie behalte sich rechtliche Schritte gegen das US-Magazin "People" vor. Dort war ein Artikel erschienen, in dem die Reporterin Natasha Stoynoff berichtet, sie habe das Ehepaar mehrfach getroffen - und Donald Trump habe sie bei einem dieser Treffen an eine Wand gedrückt und innig geküsst.

"Unter anderem die folgenden Aussagen in der Geschichte sind falsch und komplett erfunden", heißt es in dem Schreiben von Melania Trumps Anwalt. Dann folgen drei Zitate, die sich ausschließlich auf die Treffen von Melania Trump und der Reporterin beziehen. "Die beiden sind nicht befreundet, das waren sie auch nie." Man fordere die Redaktion auf, die betreffenden Stellen des Artikels zu löschen, einen Widerruf zu veröffentlichen sowie sich zu entschuldigen. Sollte binnen 24 Stunden keine Reaktion erfolgen, behalte Melania Trump sich rechtliche Schritte vor.

Donald Trump sagte über Stoynoff: "Das soll ich gemacht haben? Schaut sie euch doch an!"

Nach Bekanntwerden der jüngsten Vorwürfe gegen Donald Trump hat sich auch First Lady Michelle Obama zu Wort gemeldet. Bei einem Wahlkampfauftritt in New Hampshire sagte sie: "Das hat mich bis ins Innerste erschüttert. Auf eine Art und Weise, wie ich es mir nicht hätte vorstellen können." Mehr dazu lesen Sie hier.

aar/dpa/Reuters

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