Die Lage am Dienstag Liebe Leserin, lieber Leser,


in diesen Stunden fällt Aleppo. Die letzten Verteidigungslinien der Rebellen kollabieren, die regimetreuen schiitischen Milizen rücken vor, und die russischen Bomber konzentrieren ihre Angriffe auf das winzige Gebiet, das den Anti-Assad-Kräften noch geblieben ist. Die Rebellen haben mehr als 95 Prozent des Gebiets verloren, das sie bis vor einem Monat noch in Ost-Aleppo kontrollierten. Aktivisten senden verzweifelte Abschiedsvideos in die Welt, die dem großen Sterben nur ohnmächtig zusieht.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 50/2016
Football Leaks: Die geheimen Verträge der Profis

Die Berichte aus der Stadt schildern eine apokalyptische Situation für die verbliebenen Zivilisten: Gräuel durch Regimetruppen, die Straßen voller Leichen, keine Nahrung mehr, kein Schutz vor Bomben. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon äußert sich "alarmiert", wieder einmal. Für die internationale Gemeinschaft ist das blutige Ende von Ost-Aleppo ein erschütterndes Versagen, für Diktator Baschar al-Assad und seinen Verbündeten Wladimir Putin ein großer Sieg. Sie kontrollieren nun alle Bevölkerungszentren. Der Krieg in Syrien ist damit allerdings noch lange nicht zu Ende.

REUTERS

Trump, die Russen und die Republikaner

Es könnte ein entscheidender Moment in der Beziehung zwischen Donald Trump und der republikanischen Mehrheit im US-Senat werden: Mehr als ein Dutzend republikanischer Senatoren, inklusive Fraktionschef Mitch McConnell, unterstützt eine offizielle Untersuchung der CIA-Vorwürfe, dass Russland versucht habe, die Wahl zugunsten von Trump beeinflussen (hier lesen Sie den Überblick über Vorwürfe und Fakten). Die Untersuchung könnte ein Test werden, ob die Republikaner in der Lage sind, gegen ihren Präsidenten gelegentlich Widerstand zu leisten. Die Clinton-Wahlkampagne fordert nun gar, dass alle Geheimdienstinformationen über das russische Hacking öffentlich gemacht werden.

REUTERS

Die Türkei und der EU-Beitritt

Beim EU-Außenministertreffen droht heute ein Eklat: Österreich, die Niederlande und Bulgarien wollen die EU-Beitrittsverhandlungen für die Türkei aussetzen. Allerdings vertreten sie damit eine Minderheit, durchsetzen können sie sich kaum - aber sie können die Abschlusserklärung blockieren, als eine Art Protestnote. Derweil verstärkt die EU auf den griechischen Inseln nach SPIEGEL-Erkenntnissen den Grenzschutz mit Frontex-Beamten - für den Fall, dass die Türkei den Flüchtlingsdeal aufkündigen sollte.

DPA

Hollande bei Merkel

Das heutige Treffen zwischen Angela Merkel und François Hollande in Berlin hat bereits etwas von Abschied, auch wenn die beiden Politiker sich bis zur französischen Präsidentschaftswahl im Mai noch einige Male begegnen werden. Es ist das erste Mal, dass die beiden sich sehen, seit Hollande angekündigt hat, nicht für eine zweite Amtszeit zu kandidieren. Seither hat sich seine Beliebtheit laut einer Umfrage übrigens deutlich gesteigert - von 16 auf 29 Prozent.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

DPA

Gewinnerinnen des Tages

Das EU-Parlament verleiht heute den Sacharow-Menschenrechtspreis an die Jesidinnen Nadja Murad und Lamia Hadschi Baschar für ihren Kampf gegen den "Islamischen Staat". SPIEGEL-Reporter Ralf Hoppe traf Nadia Murad vor zwei Jahren im Irak und schrieb damals ihre Geschichte auf: Neun Tage lang war sie in der Gewalt des IS, wurde von Kämpfern missbraucht und konnte fliehen. Seither ist sie zu einer Art Sprecherin der rund 3000 noch immer verschleppten Jesidinnen geworden, ist zur Uno-Sonderbotschafterin ernannt worden, hat vor dem Sicherheitsrat gesprochen und wird von der Menschenrechtsanwältin Amal Clooney vertreten.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.

Herzlich,

Ihr Mathieu von Rohr

Mehr zum Thema
Newsletter
DIE LAGE: Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen


insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
i.dietz 13.12.2016
1. Guten Morgen liebes Spiegel-online-Team
"Hinter dieser Tat steckt Europa" " ist das Erdogan Kriegserklärung gegen die EU ? Welcher "vernünftige" Mensch führt mit solch einem Mensch weitere Verhandlungen ?!
thequickeningishappening 13.12.2016
2. # Merkel/Hollande
Herr Hollande erreicht ungeahnte Beliebtheitswerte. Frau Merkel koennte Es Ihm nachmachen, hat sich aber entschieden dass Sie noch gebraucht wird Was auch, da alternativlos , verständlich ist.
rolf.scheid.bonn 13.12.2016
3. Es hieß doch immer, ...
... 300000 Zivilisten sitzen in Ost-Aleppo fest. Jetzt, wo 95 Prozent der Rebellengebiete an Assad gefallen sind, ist von 40000 Flüchtlingen die Rede. Immer noch schlimm, aber kann es sein, dass hier maßlos übertrieben wurde? Und wenn ja, warum? Für die Zivilisten ist es schlimm, aber wie viele davon haben mit den Islamisten sympathisiert bzw. kollaboriert? Mit ist ein Sieg Assads jedenfalls lieber als ein Sieg von Rebellen, bei denen Islamisten dominieren. Jetzt kommt Aleppo wenigstens wieder zur Ruhe. Und der Rest vom Land hoffentlich bald auch.
rwinter77 13.12.2016
4. Alleppo fällt?
Bei allem Mitgefühl für die Betroffenen sollten wir doch auf unzulässige Verallgemeinerungen verzichten. Nicht "Alleppo" fällt, sondern nur der von Rebellen gehaltene Teil Im Osten der Stadt, in dem sich auch nur ein Bruchteil der Bervölkerung Alleppos aufhielt. Und "apokalyptische" Szenen sind in einem assymetrischen Krieg in dichtbesiedelten Städten fast unvermeidbar, man denke nur an Faludscha. Wenn man die Zivilbevölkerung in solchen militärisch ausweglosen Situationen schützen will, muss man sie evakuieren oder die Kämpfe einstellen. Dazu waren auch Teile der Rebellen nicht bereit.
jimbofeider 13.12.2016
5. Ban Ki Moon,
Ist ständig alarmiert und verurteilt aufs schärfste,passieren tut nichts um endlich Frieden zu stiften,traurig.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.